Volver – Zurückkehren

Volver – Zurückkehren

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Geist unterm Sofa und Leiche im Eisschrank

Pedro Almodóvar hegt eine besondere Vorliebe für die farbenprächtige Ausstattung seiner meist urbanen Filmschauplätze und ein aus unkonventionellen, extrovertierten Figuren bestehendes Darstellerexempel, das sich in den denkbar schrillsten Kostümen zeigt. Außerdem bevorzugt er eine höchst eigenwillig melodramatische Erzählweise, die um die großen Themen des Lebens Liebe, Sex und Tod kreist – so etwa in der mehrfach ausgezeichneten Komödie Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs (1988) oder in dem Mutter-Tochter-Drama High Heels – Die Waffen einer Frau (1991). Sein Ideal einer Geschichte sei eine Frau in der Krise, hat Almodóvar in einem Interview einmal gesagt. Auch in seinem neuesten Film Volver – Zurückkehren zeigt der spanische Drehbuchautor und Regisseur, der längst international sowohl das Publikum begeistert als auch von den Kritikern enthusiastisch gefeiert wird, seine eigenwillige Handschrift in einer genialen dramatischen Komödie.
Volver — Zurückkehren schildert das Schicksal der temperamentvollen, aber ebenso höchst sensiblen jungen Raimunda (Penélope Cruz), die alle Hände voll zu tun hat, einen toten Männerkörper verschwinden zu lassen, ein äußerst lebhaftes Filmteam in einem bereits geschlossenen Restaurant spontan zu bewirten und die überraschende Rückkehr ihrer Mutter Irene (Carmen Maura) zu verkraften. Oder ist es nur der Geist ihrer längst verstorbenen Mutter? An solch eine Erscheinung glauben zumindest die abergläubischen Bewohner in ihrem Heimatdorf in der La Mancha. Selbst Raimundas Schwester Sole (Lola Dueñas), die nach der Beerdigung ihrer Tante Paula (Chus Lampreave) das Muttergespenst in ihrem Kofferraum entdeckt, tut sich schwer damit, an die mütterliche Lebendigkeit zu glauben. So wird die Mutter in die Madrider Wohnung, in der Sole einen illegalen Friseursalon betreibt, zunächst als russische Aushilfe ausgegeben und vor Raimunda unter Betten und hinter Duschvorgängen sicher versteckt gehalten – zunächst mit Erfolg, schließlich ist Raimunda viel zu sehr damit beschäftigt, wie sie die in der Kühltrage lagernde Leiche, die ausgerechnet ihr Ehemann Paco (Antonio de la Torre) ist, der aus Notwehr heraus von ihrer pubertierenden Tochter Paula (Yohana Cobo) versehentlich erstochen wurde, beiseite schaffen kann. Kein Wunder, dass Raimunda immer wieder an den Rande eines Nervenzusammenbruchs gerät und ihre sorgfältig aufgetragene Wimperntusche in den sanft kullernden Tränen malerisch verwischt.

Kameramann José Luis Alcaine, der die meisten Almodóvar-Filme seit Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs fotografiert hat, weiß die ständigen emotionalen Wechselbäder der Figuren besonders stilvoll einzufangen. Das verführerische Dekolleté Raimundas, ihre hübsche Wuschelfrisur, die mystisch geisterhafte Erscheinung Irenes, die komische Mimik Soles serviert er uns wie eine delikate Speise, bei dessen Anblick uns das Wasser im Mund zusammenläuft.

