Wicker Man – Ritual des Bösen

Wicker Man – Ritual des Bösen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Remake eines seltsamen Kultklassikers

Es gibt Filme, die man nie vergisst und die sich, obgleich sie nur die wenigsten Kinofans wirklich gesehen haben, zu veritablen Kultklassikern gemausert haben. So verhält es auch bei The Wicker Man, allerdings nicht bei dem hier vorliegenden Film, sondern bei dem Original, einer britischen Produktion aus dem Jahr 1973. Der krude Genremix aus Horrorfilm und Psychodrama stammte aus der Feder des Drehbuchautors Anthony Shaffer, der unter anderem das Skript für Frenzy von Alfred Hitchcock besorgt hatte und mit den Vorlagen zu Tod auf dem Nil / Death on the Nile, Das Böse unter der Sonne / Evil Under the Sun und Rendezvous mit einer Leiche / Appointment With Death, jeweils mit Peter Ustinov in der Rolle des Hercules Poirot, jedem interessierten Fernsehzuschauer ein Begriff sein dürfte. Dass sich nun ein mit einigen Filmen bestens renommierter, junger Arthouse-Regisseur wie Neil LaBute (In the Company of Men, Your Friends & Neighbors, Besessen / Possession, Nurse Betty) anschickt, dem Film um eine geheimnisvolle Insel und eine noch geheimnisvollere Sekte ein neues Gewand zu verpassen, berechtigt zu einigen Hoffnungen – die sich aber im Laufe des Films ziemlich rasch verflüchtigen.
Manchmal sind es nur Momente, die über unser Leben entscheiden – so auch im Falle des Police Officers Edward Malus (Nicolas Cage). Als er eines Tages mit ansehen muss, wie eine Mutter und ihre Tochter von einem außer Kontrolle geratenen LKW überrollt werden und er keine Möglichkeit mehr hat, das Kind aus dem brennenden Auto zu retten, gerät sein Leben aus den Fugen. Er kann die schrecklichen Bilder nicht aus seinem Kopf verbannen, fühlt sich auf dumpfe Weise schuldig und versucht mit Tabletten aus der tiefen Dunkelheit zu befreien, das ihn seitdem umgibt. Als Malus einen Brief von seiner Ex-Verlobten Willow (Kate Beahan), indem sie ihn bittet, nach ihrer verschwundenen Tochter Rowan zu suchen, sieht Malus seine Chance gekommen, das Trauma zu verarbeiten und seine „Schuld“ wieder gut zu machen. Der Polizist macht sich auf die Reise zu jener Privatinsel, auf der seine Ex-Verlobte lebt. Dort lebt sie inmitten einer matriarchalisch geprägten Sekte, die seltsame archaische Rituale pflegt. Je tiefer Malus in die Geheimnisse der Insel eindringt, umso mysteriöser wird die Angelegenheit, bis der Eindringling schließlich merkt, worum es bei der Geschichte wirklich geht. Doch da ist es bereits zu spät…

Das Original aus dem Jahr 1973 unter der Regie von Robin Hardy mit Edward Woodward, Christopher Lee und Britt Eklund ist eindeutig ein Kind seiner Zeit, ein seltsames spät-hippieeskes Machwerk mit düsterer und sehr eigenartiger Stimmung, die auf die dunklen Seiten der späten Sechziger und frühen Siebziger Bezug nimmt. Zwar gibt es auch heute noch genügend okkulte Sekten, die ihr Unwesen treiben, doch in der Spätphase der Hippie-Bewegung waren Gruppierungen wie Charles Mansons Family integraler Bestandteil der Popkultur und dadurch weitaus stärker im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit verankert. Kein Wunder also, dass das Original von The Wicker Man zu den Filmen aus den Siebzigern gehört, die im Lauf der Jahre eine kleine, aber treue Fangemeinde um sich versammeln konnten. Möglicherweise war ja genau das einer der Gründe, ein Remake des Films in Angriff zu nehmen. Ganz unverändert wurde die Vorlage dann aber doch nicht gelassen. So finden sich an einigen Punkten des Films entscheidende Veränderungen, die allerdings hier nicht genannt werden können, ohne einen Teil der (ohnehin recht mauen) Auflösung zu offenbaren.

Selten waren sich die Kritiker so einig wie bei Neil LaButes Remake, dass dieser Wiederaufguss einer der unnötigen Sorte ist. Das beginnt mit einer völlig unzureichenden schauspielerischen Leistung von Nicolas Cage, der – sonst auch nicht gerade mit allzu viel Ausdruckskraft gesegnet – hier als Polizist dermaßen naiv agiert, dass man sich als Zuschauer nur fassungslos an den Kopf greifen kann. Für die Freunde filmischen Horrors dürfte der Streifen viel zu wenig explizit geraten sein, während anspruchsvolle Filmfans die bei Zeiten mäandernde Story mit einigen erheblichen logischen Brüchen auch nicht gerade überzeugen dürfte. Deshalb sei an dieser Stelle noch einmal auf das Original aus dem Jahr 1973 verwiesen, das erheblich mehr atmosphärische Dichte aufweist als das Remake, das man getrost zu den Enttäuschungen dieses Jahres zählen darf und das man am besten wieder schnell vergisst.

Wicker Man – Ritual des Bösen / The Wicker Man ist im Übrigen dem 2004 an Krebs gestorbenen Johnny Ramone gewidmet, der Nicolas Cage auf das Original aus den Siebzigern aufmerksam machte. Ob der Film dem Ober-Ramone allerdings gefallen hätte, darf angesichts des Ergebnisses eher bezweifelt werden.

Wicker Man – Ritual des Bösen

Es gibt Filme, die man nie vergisst und die sich, obgleich sie nur die wenigsten Kinofans wirklich gesehen haben, zu veritablen Kultklassikern gemausert haben.
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Meinungen
Micha · 23.09.2007

So einen schwachsinnigen Film hab ich seit langem nicht mehr gesehen!

8 Euro für die DVD zum Fenster hinausgeworfen =_=

Kommentare

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