Wer stirbt schon gerne unter Palmen

Wer stirbt schon gerne unter Palmen

Eine Filmkritik von Martin Beck

Cast Away

Das Label Filmjuwelen landet gerne Treffer mit obskuren Filmen, die oftmals mehrere Jahrzehnte Regalknast hinter sich haben und eigentlich von niemandem vermisst wurden. Obwohl sie eigentlich sehenswerte Qualitäten besitzen. Oder weil sie, wie im Fall von Wer stirbt schon gerne unter Palmen, all den grausigen Kitsch vereinen, den man spontan mit diesem Filmtitel in Verbindung bringt.
Und mit Kitsch ist hier KITSCH gemeint, nämlich eine Mischung aus Abenteuer, Romantik und Whodunit, basierend auf einem Roman von Heinz G. Konsalik. Dieser Mann steht synonym für trashige Hausfrauen-Poesie, die mit einem gediegen klingenden Titel eine dezent verruchte Pulp-Suppe mit deutschem Siebziger-Jahre-Charme anrührt. Das Zielpublikum: Weiblich, Dutt, zwei Kinder, vor 20 Jahren ein echt heißer Feger. Und träumen muss sie halt können, träumen von der exotischen Südsee.

Genauer gesagt von Sri Lanka, wo Wer stirbt schon gerne unter Palmen spielt. Inmitten dieser malerischen Umgebung, wo man kaum erkennen kann, wo das blaue Wasser aufhört und der blaue Himmel anfängt, wird ein reicher Plantagenbesitzer brutal ermordet. Inspektor Cerdan (Glauco Oronato) verdächtigt sogleich Anne (Maria Gudy), dessen hübsche deutsche Frau, die dann zwecks Anklage mit einem Flugzeug nach Colombo gebracht werden soll.

Dort kommt sie allerdings nicht an, denn ihr Flugzeug stürzt über einer einsamen Insel ab, zusammen mit dem Inspektor. Der einzige andere Bewohner des Eilands ist Werner Becker (Thomas Hunter), ein gestrandeter Segler, der natürlich sogleich bei Anne in Balzstellung geht. Und damit einen Konflikt mit Cerdan heraufbeschwört, der alle tragischen Anzeichen einer klassischen Dreierbeziehung trägt – dick unterstrichen mit der Frage, wie konstruiert eine Geschichte eigentlich sein kann.

Denn bitte: Ein Flugzeugabsturz auf eine malerische Insel. Nur die zwei entscheidenden Personen überleben. Und dann biegt auch noch ein schickes Raubein um die Ecke, das in dieser Situation nichts anderes im Hirn hat, als die Frau anzubaggern und mit dem Inspektor Streit anzufangen. Weil es ja irgendwie in das Sex & Crime-Weltbild von Konsalik passen muss. Das aber natürlich nur ein Abziehbild von Sex & Crime stemmt, so gut wie sicher ausgedacht am heimischen Eiche-rustikal-Schreibtisch.

Für Regisseur Alfred Vohrer war Wer stirbt schon gerne unter Palmen eine seiner letzten Kinoproduktionen, bevor dann Derrick und Die Schwarzwaldklinik riefen. Die Inszenierung kann sich zwar sehen lassen, aus handwerklicher Warte, aber mit so einer trantütigen inhaltlichen Vorlage knarzt es trotzdem in Gebälk. Was hier passiert, ist so öde, so sehr auf Schema F geeicht und so betulich seicht, dass selbst inbrünstige Emotionen wie in Watte gepackt erscheinen.

Das ist die Sorte deutscher Film, in die uns unsere Eltern immer reinschleppen wollten. Aus filmhistorischer Sicht mag diese DVD-Premiere Sinn machen, zumal Bild und Ton ordentlich aufbereitet wurden, doch ansonsten steht man hier knietief in den deutschen Unterhaltungsfilm-Untiefen. Weder besonders gut noch besonders ruppig noch besonders spannend. Ein echter Konsalik eben, auf den Millimeter genau auf die Maße der Nachttischschublade hingeschrieben.

Wer stirbt schon gerne unter Palmen

Das Label Filmjuwelen landet gerne Treffer mit obskuren Filmen, die oftmals mehrere Jahrzehnte Regalknast hinter sich haben und eigentlich von niemandem vermisst wurden. Obwohl sie eigentlich sehenswerte Qualitäten besitzen. Oder weil sie, wie im Fall von „Wer stirbt schon gerne unter Palmen“, all den grausigen Kitsch vereinen, den man spontan mit diesem Filmtitel in Verbindung bringt.
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