Mit Volver, seinem mittlerweile 16. Film, der auf Deutsch Zurückkehren heißt, kehrt Almodóvar zu vielen Dingen zurück, darunter vor allem zu seinem Frauenuniversum, das er bereits in seinen früheren Filmen so stark in den Vordergrund stellte. Cannes hat die Frauen aus Volver zu Recht mit dem besten Darstellerpreis für ihr grandioses Schauspiel belohnt. Volver ist aber außerdem eine Rückkehr zum Komödien-Genre, nachdem seine letzten Filme – wie etwa La Mala Educación/ Schlechte Erziehung (2004), Sprich mit ihr (2002) und Live Flesh – Mit Haut und Haaren dramatischer Natur waren. Sein jüngster Film ist auch eine Heimkehr in die La Mancha, die Provinz, aus der er selbst stammt. In keinem anderen seiner Filme hat der 56jährige Regisseur so viel Wert auf die Schilderung der Sprache, Sitten und dem Alltagsleben seiner Herkunft gelegt. Bei dieser Auflistung über die Rückkehr sollte auch nicht Carmen Maura in der Rolle der Mutter Irene, die wiederum im Film als Geist zurück kehrt, vergessen werden, mit der er nach 18 Jahren Pause wieder zusammen arbeitet. Die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin war bereits in Almodóvars Debütfilm Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón (1980) und dann in vielen weiteren Hauptrollen seiner Filme zu sehen.

Almodóvar kehrt zurück mit einem großartigen Film, der uns als Zuschauer aufgewühlt und angeregt nach zwei wunderbaren Filmstunden aus dem Kino in den Alltag zurück entlässt.

Volver – Zurückkehren

Pedro Almodóvar hegt eine besondere Vorliebe für die farbenprächtige Ausstattung seiner meist urbanen Filmschauplätze und ein aus unkonventionellen, extrovertierten Figuren bestehendes Darstellerexempel, das sich in den denkbar schrillsten Kostümen zeigt.
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Meinungen
Petra · 11.02.2007

Ich sehe die Filme von Almódovar sehr gerne, weil sie dem Zuschauer etwas mehr abverlangen als die sehr vorhersebare Ware aus USA. Dieser film hat mir sehr gut gefallen, die Darsteller waren toll, der Film bewegend und sehr gut gemacht. Allerdings eher ein Film für Frauen.

Didi · 04.11.2006

Handwerklich und inhaltlich sehr gut gemachter Film!

Kathrin S. · 22.10.2006

Die Rezension des Filmes ist - typisch - die einer Frau. Die übliche sexistische Komponente wird natürlich toleriert (Männer= Idioten, außerdem Vergewaltiger - also hat man so die Geschichte konstruiert, daß Gewalt und Demütigung an Männer ok ist...) wichtig sind sonst nur Frauen! Ich schäme mich dafür, daß von Feministinnen jeder Film kritisiert wird, bei dem "das Frauenbild" negativ ist - aber in einer Doppelmoral - Männer natülich ziemlich beschissen abschneiden dürfen.... - Arme Sexistinnen!

antonia · 19.09.2006

Witziger, zum Nachdenken anregender und teilweise melancholischer Film der es nicht auf Kids mit Filmgeschmack á la "Verrückt nach Mary" abgesehen hat, sondern zeigt, wie ernste, traurige Situationen mit viel Lebenswillem und Humor gemeistert werden können.

Eberhard Siegl · 29.09.2006

Etwas surrealistischer typisch europäischer Film, der wenig vom Hollywood einerlei hat, von den Schauspielerinnen sehr gut umgesetzt. Frau Gruz manchmal etwas zu glatt, deshalb auch nur 5 von 6 Punkten.

Pedro Mancheras · 25.08.2006

Ich finde, dass der Film zu sehr durchgestylt ist. Cruz` Haarfrisur ist immer top in Form, selbst die Leiche sieht noch en vogue aus... Ich bin von europäischem Kino Reelleres gewöhnt.

> R V I · 26.08.2006

Für mich bestes Kino, seit gutem Theater. Ausstattung, Inszenierung, Schauspielkunst und Geschichte sind ein staunendes Gänsehauterlebnis.
Zum Glück gibt es auch Pausen zum grinsen und ich hatte was zu Essen dabei !

