Vatertage - Opa über Nacht

Vatertage - Opa über Nacht

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Herzlich willkommen im Millionendorf

Als Rikschafahrer versucht der 36-jährige Basti (Sebastian Bezzel), sich in seiner Heimatstadt München finanziell über Wasser zu halten. Das gelingt nicht so gut, aber Basti genießt das Leben trotzdem. Dann steht die 17-jährige Dina (Sarah Horváth) aus Bitterfeld plötzlich auf der Matte, mit einem Baby im Arm. Sie sagt, sie sei seine Tochter und verlangt ein hübsches Sümmchen als Entschädigung für entgangenen Unterhalt. Ist das schlimm? Nein, denn Basti hat ein großes Herz und was er auch tut, man kann ihm einfach nicht böse sein.
Die Komödie Vatertage – Opa über Nacht von Regisseur Ingo Rasper (Reine Geschmackssache) lässt kaum ein Klischee über München, das Millionendorf, aus. Die Stadt wird geradezu überspitzt als Freizeitoase der Lebenskünstler dargestellt, gerät zum Sehnsuchtsort, der ziemlich aus der Zeit gefallen ist. Ist das schlimm? Jein, denn die lässige Atmosphäre, die in Bastis Umfeld herrscht, entfaltet ihre Wirkung und in den Dialogen der bunt zusammengewürfelten, urigen oder schrägen Figuren reizt manches zum Auflachen.

Damit der Vater, den sie noch nie gesehen hat, mindestens 10.000 Euro lockermacht, wählt Dina zum Schein die Nummer ihrer Mutter Vanessa (Christiane Paul) und reicht Basti das Handy. In Wirklichkeit spricht er mit Dinas Freundin Natalie (Nina Gummich), die ihm mit weißrussischen Geldeintreibern droht. Dina quartiert sich bei Basti ein, während er seine patente ältere Schwester Thea (Monika Gruber) und seinen Vater Lambert (Heiner Lauterbach) um Geld anpumpt. Letzterer hatte nach dem Tod seiner Frau sein Coming-Out, lebt normalerweise in Griechenland mit seinem neuen Freund Nektarios (Adam Bousdoukos), ist aber zum Heiraten nach München gekommen. Basti versucht auch ein wenig Geld für Dina mit Arbeit zu verdienen, wovon ihn aber amouröse Bedürfnisse abhalten.

Dina findet Basti ganz sympathisch, und auch er gewöhnt sich recht schnell an den Familienzuwachs. Aus Bitterfeld reist Fels (Max Hegewald) an, der begeisterte Vater des Babys, der selbst noch ein Kind ist. Auf einer Wiese feiert die bunte Truppe ein Grillfest. Das Leben unter freiem Himmel zu genießen, bietet auch Gelegenheit, das Klischee von der Münchner Toleranz und Lässigkeit zu pflegen. Ein alter Bayer mit Hut macht sich als Statist wunderbar neben den jungen Musikern aus Bastis moderner Blaskapelle und dem schwulen Pärchen. Das Oktoberfest darf als Kulisse ebenso wenig fehlen wie die Nacktbader im Englischen Garten. Der Film fängt das warme, orangefarbene Licht der Spätnachmittagssonne ein und nutzt es beinahe durchgehend für eine nostalgisch satte Verklärung der Bilder.

Etliche der intellektuell unterbelichteten Verwicklungen kreisen um die Frage, was ein richtiger Vater ist, wobei Basti die Anforderungen nur zum Teil erfüllt. Trotz Reifeprozess bleibt er im Grunde ganz der Alte. Ist das schlimm? Jein, denn das Possenhafte, das sinnliche Vergnügen und das Vorgaukeln falscher Realitäten gehören sowieso zum Film wie der Föhn zu München. Bei dieser Wetterlage lullt der blaue Himmel die Wahrnehmung ein, man meint, die Alpen stünden auf einmal zum Greifen nah hinter der Frauenkirche, und kaum hat einen der Trugschluss so richtig betört, zerplatzt er wie eine Seifenblase.

Vatertage - Opa über Nacht

Als Rikschafahrer versucht der 36-jährige Basti (Sebastian Bezzel), sich in seiner Heimatstadt München finanziell über Wasser zu halten. Das gelingt nicht so gut, aber Basti genießt das Leben trotzdem. Dann steht die 17-jährige Dina (Sarah Horváth) aus Bitterfeld plötzlich auf der Matte, mit einem Baby im Arm. Sie sagt, sie sei seine Tochter und verlangt ein hübsches Sümmchen als Entschädigung für entgangenen Unterhalt. Ist das schlimm? Nein, denn Basti hat ein großes Herz und was er auch tut, man kann ihm einfach nicht böse sein.
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