VANish

VANish

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Das Leben im Van

Die Nettolaufzeit beträgt schlanke 73 Minuten. Gestreckt ist an VANish nichts, er ist pure Unterhaltung, ein wenig grobschlächtig, filmisch etwas rau, aber auch unmittelbar. Der Film spielt mit Erwartungen und durchbricht konventionelle Grenzen. Nichts ist, wie es scheint, und alles ist möglich. So muss ein Independent-Film aussehen!
Jack, Max und Shane entführen Emma, die Tochter eines mexikanischen Kartellbosses. Es soll der große Zahltag werden, aber sie sind blutige Amateure, die schon bald nicht nur die Kontrolle gänzlich verlieren, sich mit Auftragskillern herumschlagen und Probleme mit der Polizei bekommen, sondern sich auch gegenseitig an die Gurgel gehen. Weil ihr Opfer nicht so wehrlos ist, wie das Trio eigentlich denkt. Vier Leute, darunter ein paar Psychopathen, in einem stickigen, überhitzten Van. Das kann nur blutig enden.

Alles fängt ganz normal an. Zwei Typen sitzen im Van und unterhalten sich über Nichtigkeiten. Dann steigen sie aus und entführen jemanden. Von diesem Moment an schaltet Autor und Regisseur Bryan Brockbader in den nächsten Gang. Er reichert seinen ökonomisch kurzen, fast ausschließlich in einem Van spielenden Film mit allerhand Wendungen und Überraschungen an. Es gibt Momente intensiver Spannung, wenn der Streifenpolizist einfach nicht locker lässt, aber auch Sequenzen, bei denen es ein einziger Monolog ist, mit dem der Zuschauer um den kleinen Finger gewickelt wird.

Hauptdarstellerin Maiara Walsh (Wichita in Zombieland) hat diesen ganz großartigen Moment, als sie ihren Entführern von ihrer Kindheit erzählt. Wie ihre Zuhörer ist man gespannt, und fragt sich beim erlösenden Lachen, wie viel davon wirklich nur zusammengesponnen war. Denn Walshs Figur ist kein Opfer, sie ist forsch, direkt, unbeeindruckt und furchtlos. Sie spielt mit den Entführern, die einen Fehler nach dem anderen machen. Brockbader begeht aber nicht den Fehler, sie zur Superfrau zu stilisieren, die einfach von der Opfer- zur Täterrolle wechselt. Sie hat gleich mehrere Agenden und versteht es, den Zufall für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Das ist intelligent geschrieben, das Geschehen erscheint nie willkürlich, jede Aktion und jede Reaktion ergibt sich aus dem Fluss der Dinge.

Die Chemie zwischen den Schauspielern ist exzellent. Sie hilft dabei, die Freundschaft, aber auch die Rivalität der Handlungsträger zu unterstreichen. Die Spannungskurve wird dabei kontinuierlich angezogen, bis sich das Ganze in einem Gewalt-Crescendo entlädt, das nicht nur gut gefilmt ist, passiert doch alles innerhalb des Vans, sondern auch grob, derb und überraschend daherkommt. VANish ist ein kleiner, dreckiger, guter, verrückter Independent-Film. Eine echte Perle.

VANish

Die Nettolaufzeit beträgt schlanke 73 Minuten. Gestreckt ist an „VANish“ nichts, er ist pure Unterhaltung, ein wenig grobschlächtig, filmisch etwas rau, aber auch unmittelbar. Der Film spielt mit Erwartungen und durchbricht konventionelle Grenzen. Nichts ist, wie es scheint, und alles ist möglich. So muss ein Independent-Film aussehen!
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