Vater Morgana

Vater Morgana

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Vater-Sohn-Beziehung mit Hindernissen

Christian Ulmen, Enfant terrible und scheinbarer Liebling von Schwiegermüttern, schlüpft mal wieder in die Rolle eines Heiratsanwärters. Dabei wirbt er um die Hand der erwachsen gewordenen Felicitas Woll und kämpft mit seinem treulosen Film-Vater Michael Gwisdek, der ihn, den Saubermann, in ein unendliches Chaos stürzt.
Lutz (Christian Ulmen) ist der perfekte Schwiegersohn: Zurückhaltend, aufmerksam und emphatisch. Auch wenn er seine Polizeilaufbahn ungewollt beenden musste, so steht er nun in Lohn und Brot bei einer privaten Werttransporte-Firma. Durch diese Arbeit hat er auch die attraktive und selbstbewusste Annette (Felicitas Woll) kennen gelernt, denn sie ist nicht nur die Tochter seines Chefs, sondern auch Hauptkommissarin bei der Hamburger Polizei. Nun fehlt nur noch der Heiratsantrag, um ihn zum glücklichsten Mann der Welt zu machen. Zögerlich wie er ist, und als wahrer Pechvogel das Chaos anziehend, wird es zu diesem Antrag erst sehr, sehr spät und im denkbar unpassendsten Moment kommen. Denn Dank seines kleinkriminellen Vaters Walther (Michael Gwisdek), der urplötzlich nach langer Abwesenheit wieder auftaucht, gerät sein Leben völlig aus den Fugen, und Lutz sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, Juwelen gestohlen zu haben. Ausgerechnet Annette ist mit der Aufklärung des Falles beauftragt, so dass Liebe und Hiebe nun völlig durcheinander geraten und die beiden Herzen auf eine harte Probe gestellt werden. Tatsächlich hat aber Walther den Überfall auf den Juwelentransport verübt, was ihn in einen erneuten Konflikt mit seinem Sohn führt. Aber dieser Konflikt ist so alt wie die Beziehung der beiden, und obwohl Walther nach seiner Diagnose Alzheimer nun die Aussöhnung mit Lutz sucht, so kann die zerrüttete Familienbande nicht ohne Weiteres wiederhergestellt werden...

Till Endemann hat sich gleich mehrerer gesellschaftlicher Probleme in dieser Tragikkomödie angenommen. Vordergründig geht es um den Vater-Sohn-Konflikt, und Christian Ulmen spielt den enttäuschten und gekränkten Sohn ebenso überzeugend, wie Michael Gwisdek die Rolle des stoischen und ignoranten Vaters wie auf den Leib geschrieben ist. Letzterer kommt erst nach der erschütternden Diagnose der neurodegenerativen Erkrankung zu der Erkenntnis, dass er Einiges bei seinem Sohn wieder gut zu machen hat. Die Versäumnisse und Fehler der vergangenen Jahre (wegen seiner kriminellen Aktivitäten musste Lutz die Polizeiakademie verlassen) kann er natürlich nicht rückgängig machen, aber da seine (wachen) Tage offenbar gezählt sind, versucht er auf seine saloppe Art den Sohn zurückzugewinnen. Der Umgang im Film mit dieser Krankheit gerät manches Mal vielleicht etwas zu lässig, andererseits öffnet Endemann dadurch das Thema für eine breite Masse, so dass dieses Mittel hier nur recht erscheint. Ebenso wird das Thema Altersheim angeschnitten bzw. wird bei Vater Morgana der euphemistische Ausdruck Seniorenresidenz benutzt. Denn in einer solchen lebt Walther und durch seine Chansonabende, bei denen er den zwar betagten aber immer noch attraktiven Entertainer repräsentiert, ist er der umschwärmte Held des Heimes. Da sich das kulturelle Angebot in der Residenz auf ein absolutes Minimum beschränkt, verwundert es nicht weiter, dass Walther - trotz brüchiger Stimme und den Ton nicht immer treffend - quasi der Frank Sinatra unter den Heimbewohnern ist ...

Diese drei Brennpunkte in einer Tragikkomödie zu verarbeiten ist wohl nur möglich geworden, indem mehr Komödie als Tragik darin erscheint. Aber genau so, wie Endemann durch die humorvolle Bearbeitung der Themen ein sehr breites Publikum erreicht, so legt er auch durch die generationenübergreifende Besetzung der drei Hauptdarsteller einen größtmöglichen Resonanzboden beim Publikum. Vater Morgana ist zwar manches Mal von der Story her etwas abgedreht, beispielsweise die Flucht von Walther in einem ausgedienten U-Boot, doch bis auf solche Kleinigkeiten ist der Film durchaus sehenswert.

Vater Morgana

Christian Ulmen, Enfant terrible und scheinbarer Liebling von Schwiegermüttern, schlüpft mal wieder in die Rolle eines Heiratsanwärters. Dabei wirbt er um die Hand der erwachsen gewordenen Felicitas Woll und kämpft mit seinem treulosen Film-Vater Michael Gwisdek, der ihn, den Saubermann, in ein unendliches Chaos stürzt.
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