Visions

Visions

Eine Filmkritik von Björn Helbig

Für eine Überraschung gut

Wer Visionen hat, sollte – zumindest nach Helmut Schmidt – besser zum Arzt gehen. Den Figuren in Horrorfilmen dürfte mit diesem Tipp allerdings selten geholfen sein, sind ihre übernatürlichen Wahrnehmungen meist nicht durch einen Schulmediziner heilbar. Das muss auch Eveleigh (Isla Fisher) feststellen, die nach einem Unfall, bei dem eine andere Familie ihr Baby verloren hat, mit ihrem Ehemann David (Anson Mount) auf ein Weingut nach Kalifornien zieht. Kaum dort angekommen wird die junge Frau von Visionen heimgesucht. Doch während ihr Mann sowie ihr Arzt (Jim Parsons) ihre übersinnlichen Wahrnehmungen auf eine Schwangerschaftsdepression schieben, hat Eveleigh einen anderen Verdacht und stellt Nachforschungen an ...
Das klingt für die Freunde gruseliger Kinounterhaltung soweit bestimmt erst mal nicht allzu aufregend, bewegt sich doch alles zunächst im fest umrissenen Genre-Rahmen. Dabei sind Visionen ja eigentlich eine spannende Sache: Visionen, verstanden als ein Bild von der Zukunft oder damit oft sogar einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, also einer Vorhersage, die nur deswegen eintritt, weil sie ausgesprochen wurde, eigenen sich bekanntermaßen durchaus als vielversprechendes Thema für gute Filme (Donnie Darko, Take Shelter, die Final Destination-Reihe, Die Sieben Schwarzen Noten uvm.).

Auch Visions hätte dazu gehören können, zumal es im Finale tatsächlich eine überraschende Wendung gibt, die dem Film eine neue, interessante Richtung gibt. Doch leider scheint Saw 3D-Regisseur Kevin Greutert keine Vorstellung davon gehabt zu haben, was er mit seiner Geschichte anfangen soll und setzt wie üblich auf plumpe Schockeffekte, jump scares und recht penetrante Soundeffekte. Dass die Form der Funktion folgt und zu folgen hat, ist ein vor allem aus dem Produktdesign und der Architektur bekannter Leitsatz. Was dies bei anderen Kulturgütern bedeutet, wie beispielsweise Filmen, die weniger offensichtlich einem konkreten Nutzen unterstellt sind, ist nicht so klar. Doch auch hier ist es zumindest irritierend, wenn Oberflächenmerkmale und eigentlicher Zweck nicht im Einklang stehen – wie es bei Visions leider der Fall ist.

Sicherlich sind auch die Autoren L.D. Goffigan und Lucas Sussman nicht ganz unschuldig an der Verwirrung, legen sie in ihrer Geschichte doch absichtlich mehrere falsche Fährten. Doch anstatt dies geschickt auszuarbeiten, inszeniert Greutert mit dem Holzhammer und greift tief in die Effekt- und Geräuschkiste und überdeckt damit das eigentliche Thema – Eveleighs Visionen und deren Funktion – fast bis zur Unkenntlichkeit. Bedauerlicherweise sind auch die Schauspieler keine große Hilfe, diesen Film interessanter zu machen: Isla Fisher gelingt es weder, das durch ihre Mitschuld am Tod eines Kindes hervorgerufene Trauma wirklich nachvollziehbar zu machen, noch wird es wirklich plausibel, warum sich die verängstige Frau plötzlich zur mutigen Geisterjägerin entwickelt. Auch ihr Mann Anson Mount bleibt blass, wobei man ihm wie einigen weiteren Darstellern wenigstens zugutehalten kann, dass sie ihre Figuren so ambivalent gestalten, dass der Zuschauer bis zum Ende nicht sagen kann, welche Rolle sie in diesem Geisterkrimi spielen.

Vielleicht hat Helmut Schmidt ja doch Recht. Wer auch immer die Vision für diesen Film hatte, hätte sich besser an Fachleute gewandt, um genau zu überlegen, wie und mit wem man diesen Stoff am besten umsetzt. Dann wäre Visions möglicherweise ein gar nicht mal so übler, ja vielleicht sogar richtig clever Gruselfilm geworden. So ist allerdings irgendwo auf dem Weg zum fertigen Film etwas schief gegangen. Das Ergebnis vermittelt zwar noch einen vagen Eindruck davon, was hätte sein können – in der jetzigen Form kann man ihn nur schwerlich als gelungen bezeichnen. Das Paradoxe daran: Weil vorher nichts funktioniert, ist der finale Twist besonders schwer vorherzusehen. So ist Visions zum Schluss immerhin noch für eine Überraschung gut.

Visions

Wer Visionen hat, sollte – zumindest nach Helmut Schmidt – besser zum Arzt gehen. Den Figuren in Horrorfilmen dürfte mit diesem Tipp allerdings selten geholfen sein, sind ihre übernatürlichen Wahrnehmungen meist nicht durch einen Schulmediziner heilbar. Das muss auch Eveleigh (Isla Fisher) feststellen, die nach einem Unfall, bei dem eine andere Familie ihr Baby verloren hat, mit ihrem Ehemann David (Anson Mount) auf ein Weingut nach Kalifornien zieht.
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