Wader / Wecker - Vater Land

Wader / Wecker - Vater Land

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Eine Art Tourtagebuch

Dass diese beiden Männer grundverschieden sind, weiß jeder, der sich in der deutschen Liedermacher-Szene ein wenig auskennt. Wecker, das bajuwarische Kraftpaket und in den 1970ern so etwas wie die Skandalnudel und der Popstar unter den sonst eher unglamourösen Barden, ist eine Urgewalt – stets charmant, immer am Rande des Absturzes (wie etwa nach seiner Verhaftung im Jahre 1995) und nach wie vor mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz gesegnet. Ganz anders hingegen ist Hannes Wader. Immer ein wenig zurückhaltend und beinahe linkisch wirkt er gegen den Genussmenschen Wecker wie dessen Antithese – stets ernst und sehr aufrecht bis steif ist der Norddeutsche der Inbegriff einer homo politicus, der sein Leben vollkommen in den Dienst einer Sache, einer Mission gestellt hat. Dass diese beiden völlig konträren Charaktere im Jahre 2000 und noch einmal genau zehn Jahre später gemeinsam auf eine Tournee gingen, erstaunte deshalb die Fachwelt – und begeisterte das Publikum gleichermaßen, das mit den Helden von einst ein wenig in die Jahre gekommen ist.
Dem Reiz dieses Gegensatzpaares erlag auch der Filmemacher Rudi Gaul (Das Zimmer im Spiegel), der Wader und Wecker bei den Vorbereitungen und der Tour mit der Kamera begleitete und daraus eine Doppelbiografie formte, die nun in die Kinos kommt. Dank des geschickt einmontierten Archivmaterials, das die Zeit- und Lebensläufe der beiden Sänger in die Chronologie der Ereignisse einflicht, ist Wader / Wecker — Vater Land in den besten Momenten aber mehr als „nur“ ein Tourtagebuch und eine Doppelbiografie, die allein schon aufgrund des mindestens zweifachen Fokus Stückwerk bleiben muss. Denn neben dem Werdegang der beiden Musiker erfährt man auch wegen ihrer stets dezidiert politischen Haltung auch eine ganze Menge über die Zeitläufe der Bundesrepublik Deutschland, streift die Protestbewegung des Jahres 1968, bekommt eine Ahnung von dem Zeitgeist der 1970er, als die RAF die Republik in Angst und Schrecken versetzte und das DKP-Mitglied Hannes Wader selbst in die Nähe eines Sympathisanten gerückt wurde, wird Zeuge des Entstehens der Friedensbewegung und später der Partei Die Grünen, erlebt den Zusammenbruch des Ostblocks und die Veränderungen in der Welt bis zum heutigen Tage durch die Augen zweier Männer, die stets kritische Wegbegleiter waren, Gewissen und Stimme all dessen, was in diesem „Vaterland“ falsch lief oder für Unbehagen sorgte.

Spannend ist hierbei vor allem zu beobachten, was diese radikalen Brüche und Veränderungen mit einem wie Hannes Wader gemacht haben, der der sozialistischen Utopie stets näher stand als der bayrische Anarchist Konstantin Wecker. Was passiert mit einem Menschen, dem die Überzeugungen oder zumindest deren real existierende Manifestationen wegbrechen? Es sind Stellen wie diese, an denen der Film aufgrund seiner Konzeption an seine Grenzen stößt, an denen er jene Tiefe vermissen lässt, die bei einem monographischen Dokumentarfilm viel eher möglich gewesen wären. So ist Wader / Wecker — Vater Land vor allem geprägt durch den Aufeinanderprall dieser zwei vollkommen unterschiedlichen Temperamente, die – obwohl sie auf die Siebzig zugehen (bei Wader ist es 2012 soweit) – es noch immer nicht lassen können, sich den Strapazen einer ausgedehnten Tour zu stellen. Aber so ist das eben, wenn man eine Mission hat. Den Fans der Beiden dürfte das gefallen – ebenso wie dieser Film, den man sich an der einen oder anderen Stelle freilich ein wenig insistierender gewünscht hätte.

Wader / Wecker - Vater Land

Dass diese beiden Männer grundverschieden sind, weiß jeder, der sich in der deutschen Liedermacher-Szene ein wenig auskennt. Wecker, das bajuwarische Kraftpaket und in den 1970ern so etwas wie die Skandalnudel und der Popstar unter den sonst eher unglamourösen Barden, ist eine Urgewalt – stets charmant, immer am Rande des Absturzes (wie etwa nach seiner Verhaftung im Jahre 1995) und nach wie vor mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz gesegnet.
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Meinungen
Rick · 15.01.2012

Naja. Mal wieder die typisch deutsche, soziale Nabelschau.

Kommentare

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