Wilson - Der Weltverbesserer

Wilson - Der Weltverbesserer

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Einen Menschenfreund kann man Wilson (Woody Harrelson) nicht gerade nennen. Und einen Weltverbesserer eigentlich auch nicht. Denn der alleinstehende Mann knarzt und raunzt sich mit schonungsloser Ehrlichkeit durch seine Nachbarschaft, dass man sich wundert, dass er nicht längst eine ordentliche Tracht Prügel bezogen hat. In gewisser Weise erinnert er an Kino-Vorbilder wie Jack Nicholson in Besser geht’s nicht und Rolf Lassgård in Ein Mann namens Ove, auch wenn dieser Wilson noch ein wenig jünger ist. Craig Johnson (The Skeleton Twins) hat für seinen neuen Film eine Graphic Novel von Daniel Clowes, der auch die Vorlage für Ghost World besorgte, adaptiert – das Ergebnis freilich bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück, woran auch ein Woody Harrelson in Bestform nichts ändern kann.
Nach seiner Scheidung vor 17 Jahren hat es sich Wilson zusammen mit seinem Hund einigermaßen in seinem Leben eingerichtet, er motzt und nörgelt sich durch die Gegend und hat seine tiefsitzende Verbitterung durch Härte und doofe Sprüche getarnt. Doch dann treten Veränderungen in sein Leben, die es erforderlich machen, dass er sich neue Bezugspunkte in seinem Leben sucht: Da ist zum einen der Tod seines Vaters und zum anderen der Umzug seines besten (weil einzigen) Freundes, die in ihm plötzlich das Gefühl wecken, dass er im Grunde seines Herzens zutiefst einsam ist und darunter entsetzlich leidet. Also macht er sich auf die Suche nach seiner Ex-Frau Pippi (Laura Dern), die am Ende ihrer Beziehung schwanger war und abtrieb und danach anscheinend einige Probleme mit Drogen hatte. Zu seinem Erstaunen aber sieht Pippi überhaupt nicht verhärmt und vom Leben gezeichnet aus, sondern hat ihr Leben wieder einigermaßen in den Griff bekommen.

Und noch eine Überraschung hat sie im Köcher: Statt wie behauptet abgetrieben zu haben, hat sie eine Tochter auf die Welt gebracht und diese anschließend zur Adoption freigegeben, so dass Wilson unversehens zum Vater eines 16-jährigen Mädchens geworden ist. Auf sein Betreiben hin machen Pippi und er sich auf die Suche nach dem mittlerweile fast erwachsen gewordenen Kind und spüren es in der Obhut einer offensichtlich gutgestellten Familie auf. Doch die Kontaktaufnahme zwischen den biologischen Eltern und der heftig pubertierenden Claire (Isabella Amara) gestaltet sich schwierig, was unter anderem daran liegen mag, dass das Mädchen bislang nichts von ihrer Herkunft wusste. Kurzerhand beschließen Wilson und Pippi eine Art späte Wiedergutmachung und unternehmen mit Claire einen Ausflug, der die Familienzusammenführung beschleunigen soll. Doch dieses Abenteuer bleibt nicht ohne Folgen, denn Claires Adoptiveltern wissen nichts von diesem Vorhaben, zu dem sie sicherlich niemals ihre Zustimmung gegeben hätten.

Woody Harrelson hat sichtbar Freude an seiner Rolle als Ekelpaket und es liegt auch nicht an der hinreißenden Laura Dern, dass Craig Johnsons Tragikomödie Wilson - Der Weltverbesserer nicht so richtig zu zünden vermag. Viel eher schon an der zersplitterten erzählerischen Struktur, bei der sich die einzelnen Episoden als so disparat erweisen, dass man am Ende des Films meint, gleich mehrere aneinander geheftete Werke gesehen zu haben, die allein durch die Figuren lose zusammengehalten werden. Von der tragikomischen Studie eines verbitterten Mannes mittleren Alters über die streckenweise slapstickhaft wirkende Episode der gefakten Familienzusammenführung und Anmutungen eines Knastdramas bis zur zunehmend gefühligen Auflösung reicht die Bandbreite von Wilson und erfordert eine ganze Reihe von recht abrupten emotionalen wie erzählerischen Kehrtwendungen, die nicht immer sauber motiviert erscheinen. Da vollzieht sich beispielsweise Wilsons Wandel im Knast vom Prügelknaben zum allseits beliebten und geschätzten Mitgefangenen binnen eines Schnittes und ohne vorherige Ankündigung so rasant, dass es dieser Entwicklung ebenso an Glaubwürdigkeit fehlt wie zuvor seiner Metamorphose vom Misanthropen zum besorgten Vater. Es sind Holprigkeiten wie diese, die Craig Johnsons Film trotz vielversprechender Ansätze zu einem ambivalenten Werk mit einigen kleinen Höhepunkten, aber auch viel Schattenseiten werden lassen.

Wilson - Der Weltverbesserer

Wilson, ein einsamer und hochneurotischer geschiedener Mann mittleren Alters nähert sich wieder seiner Ex-Frau an und erfährt dabei, dass er Vater einer Tochter im Teenager-Alter ist, von der er bislang nichts wusste. Also macht er sich begeistert von dieser Nachricht auf den Weg, auf seine ganz eigene und sehr verdrehte Weise Kontakt zu seinem Kind aufzunehmen.
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