Vor dem neuen Tag

Vor dem neuen Tag

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Die Einsamkeit des Seins

Gerade als die Dreharbeiten von Vor dem neuen Tag liefen, kamen die Nacktfotos, die Marilyn Monroe für einen Kalender gemacht hatte, ans Licht der Öffentlichkeit. Ganz plötzlich herrschte am Set wildes Treiben, denn Reporter stürzten sich auf Marilyn Monroe, um Statements zu diesen Fotos zu bekommen. Für den Film war das nur eines von mehreren Hindernissen.
Mae Doyle (Barbara Stanwyck) kehrt, zynisch und verbittert, in ihre alte Heimatstadt Monterey zurück. Ihrem Bruder Joe (Keith Andes) passt das nicht, aber er heißt sie dennoch willkommen. Seine Freundin Peggy (Marilyn Monroe) ist da deutlich freundlicher. Mae heiratet schließlich Jerry, den sie jedoch langweilig findet und nicht liebt. Sie bekommt ein Baby und findet ihr Glück in den Armen des Filmvorführers Earl (Robert Ryan). Doch dies ist eine Affäre, die nicht gut enden kann.

Während Lang über Barbara Stanwyck voll des Lobs war, hatte er mit Marilyn Monroe doch so seine Probleme. Einerseits schmiss sie immer wieder ihren Text, andererseits hatte sie eine Schauspiellehrerin dabei, die sich für Langs Geschmack zu sehr einmischte und Regieanweisungen gab, was ihr nicht zustand. So kam es zu Reibereien, bei denen niemand wirklich gewann. Die Schauspiellehrerin blieb, aber sie durfte sich nicht länger einmischen, wie Marilyn zu inszenieren sei.

Obschon manchmal als Film Noir bezeichnet, ist Fritz Langs Vor dem neuen Tag weniger das als vielmehr ein Drama, das seine Bühnenherkunft nicht verleugnen kann. Die schauspielerischen Leistungen sind größer als das Leben, erinnern tatsächlich mehr an die Bühne denn den Film. Das wirkt aus heutiger Sicht, gut 60 Jahre später, ungewohnt melodramatisch, hat aber ganz eigenes Flair.

Auch wenn Vor dem neuen Tag vielleicht nicht zu Langs besten Filmen gehört, ist er aber ein vielschichtiges Drama, das sich mit amoralischen Menschen befasst. Oder besser: Wie man der Amoral frönen kann, aber nicht die Fehler im eigenen Handeln, sondern nur in dem der anderen wahrnehmen kann. Ein Film über einsame Menschen in auswegloser Situation, in der am Ende jeder in dem Käfig gefangen ist, den er sich selbst geschmiedet hat.

Vor dem neuen Tag

Gerade als die Dreharbeiten von „Vor dem neuen Tag“ liefen, kamen die Nacktfotos, die Marilyn Monroe für einen Kalender gemacht hatte, ans Licht der Öffentlichkeit. Ganz plötzlich herrschte am Set wildes Treiben, denn Reporter stürzten sich auf Marilyn Monroe, um Statements zu diesen Fotos zu bekommen.
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