Valley of Saints - Ein Tal in Kaschmir

Valley of Saints - Ein Tal in Kaschmir

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Jenseits von Bollywood

Der einst stolze Fürstenstaat Kaschmir im Himalaya, früher ein Knotenpunkt verschiedener wichtiger Handelswege, ist heute eine Region, die von drei Ländern beherrscht wird: Indien, Pakistan und China. Doch die Region strebt nach Autonomie und wird deshalb immer wieder von Anschlägen und Unruhen erschüttert. Seit fast zehn Jahren kommt es nahezu wöchentlich zu Attentaten, denen immer wieder zahlreiche Zivilisten zum Opfer fallen. Dennoch ist die Region aufgrund ihrer großartigen Landschaft ein beliebtes touristisches Ziel und der pittoreske Dal-See im indischen Teil Kaschmirs bildet oftmals eine beliebte Kulisse für Bollywood-Filme. Mit denen hat Musa Syeeds Spielfilmdebüt Valley of Saints – Ein Tal in Kaschmir freilich wenig zu tun. Denn statt greller Farben, viel lauter Musik und märchenhaften Tänzen setzt der in den USA aufgewachsene Filmemacher eher auf die leisen Töne.
Valley of Saints, der das Filmfest Hamburg 2012 eröffnete und der zuvor beim renommierten Filmfestival von Sundance zu sehen war, erzählt von dem jungen Gulzar (Gulzar Ahmad Bhat), der gemeinsam mit seinem Onkel (Haji Salam Bhat) in einer schlichten Stelzen-Hütte am Ufer des Dal-Sees lebt und der sich als Bootsmann für die zahlreichen Touristen verdingt. Zusammen mit seinem besten Freund Afzal (Afzal Sofi) träumt er von einem besseren Leben in Delhi – ohne die Allgegenwärtigkeit von Krieg und Armut. Da die Behörden aber eine Ausgangssperre über die Provinz verhängen, scheitert der Plan der beiden Freunde – zum Glück. Denn dadurch lernt Gulzar die junge Wissenschaftlerin Asifa (Neelofar Hamid) kennen, die die Wasserqualität des Sees untersuchen will. Und weil sie dafür einen erfahrenen Bootsführer braucht, sind sie und Gulzar bald schon tagtäglich miteinander unterwegs. Zwischen den beiden bahnt sich mit der Zeit eine zarte Liebesgeschichte an, die Gulzar die Augen öffnet für die Probleme, vor denen er eigentlich am liebsten davonlaufen würde.

Obwohl Musa Syeed, dessen Eltern aufgrund politischer Repressalien aus ihrer Heimat Kaschmir in die USA flohen, die zarte Liebesgeschichte zwischen dem einfachen Bootsmann und der ebenso schönen wie klugen Wissenschaftlerin in teilweise betörend schöne Bilder packt, belässt er es nicht bei dem rein romantischen Blick auf die pittoreske Kulisse. Stattdessen flicht er überaus elegant die drängenden Probleme der Region, von Umweltverschmutzung über Religionskonflikte bis hin zur instabilen politischen und ökonomischen Lage in seine Erzählung ein und verknüpft so Fiktives gekonnt mit Faktischem.

Das Ergebnis ist ein Film, der nicht nur aufgrund seiner teilweise traumhaften Bilder gelungen ist, sondern auch, weil er dem Zuschauer ebenso die Augen öffnet für die Probleme der Region wie seinem jungen Hauptcharakter.

Valley of Saints - Ein Tal in Kaschmir

Der einst stolze Fürstenstaat Kaschmir im Himalaya, früher ein Knotenpunkt verschiedener wichtiger Handelswege, ist heute eine Region, die von drei Ländern beherrscht wird: Indien, Pakistan und China. Doch die Region strebt nach Autonomie und wird deshalb immer wieder von Anschlägen und Unruhen erschüttert. Seit fast zehn Jahren kommt es nahezu wöchentlich zu Attentaten, denen immer wieder zahlreiche Zivilisten zum Opfer fallen.
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