Von Mädchen und Pferden

Von Mädchen und Pferden

Eine Filmkritik von Jörg Gottschling

Trab statt Galopp

Monika Treut, bekannt für ihre avantgardistischen Queer-Filme (My Father Is Coming, Die Jungfrauenmaschine) und in ihren frühen Jahren als offensiv-lesbische Filmemacherin berühmt, bleibt auch mit ihrem neusten Spielfilm Von Mädchen und Pferden ihrer Linie treu, wenngleich dieser Film deutlich geerdeter und vergleichsweise leise daherkommt. Was freilich auch an der Thematik und dem Setting liegt, in dem sich der Film bewegt.
Von Mädchen und Pferden besticht durch seine sehr ruhige, manchmal fast kontemplative Erzählweise. Eher im gemächlichen Trab statt im gestreckten Galopp geht es durch die Handlung. Wobei die Ruhe und Abgeschiedenheit eines Pferdehofs für die Figuren dieser Selbstfindungsgeschichte wie ein Katalysator auf die Entwicklung der Charaktere einwirken. Diese Entwicklungen laufen allerdings unterschwellig ab und stehen, trotz ihrer Bedeutung, nicht im Vordergrund der Handlung.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Alex (Cechi Chuh), ein Mädchen mitten in der Pubertät, das nach heftigen Zeiten durch ein Praktikum auf einem Reiterhof hoch im Norden Deutschlands wieder Tritt fassen soll im Leben. Dort trifft sie auf zwei Menschen, die ihr Leben verändern werden: Einerseits ist da Kathy (Alissa Wilms), die aus stabilen familiären Verhältnissen kommt und die etwas beinahe Naives an sich hat. Und da ist die lesbische Reitlehrerin Nina (Varida Karun), die Alex beibringt, dass der behutsame Umgang mit den Tieren auch positive Auswirkungen auf das eigene Befinden haben kann. Sehr viel mehr passiert eigentlich nicht in diesem Film, doch es sind die Zwischentöne und gerade die Ruhe und Bedächtigkeit, die dem Film seinen ganz eigenen Ton geben, an den man sich erst ein wenig gewöhnen muss.

Fast unweigerlich muss man beim Betrachten von Treuts Werk an den offensichtlichen Mädchenfilm Bibi & Tina denken. Doch der Vergleich hinkt allein schon deshalb wie ein arthritischer Ackergaul, weil er total Gegensätzliches auf einen Nenner (in diesem Falle Pferde und Mädchen) zu bringen versucht. So ist Detlev Bucks Film ein wildes Abenteuer hoch zu Ross, wohingegen Von Mädchen und Pferden eine durchweg realistisch gehaltene Mischung aus Liebesdrama, Coming-of-age-Geschichte und Heimatfilm im besten Sinne geworden ist, die ihren Zauber eher zurückhaltend über die Symbolik der Freundschaft zwischen Mensch und Tier transportiert.

Und noch einen entscheidenden Unterschied zwischen Bucks und Treuts Film gibt es: Von Mädchen und Pferden richtet sich eher an ein erwachsenes Publikum. Für Pferdemädchen lohnt sich der Film aber dennoch.

Von Mädchen und Pferden

Monika Treut, bekannt für ihre avantgardistischen Queer-Filme ("My Father Is Coming", "Die Jungfrauenmaschine") und in ihren frühen Jahren als offensiv-lesbische Filmemacherin berühmt, bleibt auch mit ihrem neusten Spielfilm "Von Mädchen und Pferden" ihrer Linie treu, wenngleich dieser Film deutlich geerdeter und vergleichsweise leise daherkommt.
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Meinungen
emily · 11.03.2017

richtick blöd

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