Weg in die Wildnis

Weg in die Wildnis

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der größte Western aller Zeiten

Fast 25 Jahre sind vergangen, seit Larry McMurtrys Pulitzerpreisgekrönter Roman Lonesome Dove (hierzulande als Weg in die Wildnis bekannt) verfilmt wurde. Herausgekommen ist nicht nur eine der besten Miniserien, sondern der größte Western aller Zeiten. Endlich liegt der Film nun auch in Deutschland auf DVD und Blu-ray vor.
Die alten Texas Rangers Woodrow Call (Tommy Lee Jones) und Gus McCrae (Robert Duvall) beschließen, eine Viehherde über mehrere tausend Meilen nach Montana zu treiben. Ihr alter Freund Jake Spoon (Robert Urich) nimmt dabei die Hure Lori (Diane Lane) mit, aber es ist Gus, der für die Sicherheit der Frau sorgen muss. Auf dem Treck werden Call und Guss von Deets (Danny Glover), Calls von ihm nicht anerkanntem Sohn Newt (Ricky Schroder), Pea Eye Parker (Timothy Scott) und einigen anderen begleitet. Die Reise ist lang und beschwerlich. Mehr als einen ihrer Freunde müssen sie auf der Reise nach Montana beerdigen …

Weg in die Wildnis (früherer Fernsehtitel: Der Ruf des Adlers) ist in Umsetzung und Geschichte eine der großen epochalen Geschichten, bei der eine Vielzahl von Figuren sehr gekonnt jongliert werden, während auf ein Ende zugesteuert wird, das keinerlei Erzählfaden offen lässt. Mit der Beziehung von Woodrow Call und Gus McCrae wird eine der ganz großen Freundschaften der Filmgeschichte etabliert, deren Entwicklung man in McMurtrys später geschriebenen, aber chronologisch vorher spielenden Romanen (Dead Man’s Walk, Comanche Moon, beide auch verfilmt) in ihrer Gänze erleben kann. Beide sind jedoch nur Beispiele für die extrem vielschichtigen und komplexen Figuren, die McMurtry erschaffen und Simon Wincer im Film zum Leben erweckt hat. Sie alle haben Stärken und Schwächen, wie ein jeder von uns.

Bis in die Nebenrollen namhaft besetzt, kann man sich der Faszination der Miniserie nicht entziehen. Trotz allen Abenteuers und aller Gefahr ist Weg in die Wildnis vor allem eine Geschichte über echte Menschen. Echte Menschen sterben, auch das ist eine Stärke der Geschichte. Nichts und niemand ist hier sicher, noch nicht einmal die Hauptfiguren. Jones und Duvall sind superb. Ersterer war dabei nicht die erste Wahl, zuvor wandte man sich u.a. auch an James Garner (der später in Der letzte Ritt den alten Woodrow Call spielt), Duvall wiederum wurde zuerst der Part von Woodrow angeboten, aber er verliebte sich in Gus und betrachtet die Rolle als die beste, die er in seinem Leben spielen durfte.

Die in Texas gedrehte Miniserie wurde von Dean Semler in grandiosen Bildern eingefangen. Er zeigt einen Wilden Westen, wie man ihn so im Genre nur selten zu sehen bekommen hat, authentisch und wunderschön zugleich. Auch wegen dieser Authentizität, die sich in der Ausstattung und den Kostümen widerspiegelt, stellt der sechsstündige Film praktisch alle anderen Western in den Schatten. Abseits der üblichen Gegenden, die für amerikanische Western genutzt wurden, gedreht – man filmte 16 Wochen lang in Texas und New Mexico – bietet Weg in die Wildnis eine deutliche Abkehr von anderen Genre-Vertretern.

Weg in die Wildnis ist erhebend und traurig zugleich, vor allem aber ein Film, der das Leben feiert.

Im Vergleich zur alten amerikanischen DVD sieht die neue deutlich besser aus. Die Farben sind kräftiger, Rauschen ist jedoch vor allem bei Nachtszenen gut erkennbar. Weg in die Wildnis liegt nun in 1,78:1 vor, dafür musste das Bild oben und unten kaschiert werden, da ursprünglich in 4:3 gedreht wurde. Das fällt aber nur in ganz wenigen Momenten auf, so etwa im vierten Teil, als Call und Gus ein letztes Mal miteinander reden. Bei den Großaufnahmen sind die Köpfe stark angeschnitten. An Bonus gibt es ein knapp 50-minütiges Making Of, das zur damaligen Zeit entstand und viele Schauspieler und Beteiligte zu Wort kommen lässt, aber ein starkes EPK-Feeling verströmt. Interessanter gestaltet sich das zehnminütige Interview mit McMurtry, in dem er erklärt, wie er auf den Namen kam und wie lange er an dem Roman arbeitete.

Weg in die Wildnis

Fast 25 Jahre sind vergangen, seit Larry McMurtrys Pulitzerpreisgekrönter Roman "Lonesome Dove" (hierzulande als "Weg in die Wildnis" bekannt) verfilmt wurde. Herausgekommen ist nicht nur eine der besten Miniserien, sondern der größte Western aller Zeiten. Endlich liegt der Film nun auch in Deutschland auf DVD und Blu-ray vor.
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Meinungen
Ralph · 29.04.2018

Hallo Westernfans,
ja es handelt sich hier auch meiner Meinung nach um einen der besten Western ever, da sehr authentisch soweit ich das beurteilen kann. Die Schauspieler sind einfach klasse. In ein paar Szenen waren die Tricks leider etwas B-Moviehaft. Das ist aber locker zu verschmerzen. Taschentücher bereithalten!!
Weitere Western Vavoriten: Der mit dem Wolf tanzt; Erbarmungslos; Hell on Weels.

Kommentare

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