@Tacheles · 17.08.2006

Also wenn Almodovars Filme schlecht sind, wer macht dann gute? Und wieso ist Frau Cruz charakterlos?

@Tachels et al · 23.08.2006

Also ich finde, dass Penélope Cruz eine großartige Schauspielerin ist, wenn sie die richtigen Rollen annimmt. Siehe gerade ihre Filme mit Almodovar. Mi t ihren Hollyowoodengagements liegt sie allerdings tatsächlich meistens falsch. In Volver ist sie jedoch wirklich fantatisch.

@tacheles · 23.08.2006

Ich mag die Cruz auch überhaupt nicht, aber ich muß leider zugeben, daß sie in dem Film sehr gut ist. Allerdings habe ich auch schon bessere Filme von Amodóvar gesehen.

Tacheles · 18.08.2006

Gute Filme stammen u. a. von Lars von Trier, Lasse Hallström, Wim Wenders und Fatih Akin, weil jeder einzelne Film ein eigenständiges Juwel der Filmgeschichte ist.
Weil sich Frau Cruz von anderen Schauspielerinnen ihrer Generation nur äußerlich abhebt.

Tacheles · 16.08.2006

Almodovars Filme sind regelmäßig schlecht, ZUMINDEST wenn man sie als Kunstfilme oder intellektuelle Ergüsse ausgibt. Denn das sind sie definitiv nicht. Ich weiß gar nicht, wie man darauf kommt - alles, was ich in seinen Filmen sehe, ist Stück des Einheitsbreis mit abgeguckten Stilmitteln von Künstlern und klassischen Filmen. "Sprich mit ihr" war schon unerträglich, jetzt auch noch "Volver"---ich bin nur ins Kino gegangen, weil ich meinen ersten Eindruck doch noch revidieren wollte, aber dieser Film ist einfallsloser denn je. Und Penelope Cruz...ist definitiv nicht "die neue Loren", denn die wird es nie wieder geben, schon gar nicht personifiziert durch die charakterlose Cruz. Wäre dieser Film zu Recht als einfache Unterhaltung angekündigt worden, hätte ich ihn mir sparen können.

reni · 14.08.2006

ein tiefgründiger Film mit einigen Überraschungen. Für Filmfans ein absolutes "Muß". Mir jedenfalls hat der neue Almodovar sehr gut gefallen und die Cruz...die neue, junge Loren?

@Antje · 08.08.2006

Stimmt! Ich fand den Film auf jeden Fall sehr interessant und auch kurzweilig. Und Penelope ist sowieso immer ein Hingucker, egal in welchem Film, aber besonders in Alomodovars.

Antje Bohnhorst · 06.08.2006

Bleibt mal auf dem Teppich, Leute - bei Almodovar liegt eben die durch seine bisherigen Filme gesetzte Messlatte extrem hoch. Auch ein so grandioser Regisseur muß ja nicht mit jedem Film einen Meilenstein der Filmgeschichte abliefern. Stellt Euch also einfach vor, Ihr hättet "Sprich mit ihr" oder "Alles über meine Mutter" nicht gesehen... Ich finde jedenfalls, daß "Volver" ein wunderbarer Film ist.

· 05.08.2006

Sei doch froh, dass es mal ein bißchen "Hype" um einen Arthouse-Film gibt, egal, ob es Almodovars bester Film ist oder nicht. Ich finde es gut, dass auch mal eine breitere Öffentlichkeit sich für einen anspruchsvollen Film interessiert auch wenn dazu die übliche PR-Register gezogen werden müssen.

sixsixsix · 05.08.2006

guter film, aber nicht der beste von almodóvar. der hype ist total übertrieben.

sixsixsix · 06.08.2006

ob sich wirklich eine breite öffentlichkeit für den film interessiert, bleibt abzuwarten. ich war jedenfalls enttäuscht, da ich aufgrund der vorschlußlorbeeren sonstwas erwartet habe.

Kommentare

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