Was am Ende zählt

Was am Ende zählt

Eine Filmkritik von Markus Fritsch

Gegensätze ziehen sich an

Wenn zwei unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander prallen, dann ist genügend für Konfliktstoff gesorgt. Findet diese Konfrontation auf engstem Raume statt, so hat dies oft physische Gewalt zur Folge. In Was am Ende zählt werden die unterschiedlichen Lebensentwürfe von Lucie (Marie Luise Schramm) und Carla (Paula Kalenberg) zusammengeführt. Carla ist mit großen Plänen von zu Hause abgehauen. Sie will nach Lyon, um dort Mode zu studieren. Doch schon am Bahnhof wird ihr alles gestohlen. Sie strandet völlig mittellos und trifft auf den zwielichtigen Rico (Vinzenz Kiefer). Dieser sammelt sie auf und bietet ihr an, auf seiner Baustelle für Geld zu arbeiten. Vorher muss Carla mit ihm schlafen. Auf der gleichen Baustelle, einem Boot, das zu einer Kneipe werden soll, lebt Lucie mit ihrem Bruder Michael (Benjamin Kramme), der heroinabhängig ist. Trotz der harten Arbeit in einer kalten Männerwelt ist es Lucies Heimat. Hier fühlt sie sich geborgen und will bleiben Nach anfänglich Misstrauen freunden sich Lucie und Carla an. Wie zwei Gegensätze die sich anziehen, sieht Carla bei Lucie, wie es ist einen Platz im Leben zu haben. Für Lucie eröffnet sich mit Carla eine neue, größere Welt. Nachdem Carla genügend Geld verdient hat und weiterreisen will, entdeckt sie plötzlich, dass sie von Rico schwanger ist. Für sie bricht eine Welt zusammen, denn für eine Abtreibung ist es zu spät. Zudem entpuppt sich Ricco als Dealer und Arschloch schlechthin. Zu einem Arzt kann Carla auch nicht, da sie über ihren Vater versichert ist. Doch Lucie wünscht sich sehnlichst, dass Carla bleibt. Sie schlägt Carla einen Tausch vor: Carla soll das Kind unter ihrem Namen bekommen und Lucie zieht das Kind groß. Zunächst lässt sich Carla darauf ein Die beiden verstecken sich in einer Wohnung. Ausgerechnet Michael hat den Tausch durchschaut. Er nistet sich als Mitwisser in die Wohnung ein. Nachdem Carla das Baby bekommen hat, eskaliert die Situation. Carla will ihr Baby nicht verlassen. Sie fordert von Lucie, ihren Bruder zu verlassen und mit nach Lyon zu gehen.
Beziehungsdramen können doch spannend sein. Der Regisseurin Julia von Heinz ist es in ihrem ersten Spielfilm gelungen, zwischenmenschliche Konflikte dramatisch und spannend zu erzählen, ohne dabei allzu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Das Geschehen passiert lakonisch, ohne große Gesten. Es ist eine realistische Erzählweise, mit der die Welt um die beiden Hauptprotagonistinnen geschildert wird. Erst als sich Carla und Lucie annähern, kommt Romantik ins Spiel. Ihre Beziehung steht im Gegensatz zu der kalten, männlich dominierten Umwelt. Die Männerfiguren erscheinen entweder skrupellos brutal oder für nichts zu gebrauchen. Ein intimes Flüstergepräch bei Nacht steht gegen den kalten Arbeitsalltag auf dem Schiff. Sicherlich ist es auch dem intensiv, zurückhaltendem Schauspiel von Schramm und Kalenberg zu verdanken, dass die Romantik und die Dramatik der Konflikte wirken. Der Zuschauer wird auf ihre Seite gezogen und bangt bis zum Ende mit, ob die Geschichte einen guten Ausgang nimmt.

Was am Ende zählt lief 2007 auf zahlreichen Festivals und bekam einige Preise. Von der Bildsprache und den durchwegs guten bis hervorragenden Schauspielerleistungen her darf er zu den bisherigen Highlights des deutschen Kinos in Diesem Jahr gelten. Sicherlich wird der Film keine Besucherrekorde erzielen. Doch wer ein realistisches Drama am Rande der Gesellschaft sehen möchte, der wird nicht enttäuscht sein.

Was am Ende zählt

Wenn zwei unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander prallen, dann ist genügend für Konfliktstoff gesorgt. Findet diese Konfrontation auf engstem Raume statt, so hat dies oft physische Gewalt zur Folge.
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Meinungen
Lilo · 20.04.2009

Ich habe gelacht, ich habe geweint. was will ich mehr, wenn ich ins Kino gehe? super Film.

Tanja · 03.03.2009

Da muss ich widersprechen.

Der Film beginnt mit leisen aber eindrucksvollen Bildern, als vielversprechendes coming-of-age Drama. Leider verstrickt er sich dann allzuschnell in seine stereotypen Charaktere, es gibt keinen Wendepunkt nicht einmal eine Entwicklung der Protagonisten. Auch stimmt die Chemie zwischen Schramm und Kalenberg so wenig, dass man als Zuschauer während der leidenschaftslosen Kussszene geneigt ist zu fragen welches Drehbuch die beiden denn dazu gezwungen haben muss. Wenn dann im dramaturgischen Höhepunkt das Baby mit einem Plumps vom Katzenkratzbaum fällt kann einem allenfalls das Lachen über den ungewollten Sarkasmus im Halse stecken bleiben. Und dort bleibt es auch bis zum Ende des Films. Dort wird nämlich nicht eine einzige Storyline zu Ende erzählt. Anstatt dessen dürfen sich Carla und Lucie noch einmal keusch anlächeln bevor sie vor dem Hintergrung eines viel zu kitschigen französischen Chason (gesungen mit deutschem Akzent) ausgeblendet werden.

An all dem tragen, soviel muss gesagt werden, aber nicht die Schauspieler, schon gar nicht die beiden wunderbaren Hauptdarstellerinnen die Schuld. Die wurden einfach nur für den falschen Film gecastet.

Mark · 08.04.2008

Super! Danke!!!

Kommentare

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