Weit weg

Weit weg

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Donnerstag, 12. Februar 2009, WDR, 23:15 Uhr

In vielerlei Hinsicht beschäftigt sich diese französisch-spanische Koproduktion von 2001 mit dem besonders in diesen modernen Zeiten der scheinbar sich verkürzenden örtlichen Distanzen signifikanten Thema der Entfernungen. Bereits der Titel Weit weg / Loin transportiert sehr schön auf den Punkt gebracht, worum es in dieser Geschichte geht, die vorder- sowie hintergründig vom Fortsein, der Ferne und somit gleichzeitig zwangsläufig auch von der Nähe als einem der elementarsten Bedürfnisse der menschlichen Kreatur handelt.
Die attraktive Sarah (Lubna Azabal) betreibt in der berühmt-berüchtigten marokkanischen Hafenstadt Tanger eine kleine Pension, die ihr ein bescheidenes Auskommen verschafft. Ihr Lebenstraum ist diese Herberge sicherlich nicht, ebenso wenig wie der ihres guten Gefährten Saïd (Mohamed Hamaidi), der bei ihr arbeitet und entschlossen ist, eines Tages im so nahen Europa sein Glück zu versuchen. Der Dritte in einem gewachsenen Freundschaftsbund mit den beiden ist Serge (Stéphane Rideau), der mit seinem Laster zwischen Frankreich und Marokko pendelt und Textilien transportiert. Mit Sarah verbindet ihn außerdem eine heftige sexuelle Leidenschaft, doch Serge träumt offensichtlich auch von einer gemeinsamen Zukunft. Als Sarahs Wunsch nach Veränderungen durch das Angebot ihres Bruders, zu ihm nach Kanada zu ziehen, greifbar wird, gerät die Stabilität aller drei Freunde gefährlich ins Wanken ...

Weit weg / Loin des mehrfach ausgezeichneten französischen Regisseurs André Téchiné (Ma saison préférée / Meine liebste Jahreszeit, 1993, Alice et Martin / Alice und Martin, 1998, Les Témoins / Die Zeugen, 2006) besticht durch die bedächtige Langsamkeit, mit der sich die Handlung drei Tage lang auf ihre drei Protagonisten konzentriert, die allein durch die Gedanken an einen ganz anderen Lebenswandel in Aktionen mit kaum überschaubaren Konsequenzen geraten. Die Art der emotional zurückgezogenen Inszenierung betrachtet die Figuren mit der Distanz des Titels auf dem Territorium ihrer inneren Zustände, die oftmals nur in Andeutungen sichtbar werden, als Kontrast vor dem lebhaften Szenario der Hafenstadt an der Grenze zwischen Europa und Afrika, einem geradezu idealen Ort für gestrandete Hoffnungen auf beiden Seiten. Weit weg / Loin wurde in der Region um Tanger auf der marokkanischen und Algeciras auf der spanischen Seite gedreht, und es ist nicht zuletzt die gelungen eingefangene Atmosphäre dieser Städte, die diesen kleinen Film der großen Sehnsüchte sehenswert macht.

Weit weg

In vielerlei Hinsicht beschäftigt sich diese französisch-spanische Koproduktion von 2001 mit dem besonders in diesen modernen Zeiten der scheinbar sich verkürzenden örtlichen Distanzen signifikanten Thema der Entfernungen.
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