Wasp Network (2019)

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Oliver Assayas schaut auf Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und macht aus wahren Begebenheiten einen Spionagethriller.

Wasp Network (2019)

Eine Filmkritik von Maria Wiesner

Hasta la victoria und so

Oliver Assayas bringt alle zwölf bis 24 Monate einen neuen Film heraus und man fragt sich, wann er die Zeit findet, sich von mal zu mal in völlig neue Themen hineinzuarbeiten. Nach einer Geistergeschichte (Personal Shopper, 2016), dem Drehbuch zu einem Psychothriller (Nach einer wahren Geschichte, 2017), einem Film zur aktuellen Medienkrise (Zwischen den Zeilen, 2018)  und Büchern (zuletzt Un Voyage – Marseille-Rio 1941, 2019) hat er sich nun einige wahre Begebenheiten in Kuba in den frühen neunziger Jahren vorgenommen.

Wasp Network beginnt in Havana, wo der Pilot René Gonzalez (Edgar Ramírez) seine Frau (Penelope Cruz, die selbst ein 90er-Jahre-Vokuhila nicht entstellen kann) und Tochter verlässt und heimlich mit einem gestohlenen Flugzeug nach Miami desertiert, um ein neues Leben zu beginnen. 

Schon bald wird er von einer Anti-Castro-Organisation von Exilkubanern rekrutiert, um Propaganda-Flugblätter über Havana zu verteilen und — wie er bald feststellen muss — Drogen und Waffen zu schmuggeln. Ziel ist die Zersetzung und Gefährdung der kubanischen Tourismusindustrie. Doch die Kubaner haben längst eigene Pläne, um dagegen vorzugehen. Was wie die Geschichte einer Regimeflucht beginnt, wird schnell zum Spionagethriller. Und dann tut Assayas etwas, das er bereits in Personal Shopper gemacht hat: Er springt zwischen Genres wie ein kubanischer Gitarrenspieler am Malecón zwischen den Seiten. 

Nach dem ersten Drittel des Films, wenn die meisten Hauptpersonen etabliert sind, dreht der Film plötzlich. In kurzer Sequenz rafft ein sonorer Erzähler die Handlung. Einige Jahre ziehen in wenigen Minuten vorbei, Zusammenhänge werden schnell dargelegt, die Schnitte sind rasend. Waren da Splitscreens, fragt man sich danach und würde sich nicht wundern, wenn es so wäre. Zur der Spionagegeschichte kommt die Mafia, die mischt hier in den Machenschaften der Exilkubaner mit, die den Sozialismus stürzen wollen, um unter anderem neue lukrative Kasinos nach Havana zu bringen. Wenn Assayas seinen Film in Richtung der Mafiageschichte dreht (inklusive prunkvoller Hochzeit mit Patenbesuch), erkennt man die De-Palma-, Coppola- und Scorsese-Anleihen, ohne dass platt kopiert wird. Im letzten Drittel folgt dann der nächste Bruch: Nachrichtenszenen brechen das Bildformat auf. Sie stammen aus den Sendungen amerikanischer TV-Kanäle, wurden Mitte der 1990er Jahre ausgestrahlt. Der damalige amerikanische Präsident Bill Clinton spricht kurz — er wird die Maßnahmen gegen Kuba verteidigen. Und Fidel Castro kommt auch zu Wort. Er klagt die USA als großen Spion an, der Kuba mit unverhältnismäßigen Mitteln dafür bestraft, Terrorismus gegen seine Touristenziele verhindern zu wollen.

Die Bombenangriffe auf Hotels in Havana, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden und ein Tourist starb, haben tatsächlich im Jahr 1997 stattgefunden. Ebenso gab es den kubanischen Spionagering in Miami. Assayas hat gründlich recherchiert, bevor er daraus einen Spielfilm machte. Den Namen und Fotos der Protagonisten werden im Abspann Bilder und Lebensläufe der realen Personen gegenüber gestellt (so erfährt man etwa, dass die Ehefrau eines kubanischen Spions in Miami, die im Film als verwöhnte Luxusliebhaberin dargestellt wird, den Staat Kuba nach Entlarvung ihres Mannes tatsächlich auf mehrere Millionen Dollar Schadenersatz für ihre Ehe verklagt hat).  Wasp Network ist also so unterhaltsam wie lehrreich.

Wasp Network (2019)

„The Wasp Network“ setzt sich mit einer Gruppe auseinander, die in den 1980er und 1990er Jahren von der kubanischen Regierung eingesetzt wurde, um Anti-Castro-Bewegungen auszuspionieren. Der Film basiert auf dem Buch The Last Soldiers of the Cold War: The Story of the Cuban Five von Fernando Morais.

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