Visioneers - Wer wird denn gleich in die Luft gehen

Visioneers - Wer wird denn gleich in die Luft gehen

Eine Filmkritik von Peter Osteried

„Werde ich explodieren?“

Größer als der Tod des Fleisches ist der Tod des Geistes, der Tod von Träumen. George Washington Winsterhammerman hat längst alle Passion verloren. Er wuchtet sich durch die ewig gleichen Tage, nur noch der Schatten eines Mannes, der einen Funken Hoffnung darauf bewahrt, das Ruder noch herumzureißen.
In der nahen Zukunft arbeitet George auf Level 3 des Konzerns Jeffers. Er ist ein Visionär – eine hochtrabende Jobbezeichnung für eine stupide Tätigkeit, die nie genauer definiert wird. George ist in einem kafkaesken Albtraum gefangen, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Das einzige, was aus dem ewig gleichen Trott heraussticht, ist eine seltsame Epidemie. Menschen explodieren, den Grund kennt man nicht. Aber George macht sich Sorgen, dass er auch gefährdet sein könnte, denn plötzliche emotionale Wallungen scheinen den Prozess zu begünstigen.

Visioneers ist ein phantastischer Film, in dem Zack Galifianakis nicht seine übliche Comedy-Routine abzieht, sondern sich tatsächlich als Schauspieler betätigt. Er stellt einen innerlich höchst zerrissenen Mann dar, der betäubt auf die Welt um ihn herum reagiert. Debütant Jared Drake hat nach einem Drehbuch seines Bruders Brandon einen vielschichtigen Film abgeliefert, der als Satire funktioniert, aber nicht versucht, nur einen einzigen Gedanken argumentativ zu untermauern. Vielmehr ist Visioneers die Art Film, die zur freien Assoziation einlädt. Der Film ist, was immer man in ihm sehen will: Kritik am Kapitalismus, an der Fernsehgesellschaft, an der Hippie-Gegenbewegung, am Konzept unserer Arbeitswelt, aber auch an unserer Art zu leben, daran, wie die Arbeit über allem steht, wie das Leben dabei auf der Strecke bleibt. Visioneers ist mit seiner dystopischen Weltsicht ein Mahnmal dafür, in sich zu gehen und den eigenen Lebensstil zu bewerten.

Im Kern geht es um die Frage, was es heißt, ein Mensch zu sein und als Mensch zu leben. Man mag eine predigende Tendenz erkennen, allerdings entscheidet sich der Film nicht dazu, einen Stil vorgeben zu wollen. Er präsentiert verschiedene – allesamt mit Fehlern behaftet, aber dazu geeignet, Denkansätze zu geben. Visioneers kommentiert so unendlich viel. Mitunter wirkt er dadurch überladen und zerfasert, erinnert aber daran, wie wichtig es ist, sich wirklich und wahrhaftig lebendig zu fühlen. Doch um dieses Gefühl zu bewahren, muss man sich der Monotonie des Seins entgegenstellen. Die Rettung ist das Verfolgen der eigenen Träume, ungeachtet dessen, welche Folgen damit einhergehen mögen. Wahrhaftige Glückseligkeit ist ein Zustand des Geistes, nicht der materiellen Umstände, die ihn umgeben.

Visioneers - Wer wird denn gleich in die Luft gehen

Größer als der Tod des Fleisches ist der Tod des Geistes, der Tod von Träumen. George Washington Winsterhammerman hat längst alle Passion verloren. Er wuchtet sich durch die ewig gleichen Tage, nur noch der Schatten eines Mannes, der einen Funken Hoffnung darauf bewahrt, das Ruder noch herumzureißen.
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