Wie ich das Ende der Welt erlebte

Wie ich das Ende der Welt erlebte

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Freitag, 24. April 2009, 3sat, 22:25 Uhr

Als 2007 die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes an den Film 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage von Cristian Mungiu ging, gewann damit zwar der erste rumänische Langfilm diese begehrte Auszeichnung. Doch zuvor war bereits ein anderer Regisseur der jungen Filmemachergeneration aus Rumänien, die sich stark mit dem Komplex um die repressive Herrschaft Nicolae Ceauşescus beschäftigt, sehr erfolgreich in Cannes: Catalin Mitulescu, dessen Beitrag Trafic 2004 die Goldene Palme für Kurzfilme erhielt und dessen Film Wie ich das Ende der Welt erlebte in der Kategorie „Un Certain Regard“ für Dorotheea Petre als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde.
Im Jahre 1989, als sich im Zuge der gravierenden politischen Umstürze in Europa auch das Ceauşescu-Regime seinem Ende zuneigt, wächst die jugendliche Eva (Dorotheea Petre) bei ihrer Familie in einer verrottenden Gegend in Bukarest auf. Zu ihrem siebenjährigen Bruder Lalalilu (Timotei Duma) hat sie ein sehr herzliches Verhältnis, während sich ihre Beziehungen zu den Eltern dem rebellischen Alter entsprechend zunehmend distanziert gestalten. Als Eva gemeinsam mit ihrem Freund Alexandru (Ionut Becheru) unbeabsichtigt einen modellierten Kopf des Staatsoberhauptes von seinem Sockel stürzt, wird die wenig reumütige Täterin prompt von der Schule geschmissen, während Alexandru von seinem politisch einflussreichen Vater (Grigore Gonta) geschützt wird.

Auf der neuen Schule lernt Eva den wachen Andrei (Cristian Vararu) kennen und schätzen, der ebenso wie sie selbst so ganz andere Vorstellungen von einem guten Leben hat als die rumänische Realität festschreibt, und es entwickelt sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden Freigeistern, die von einer liberalen Existenz im Westen träumen. Eva wäre schon bereit, zusammen mit Andrei die Flucht zu wagen, gäbe es nicht den kleinen Lalalilu, den sie nicht im Stich lassen will. Bald allerdings nehmen ihre Pläne, nach Italien abzuhauen, ganz konkret Gestalt an, und es scheint so, dass Eva diesen Schritt riskieren und damit ihre Familie tatsächlich verlassen will. Doch je näher der unwiderrufliche Zeitpunkt der Flucht rückt, desto kräftiger plagt Eva der Gedanke an ihren Bruder, der sich schließlich als der radikalste Revolutionär der Familie entpuppen wird …

Wie ich das Ende der Welt erlebte ist großes Kino mit einem überaus überzeugenden Ensemble aus Rumänien, stimmig eingebettet in das historische Moment der politischen Umbruchzeiten, die so lange bereits von den Menschen des Landes herbeigesehnt wurden. Es gelingt Catalin Mitulescu nicht nur, diese ganz spezifische Atmosphäre eindringlich zu transportieren, sondern er beweist auch sein Gespür für die filigranen bis turbulenten, häufig allzu ambivalenten Regungen und Befindlichkeiten jugendlicher Geister, deren Identität sich im Schatten eines diktatorischen Staates entwickeln muss – nicht ohne gelegentliches Pathos, aber vor allem mit einem ganz eigenen, schrägen Humor. Der Regisseur gestattet sich dabei eine Emotionalität, die von der Erinnerung an das eigene Erleben des Niedergangs Nicolae Ceauşescus gespeist wird, den er einst im Alter von siebzehn Jahren als Ende der Welt bejubelte, was der Perspektive Evas, die den Film dominiert, eine frische Authentizität verleiht. Wie ich das Ende der Welt erlebte stellt auch eine Hommage an die Courage der widerständigen und die Standhaftigkeit der still leidenden Bevölkerung Rumäniens dar, deren Kraft und Lebensfreude auch unter dem Druck der desolaten wirtschaftlichen wie politischen Verhältnisse nicht vollständig verschüttet lag.

Wie ich das Ende der Welt erlebte

Als 2007 die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele von Cannes an den Film 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage von Cristian Mungiu ging, gewann damit zwar der erste rumänische Langfilm diese begehrte Auszeichnung. Doch zuvor war bereits ein anderer Regisseur der jungen Filmemachergeneration aus Rumänien, die sich stark mit dem Komplex um die repressive Herrschaft Nicolae Ceauşescus beschäftigt, sehr erfolgreich in Cannes:
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