Vater und Sohn

Vater und Sohn

Ein rätselhaftes Meisterwerk

Seit dem Tod der Mutter lebt Alexej mit seinem Vater im obersten Stockwerk eines alten Hauses, über den Dächern einer Hafenstadt. Er ist Anfang zwanzig, der Vater Mitte vierzig. Ihr Leben ist geprägt von großer Nähe, Erinnerungen, täglichen Ritualen und aufmerksamer Fürsorge füreinander, so dass sie manchmal wie Brüder, ein anderes Mal wie Liebende wirken. Wie sein Vater so besucht auch der Sohn die Militärakademie, doch der Vater hat die Karriere als Offizier der Luftwaffe mittlerweile aufgegeben. Die Hintergründe für dieses Ausscheiden aus dem Militär bleiben ebenso im Verborgenen wie die Geschichte eines Freundes des Vater, der anscheinend abgetaucht ist, um Rache zu nehmen für einen sinnlosen Krieg.
Eines Tages kommt der Sohn des verschwundenen Freundes zu Besuch. Er ist seltsam berührt und fasziniert von der hermetischen Welt, die sich Alexej mit dem Vater teilt. Alexej wirkt fast noch kindlich, den Dienst an der Akademie vernachlässigt er, um stattdessen möglichst viel Zeit mit seinen Vater zu verbringen. Doch irgendwann, das ist Alexej klar, muss er sein eigenes Leben führen. Aber wo wird er dann Trost und Schutz finden? Und wer wird sich um den Vater kümmern? Hält die Liebe zwischen Vater und Sohn diesen Schritt aus?

Alexander Sokurovs letzter Film Russian Ark war eine formale Meisterleistung, eine neunzigminütige Plansequenz, die in einer einzigen Einstellung die russische Geschichte nachzeichnete. Auf den ersten Blick ist Vater und Sohn da wesentlich konventioneller, zumindest was die Filmsprache anbelangt. In klassischen Schuss-Gegenschuss-Montagen mit den Gesichtern häufig in Großaufnahme zeigt Sokurov in seinem neuen Film das Bild einer engen, fast symbiotischen Beziehung zwischen Vater und Sohn nach, die die Welt konsequent aus ihrem gemeinsamen Leben aussperren. Dabei bleiben die genauen Lebensumstände, der Ort und die Zeit weitgehend im Dunkeln und Ungefähren. Was alleine zählt, sind die Befindlichkeiten und Gefühle der beiden Männer. So viel Emotion und so viel Rätselhaftes, lediglich Angedeutetes ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, denn Sokurovs Film hat mit herkömmlichen Spielfilmen ungefähr so viel zu tun wie Lyrik mit Unterhaltungsromanen. Wer sich allerdings auf die hermetische Weltabgewandtheit und strenge, herbe Schönheit der Bilder einlassen kann, erlebt eine filmische Dichtung in höchster Brillanz, die wahrhaft neue Erfahrungshorizonte öffnet.

Nach Mutter und Sohn ist Vater und Sohn der zweite Teil von Sokurovs Familientrilogie. Der dritte Teil namens Zwei Brüder und eine Schwester ist gegenwärtig in Arbeit.

Vater und Sohn

Seit dem Tod der Mutter lebt Alexej mit seinem Vater im obersten Stockwerk eines alten Hauses, über den Dächern einer Hafenstadt. Er ist Anfang zwanzig, der Vater Mitte vierzig.
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Meinungen
John Isenberg · 12.09.2005

Dieser Film wird bei Zuschauern entweder totale Ablehnung oder totale Verzeuberung auslösen. "Vater und Sohn" ist ein Märchen über eine Vater-Sohn Beziehung. Der Film ist setzt sich mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn auf geradezu mythische Art auseinander. Dass in unserer heutigen Gesellschaft diese Beziehung oft zu einer Farce verkommen ist, macht die Darstellung Sokurovs noch irrealer. Sokurov hat Recht, wenn er einer oberflächlichen homosexuellen Interpretation des Films eine radikale Absage erteilt. Natürlich hat der Film für Schwule einen besonderen Reiz, sind doch beide Hauptdarsteller ungewöhnlich attraktiv. Ich vermute jedoch, dass jeder Mann tief im Inneren weiß, was da in dem Film angesprochen wird. Wenn man sich darauf einlässt, wirkt der Film wie ein Katalysator, der Verborgenes zutage bringt. Außerdem wird man mit einer filmischen Kunst belohnt, die auch bei mehrmaliger Betrachtung wie eine Meditation wirkt und Kraft spendet. Dass der Film das schafft, ist einmal Sokurovs meisterhafter Inszenierung zu verdanken - es gibt Szenen von klassischer Schönheit, aber auch den beiden Hauptdarstellern, und ganz besonders Alexei Nejmyshev, der den Sohn spielt.

John Isenberg · 12.09.2005

Dieser Film wird bei Zuschauern entweder totale Ablehnung oder totale Verzeuberung auslösen. "Vater und Sohn" ist ein Märchen über eine Vater-Sohn Beziehung. Der Film ist setzt sich mit der Beziehung zwischen Vater und Sohn auf geradezu mythische Art auseinander. Dass in unserer heutigen Gesellschaft diese Beziehung oft zu einer Farce verkommen ist, macht die Darstellung Sokurovs noch irrealer. Sokurov hat Recht, wenn er einer oberflächlichen homosexuellen Interpretation des Films eine radikale Absage erteilt. Natürlich hat der Film für Schwule einen besonderen Reiz, sind doch beide Hauptdarsteller ungewöhnlich attraktiv. Ich vermute jedoch, dass jeder Mann tief im Inneren weiß, was da in dem Film angesprochen wird. Wenn man sich darauf einlässt, wirkt der Film wie ein Katalysator, der Verborgenes zutage bringt. Außerdem wird man mit einer filmischen Kunst belohnt, die auch bei mehrmaliger Betrachtung wie eine Meditation wirkt und Kraft spendet. Dass der Film das schafft, ist einmal Sokurovs meisterhafter Inszenierung zu verdanken - es gibt Szenen von klassischer Schönheit, aber auch den beiden Hauptdarstellern, und ganz besonders Alexei Nejmyshev, der den Sohn spielt.

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