Wake Wood

Wake Wood

Eine Filmkritik von Lida Bach

Aus dem Reich der Toten

Drei Tage bleiben Patrick (Aidan Gillen) und Louis (Eva Birthistle) zum Abschiednehmen. Dann müssen sie Alice gehen lassen. So ist es überliefert in der kleinen irischen Gemeinde Wake Wood. Drei Tage dürfen jene zurückkehren, die noch nicht länger als ein Jahr fort sind. Sentimental klingt das Abschiedsritual der Bewohner des Titelorts in David Keatings und Brendan McCarthys Totenmärchen Wake Wood. In Wahrheit ist es gespenstisch. Der Ort, an den das kleine Mädchen (Ella Connolly) zurückkehren soll, ist das Jenseits. Ein entsetzlicher Unfall hat Alice ihren Eltern geraubt. Nun wollen sie die Tochter aus dem Grab zurückstehlen. Nicht nur ihre Eltern fürchten die Trennung. Auch Alice will nicht mehr ins Grab zurück.
Wie tief der Tod von Alice Patrick und Louise verstört hat, vermittelt die Reaktion der Eltern. Den Verlust versuchen sie nicht zu verarbeiten, sondern zu entfliehen, indem sie radikal ihr Umfeld wechseln. Doch die schmerzlichen Erinnerungen können sie nicht zurücklassen. Die veränderte Umgebung lässt sie noch deutlicher spüren, dass die Vergangenheit nicht zurückkehren wird. Genau dies wollen sie mit der Wiedererweckung erreichen.

Bis auf vereinzelte Ausnahmen verweigert sich Wake Wood den gängigen Genre-Klischees. Optisch ähneln Dorfoberhaupt Arthur (Timothy Spall) und die Anwohner den feindseligen Einheimischen, die Spuk-Orte in Filmen zu bevölkern pflegen. Doch Louise und Patrick nehmen sie freundlich auf. Sie überreden das Pärchen nicht zu der Totenerweckung, sondern fürchten die abgründigen Kräfte des Waldes, in dem die Verstorbenen auferstehen und von dem der Ortsname herrührt. Die Eltern aber, deren berufliche Ausrichtung nüchtern-wissenschaftlich ist (er ist Tierarzt, sie Pharmazeutin), verfallen umso haltloser der heidnischen Mystik.

Rational absurd, ist ihr Verhalten psychologisch konsequent. Im Zentrum steht nicht allein das Grauen vor dem Tod eines geliebten Wesens, den meisterlich Wenn die Gondeln Trauer tragen / Don´t look now (Nicolas Roeg, 1973) und – bedeutend weniger meisterlich — Friedhof der Kuscheltiere (Mary Lambert, 1989) thematisierten. An beide Filme erinnert Wake Wood in vereinzelten Szenen, doch in der sagenumwobenen Atmosphäre des ländlichen Irlands eröffnen sich dunklere, unbetretene Handlungspfade. Unter vagen Anklängen an zeitgenössischen Horror verbirgt sich die Variation eines Motivs, das furchterregender und bedrückender ist: die Selbstsucht, zu der Trauernde getrieben werden können. Der Gruselfilm hinterfragt nicht allein, was die Hinterbliebenen um den Schmerz zu lindern ertragen, sondern was sie anderen zufügen würden. Getrieben von der Sehnsucht nach der Tochter verstoßen Patrick und Louis gegen die rituellen Vorschriften und beschwören damit größeres Leid herauf: für einander, für die Dorfbewohner und letztendlich auch für Alice.

Die Wiedersehensfreude trübt sich rasch. Doch Alice ist weder eine stereotype Wiedergängerin, noch von teuflischen Mächten besessen. Das einfühlsam von Ella Connolly verkörperte Mädchen ist eine im wörtlichen Sinne verlorene Seele. Die Einwohner betrachten Alice mit wachsendem Grauen, weil sie eine Perversion der Naturgesetze verkörpert. Alice Geburtstag wird ihr Todestag, der einem neuen Geburtstag vorangeht. Die Auferstehung vollzieht sich durch eine andere Leiche. Für den metaphysischen Horror in Wake Wood braucht es keine verfaulenden Zombies. Die Vorstellung, dass die Toten unter uns wandeln, ist beängstigend genug.

Wake Wood ist eine zweifache Auferstehung. McCarthys alptraumhafter Geisterspuk ist die erste Produktion der legendären Hammer Studios nach drei Dekaden Totenschlaf. Getreu der Studio-Tradition scheut der Film keine blutigen Details, doch sie sind sorgsam platziert, mitunter nur in die Vorstellung des Zuschauers. Die unheilschwangere Atmosphäre klassischer Gespenstergeschichten und den Geist der Kultfilme des Horrorstudios lässt Wake Wood gemeinsam auferstehen. Eine grausige Renaissance für Hammer. Und eine gelungene.

Wake Wood

Drei Tage bleiben Patrick (Aidan Gillen) und Louis (Eva Birthistle) zum Abschiednehmen. Dann müssen sie Alice gehen lassen. So ist es überliefert in der kleinen irischen Gemeinde Wake Wood. Drei Tage dürfen jene zurückkehren, die noch nicht länger als ein Jahr fort sind.
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Meinungen
Rambo · 15.08.2012

Klassscher Horrorfilm (falls man ihn als solches bezeichnen kann)der mit nichts neuem mehr überraschen kann. Typische Story und genauso typische Charaktere und kein einziger nennenswerter Überraschung-/Schreckensmoment. Alles sehr vorraussehbar.

werner · 16.07.2011

Mir standen bei dem Film die Haare zu Berge. Genial und Gruselig.

Kommentare

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