V/H/S: Viral

V/H/S: Viral

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Ein Fall für den Löschkopf

Einerseits fungiert die Horroranthologie-Reihe V/H/S als Hommage an den Boom der Videokassetten, die bei mehrfachem Abspielen in der Regel an Qualität verloren, zugleich aber die Möglichkeit für eigene filmische Experimente boten. Dies trifft andererseits auf die Serie selbst zu, die jungen Regisseuren aus dem US-Indie-Sektor eine Plattform für unterschiedliche Erzählformen im beliebten Found Footage-Rahmen liefert. Allerdings fielen die Reaktionen auf den ersten Teil V/H/S – Eine mörderische Sammlung und die drastischere Fortsetzung S – VHS recht kontrovers aus. Der dritte Teil V/H/S: Viral weist eine wesentlich kürzere Laufzeit auf als die Vorgänger, was zu seinen wenigen Vorzügen zählt.
Denn schon die Rahmenhandlung erschöpft sich rasch im Einfall, Material eines Nachwuchsfilmers auf einem nur teilweise überspielten Tape zu bieten. In Marcel Samientos Vicious Circles verfolgt ein junger Mann nebst mehreren Polizeifahrzeugen einen Eiswagen, in dem er seine gekidnappte Geliebte vermutet. Das Fluchtauto sendet ein mysteriöses Video auf zahlreiche Smartphone, das mortale Konsequenzen beim jeweiligen Empfänger nach sich zieht. Die hektisch montierten Schnipsel wollen sich kaum zu einer überzeugenden Geschichte zusammenfügen. Auf einen befriedigenden Abschluss dieser konfusen Sequenzen mit schlechten Spezialeffekten wartet man vergeblich, was angesichts der oberflächlich gezeichneten Charaktere ohne Belang bleibt.

Ähnlich chaotisch wirken Schnitt und Kameraführung der als Dokumentation angelegten ersten Episode Dante the Great. Dabei greift Gregg Bishop auf die Grundidee von Der kleine Horrorladen zurück: Wo dort eine fleischfressende Pflanze ihren fatalen Einfluss auf einen kleinen Angestellten ausübte, schlägt nun ein Zaubermantel mit übersinnlichen Kräften zu. Um das Wunderwerk zufriedenzustellen, muss es ein Illusionist regelmäßig mit Menschenfleisch füttern. Jenseits der durchgeknallten Story und Inszenierung, teils angereichert mit Pseudo-Material aus Überwachungskameras, wirkt Bishops Segment immerhin kurzweilig und temporeich.

Mit Parallel Monsters variiert Nacho Vigalongo seinen Zeitreise-Thriller Timecrimes. Als ein Wissenschaftler dank seines Portals im eigenen Keller in ein Paralleluniversum gelangt, begegnet er seinem eigenen Ich. Beide beschließen für eine Viertelstunde die Rollen zu tauschen und zur Ehefrau des jeweils anderen zurückzukehren, was unerwartete Konsequenzen nach sich zieht. Zumindest versteht es die spanischsprachige Episode, Spannung aufzubauen und die Kamera wohltuend verhalten sowie nachvollziehbar einzusetzen. Leider erscheint die Auflösung ähnlich hanebüchen wie in Vigalongos letztem Langfilm Open Windows, der seine fesselnde Thriller-Prämisse durch ein unglaubwürdiges Finale verdarb.

Im albernen Abschlussvideo Bonestorm von Justin Benson und Aaron Moorhead treffen eine Gruppe ausgelassener Skater in Tijuana auf die reitenden Leichen – nur ohne Pferde. Da die Teenager auf einem verbotenen, geheiligten Platz ihre Runden drehen, werden sie von sinistren Finsterlingen und zähnefletschenden Untoten überfallen. Das anschließende Gemetzel erinnert eher an einen Amateursplatterversuch ohne Plot und Timing als an einen professionellen Schocker. Insgesamt empfiehlt sich V/H/S: Viral schon aufgrund permanenter Wackelbilder und unmotivierter Schnitte kaum für die große Leinwand, doch selbst auf dem Heimmarkt finden sich weitaus geglücktere Anthologien.

V/H/S: Viral

Einerseits fungiert die Horroranthologie-Reihe "V/H/S" als Hommage an den Boom der Videokassetten, die bei mehrfachem Abspielen in der Regel an Qualität verloren, zugleich aber die Möglichkeit für eigene filmische Experimente boten. Dies trifft andererseits auf die Serie selbst zu, die jungen Regisseuren aus dem US-Indie-Sektor eine Plattform für unterschiedliche Erzählformen im beliebten Found Footage-Rahmen liefert.
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