Wächter der Wüste

Wächter der Wüste

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Überleben in der Wüste Kalahari

Während des Films vermeint mancher ältere Zuseher, dem der Tierfilmer Heinz Sielmann noch ein Begriff ist, die Stimme des Fernsehmannes zu vernehmen, der so gerne von „possierlichen Tierchen“ sprach. In der Tat: Die Tiere, um die es in James Honeybornes Dokumentarfilm Wächter der Wüste / The Meerkats geht, sind tatsächlich äußerst niedlich und deshalb vor allem auch für kleine Kinofans bestens geeignet.
Erzählt wird die Geschichte des gerade neugeborenen Erdmännchens Kolo und seines Clans, die in der Wüste Kalahari im Süden Afrikas um ihr Überleben kämpfen. Schritt für Schritt begleitet das Filmteam die ersten Schritte des kleinen Erdmännchens, zeigt die ersten Schritte heraus aus dem Bau und die lange Phase des Lernen, in denen der Tollpatsch von seinem Bruder erst in die Gefahren und Tücken des Lebens in freier Wildbahn eingewiesen werden muss. Dabei kommt es immer wieder auch zu aufregenden Situationen, wenn etwa Kolos großer Bruder einem Raubvogel zum Opfer fällt. Angesichts solcher Szenen sollten die kleinen Kinobesucher schon zumindest sechs Jahre alt sein.

Mit zum Teil einzigartigen Bildern, die man so mit Sicherheit noch nicht gesehen hat, folgen der Regisseur und sein Team von der BBC Natural History Unit dem Leben der kleinen Wüstenbewohner bis in die verwinkelten Gänge unterhalb der Erdoberfläche. Mehr als einmal ertappt man sich bei der Frage, wie genau eine Vielzahl der Aufnahmen entstanden sein mögen. Beeindruckend ist auch, wie die Kamera immer wieder Bilder von großer Dramatik schafft, bei denen auch eindrucksvolle Illustrationen der Nahrungskette in der freien Wildbahn nicht fehlen. Und die Landschaftsaufnahmen gehören bei den Teams der BBC ja sowieso zu den großen Pluspunkten, wie unlängst Unsere Erde / Earth aufs Eindrucksvollste unter Beweis stellte.

Umso ärgerlicher allerdings, dass die Tonebene bei diesem Film überhaupt nicht zu den großartigen Bildern passen mag. Und das ist weniger ein Problem des hinreichend bekannten Schauspielers und Sprechers Rufus Beck als vielmehr des Skripts, das mit Dramatisierungen, Übertreibungen und Anleihen an die Jugendsprache nicht spart und die Parallelen zwischen Mensch und Erdmännchen überbetont. Was bei Die Reise der Pinguine / La Marche de l’Empereur schon teilweise grenzwertig war, wirkt hier an manchen Stellen – etwa dann, wenn Beck Kolo mit verstellter Stimme sprechen lässt – zumindest für ältere Zuseher wenig gelungen. Und die Faszination für die Bilder kann dieses Manko nur teilweise überdecken. Zumal auch die Filmmusik an manchen Stellen arg dick aufträgt und die Vermenschlichung der Schleichkatzen aus der Familie der Mangusten, die übrigens nichts mit der Affenart der Meerkatzen gemeinsam haben, bisweilen in Richtung Kitsch kippen lässt. Trotzdem ist dieser Film gerade für kleinere Kinogänger eine willkommene Abwechslung zu Animationsabenteuern und mal mehr und mal weniger gelungenen Verfilmungen von Jugendbuchklassikern.

Wächter der Wüste

Während des Films vermeint mancher ältere Zuseher, dem der Tierfilmer Heinz Sielmann noch ein Begriff ist, die Stimme des Fernsehmannes zu vernehmen, der so gerne von „possierlichen Tierchen“ sprach.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

James Honeyborne

Weitere Filme mit

Rufus Beck (Sprecher)