Whisky Romeo Zulu

Whisky Romeo Zulu

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Mittwoch, 15. April 2009, arte, 23:30 Uhr
Wer sich angewöhnt hat, seine Reisen mit gelegentlich geradezu spottbilligen Fluglinien zu unternehmen, wird möglicherweise nach Sichtung dieses argentinischen Dramas von 2004 seine Haltung einmal gründlich überdenken. Denn auch wenn Whisky Romeo Zulu als Spielfilm das Regie-Debüt des Piloten und Schauspielers Enrique Piñeyro darstellt, beruht der mit dokumentarischer Präzision inszenierte Film auf der authentischen Geschichte des Flugs 3142 der Líneas Aéreas Privadas Argentinas (LAPA) vom 31. August 1999, der in der Nähe des Flughafens von Buenos Aires tragisch verunglückte, wobei 67 Menschen starben. Enrique Piñeyro, der selbst als Pilot für die LAPA im Einsatz war und nachhaltig die unzureichende Sicherheit an Bord angeprangert hatte, bevor er seinen Job kündigte, hat damit einen Stoff verfilmt, der seine ganz persönliche Geschichte repräsentiert und dessen Hauptfigur er auch selbst verkörpert.

Es ist schlichtweg die Passion, die den Piloten T (Enrique Piñeyro) immer wieder ins Cockpit treibt, der auf eine langjährige Berufserfahrung zurückblicken kann und in dessen Leben es kaum noch private Aspekte gibt, nachdem seine letzte Beziehung gescheitert ist. Der aufrechte Charakter kämpft zum eigenen und zum Wohl seiner Passagiere unerbittlich um die dringend notwendige Verbesserung der Flugsicherheit, doch die Billigfluglinie LAPA, für die er arbeitet, schert sich wenig um die Mahnungen des Piloten, der daraufhin seine gesammelten Missstandsmeldungen an einen entsprechenden Fahnder (Adolfo Yanelli) weiterleitet. Doch den Ausmaßen der skrupellos gewinnbringend orientierten Korruption lässt sich kaum so ohne weiteres beikommen, und unweigerlich ziehen die Vorboten einer vermeidbaren Katastrophe herauf …

Einen engagierten wie ambitionierten Film mit einer eindeutigen besorgten Botschaft stellt Whisky Romeo Zulu, dessen Titel der Kennung des damals verunglückten Fliegers der LAPA entlehnt ist, dar, der gleichzeitig Anklage und Appell ist. Technisch wie dramaturgisch so authentisch wie aufwändig umgesetzt ist der mehrfach ausgezeichnete Film aber auch die packende Geschichte eines Mannes, der gegen eine verschworene Maschinerie aus mächtigen Industriellen und korrupten Behörden ankämpft, auch dann noch, als seine Warnungen immer wieder bagatellisiert werden und er schließlich in enorme Bedrängnis gerät – ein mutiges, mahnendes Pamphlet im Zeitalter der Billigflüge.

Whisky Romeo Zulu

Wer sich angewöhnt hat, seine Reisen mit gelegentlich geradezu spottbilligen Fluglinien zu unternehmen, wird möglicherweise nach Sichtung dieses argentinischen Dramas von 2004 seine Haltung einmal gründlich überdenken.
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