Wake Up and Die

Wake Up and Die

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der Tod ist erst der Anfang

Das Konzept von Und täglich grüßt das Murmeltier wurde schon häufig imitiert und variiert, der kolumbianische Film Wake Up and Die macht daraus ein Kammerspiel, das Exploitation mit Arthaus kreuzt. Einerseits, weil die Protagonisten fast nur nackt agieren, andererseits, weil in der Geschichte stark psychologisiert wird.
Camila wacht nach einem One-Night-Stand neben Dario auf. Eigentlich ist das nicht ihre Art, aber Dario ist charmant – bis zu dem Moment, da er sie umbringt. Wieder wacht Camila neben Dario auf. Sie kann sich erinnern, wie es zuvor war. Der Ablauf ist diesmal anders, aber erneut stirbt sie. Und wacht neben Dario auf. Camila ist in einer Zeitschleife gefangen und versucht, ihrem Schicksal zu entgehen. Aber was macht man, wenn man wieder und wieder stirbt?

Wie Bill Murrays Figur in Und täglich grüßt das Murmeltier nutzt auch Camila in Wake Up and Die die tägliche Repetition, um mehr über Dario herauszufinden und dies gegen ihn zu benutzen. Im Verlauf der Geschichte wird zwar klarer, wie sich die letzte Wiederholung gestalten wird, der Film versteht es aber, auch da noch mit einer interessanten Wendung aufzukommen. Das Spiel mit der Wiederholung – in Dialogen, aber auch musikalischer Untermalung – wird exzellent auf die Spitze getrieben. Es ist fast wie eine Indoktrinierung des Zuschauers, der dazu gebracht wird, auf Schlüsselreize zu reagieren. Das erhöht die Spannung, da man Sekundenbruchteile vor dem Ereignis schon zu wissen glaubt, was als nächstes kommt.

Miguel Urrutias düster-realistischer Film spielt nicht nur mit der Wahrnehmung, indem er inmitten der Wiederholung die Rollenverteilung auf den Kopf stellt, sondern webt Exposition imposant in das Zurückspulen des Tages ein. Er liefert so Information, die man unterbewusst verarbeitet und dazu beiträgt, sich ein klareres Bild zu formen. Wo Und täglich grüßt das Murmeltier auf den (teils bitteren) Humor der Situation setzte, ist Wake Up and Die ein morbides Stück Film, das nachhallt. Ein Film, der so schmierig wie kunstvoll ist, ein Fest für Auge und Sinne, roh und kraftvoll zugleich.

Wake Up and Die

Das Konzept von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wurde schon häufig imitiert und variiert, der kolumbianische Film „Wake Up and Die“ macht daraus ein Kammerspiel, das Exploitation mit Arthouse kreuzt. Einerseits, weil die Protagonisten fast nur nackt agieren, andererseits, weil in der Geschichte stark psychologisiert wird.
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