Weekend

Weekend

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Der Beginn einer wunderbaren Liebe

Es hätte eine wunderschöne Beziehung werden können. Oder auch nicht. Das werden wir nie erfahren. Russell und Glen haben nicht viel Zeit füreinander – nicht mehr und nicht weniger als ein 48 Stunden langes Wochenende. In gut 90 Minuten erzählt der britische Regisseur Andrew Haigh (Greek Pete) eine berührende Geschichte über zwei schwule Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deswegen nicht voneinander lassen können.
Russell (Tom Cullen), um die 30 Jahre alt und Single, führt ein einsames Leben in einem grauen, trostlosen Plattenbau in Nottingham. Tagsüber wacht er als Rettungsschwimmer in einem Hallenbad über das Leben der Besucher. Abends kifft, trinkt und sinniert er gern. Seine Familie ist die seines besten Kumpels Jamie (Jonathan Race), mit dem er im Kinderheim aufgewachsen ist. Aus seinem Schwulsein macht Russell zwar kein Geheimnis, richtig offen geht er damit aber nicht um.

Der Film beginnt am Freitagabend, den Russell bei Jamie mit Freunden verbringt. Dort gibt es indisches Curry aus der Assiette, reichlich Booze und Dope. In der gleichen Nacht geht er später allein in einen Club, in dem er den gleichaltrigen Glen (Chris New) kennen lernt und ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Als Glen ihn am Morgen bittet, die gemeinsame Nacht des Kennenlernens für ein Kunstprojekt auf Tonband zu resümieren, bringt Russell nur noch Bruchstücke zusammen. Russell will lieber nicht darüber sprechen. Doch Glen ist sehr resolut, fordernd und extrovertiert, vor allem was sein Schwulsein anbelangt.

Während Russell beginnt, sich in Glen zu verlieben, stellt dieser gleich klar: „I don’t do boyfriends!“ Glen will keine feste Beziehung. Das hat einen triftigen Grund: Glen verlässt am Tag darauf die Stadt für zwei Jahre in Amerika. Am Samstagabend gibt er eine Abschiedsparty, zu der auch Russell eingeladen ist. Aber was macht man, wenn man sich verliebt und weiß, der andere verschwindet am nächsten Tag? Was bringt es, in eine Beziehung zu investieren, die wenig Chance auf Fortsetzung hat? Aber sind nicht manchmal die Begegnungen am intensivsten, bei denen klar ist, dass sie nur von kurzer Dauer sind?

Weekend begleitet die beiden jungen Männer von Freitagabend bis zur Abreise von Glen am späten Sonntagnachmittag. Sehr verdichtet rollt der Film eine eindringliche, berührende Romanze auf. Es ist gleichzeitig auch eine Charakterstudie von zwei unterschiedlichen Männern, die sich begegnen. Dabei spielt es weniger eine Rolle, dass sie schwul sind. Die Geschichte hätte auch mit einem heterosexuellen Paar funktioniert. Wenn zwei sich kennenlernen, funktioniert das – zumindest in unserem Kulturkreis – fast immer auf die gleiche Art und Weise: Man redet, lacht, isst, trinkt, schmust und schläft irgendwann zusammen. All das hat diesen wunderbaren Zauber des Anfangs inne. Wenn man zu Beginn noch wenig über den anderen weiß und sich erst nach und nach ein Bild macht.

Die Kamera von Ula Pontikos – inspiriert von der Bildgestaltung des Fotografenduos Quinnford & Scout – stülpt das Innenleben der Figuren wunderbar nach Außen. Dass der Film so gut funktioniert, ist nicht zuletzt auch auf die gute schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller Tom Cullen und Chris New, die sonst mehr auf der Theaterbühne stehen, zurückzuführen. Man hat das Gefühl, sie spielen sich selbst. Mit ihrem natürlichen Spiel verleihen sie dem Film eine dokumentarische Note.

Was vom Wochenende übrig bleibt? Sicherlich nicht nur zwei auseinander gerissene Seelen? Es sind zwei Menschen, die sich gegenseitig beeinflusst haben. Auch wenn sich ihre Wege – vielleicht für immer – trennen, bleibt ein Teil von Glen in Russell und umgedreht zurück.

Fazit: Interessante Charakter- und Beziehungsstudie, die nicht nur sehenswert für ein schwules Publikum ist. Britisches Arthouse-Kino vom Feinsten!

Weekend

Es hätte eine wunderschöne Beziehung werden können. Oder auch nicht. Das werden wir nie erfahren. Russell und Glen haben nicht viel Zeit füreinander – nicht mehr und nicht weniger als ein 48 Stunden langes Wochenende. In gut 90 Minuten erzählt der britische Regisseur Andrew Haigh („Greek Pete“) eine berührende Geschichte über zwei schwule Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade deswegen nicht voneinander lassen können.
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