Utopia (Staffel 1 & 2)

Utopia (Staffel 1 & 2)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Unwegsame Utopien am Rande des Wahnsinns

Wo ist Jessica Hyde? – Diese Frage nach der mysteriösen, kampfstarken jungen Frau als eine der zentralen Hauptfiguren dieser so wirren wie verwirrenden Geschichte durchzieht immer wieder ihre verschlungene Handlung. Auch dann noch, als diese anfangs noch unsichtbare Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy), die Tochter eines (vermeintlich) verstorbenen Wissenschaftlers, der ein so geheimnisvolles wie wirkungsmächtiges Comic-Manuskript verfasst hat, längst dynamisch auf der Bildfläche erschienen ist. Dort wird sie gleichermaßen gejagt und selbst zur Jägerin, denn nicht nur sie selbst ist dringend an der Rohfassung dieses magischen Graphic Novels Utopia interessiert, sondern ebenso eine illustre Clique von Comic-Freaks, und darüber hinaus die britische Regierung sowie eine beängstigende Geheimorganisation mit dem Namen „The Network“ …

Sie kennen sich über das Internet als Liebhaber extraordinärer gezeichneter Geschichten, und als sie sich schließlich draußen in der so genannten Realität tatsächlich begegnen, werden sie allmählich rüde und unwiederbringlich aus ihrer Alltagsexistenz katapultiert: Die verkrachte Studentin Becky (Alexandra Roach), der gelangweilte Computer-Experte Ian (Nathan Stewart-Jarrett), der leicht vergeistigt-schräge Wilson (Adeel Akhtar) und der elfjährige Grant (Oliver Woolford), der sich als betuchter Porschefahrer ausgegeben hat. Denn offensichtlich hat der Auftragskiller Arby (Neil Maskell) sie aus noch unerfindlichem Grund aufs Korn genommen, der skrupellos mordend durchs Land zieht und die schlichte Frage nach dem Verbleib von Jessica Hyde stellt. Gemeinsam mit dieser Jessica begeben sich die vier Netz-Freunde alsbald auf eine hektische Flucht, bei der sich schwindelnde Abgründe bezüglich des Comics auftun, dem offensichtlich weltbewegende Prophezeiungen zugeschrieben werden …

Nachdem die englische TV-Serie Utopia unter beachtlicher Publikumsbeachtung seit Januar 2013 zunächst im britischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, erscheinen nun die kompletten Staffeln 1 & 2 mit insgesamt zwölf Episoden in einer Länge von über zehn Stunden auf DVD, begleitet von umfangreichem Bonusmaterial. Haben aufwändig inszenierte, genreübergreifende Serien unterschiedlichster Ausrichtungen auch gerade im Allgemeinen Hochkonjunktur, schöpft Utopia als rasantes, fantasie- und plakativ gewaltträchtiges Verschwörungs-Roadmovie der exaltierten Art doch noch einmal kräftig aus dem Vollen, auch was die überbordende Themenauswahl und die Charakterzeichnungen der Protagonisten betrifft: Alles und alle wirken bei Zeiten bedrohlich, nichts bestätigt den ersten Anschein und das praktisch ungreifbar Mystische umweht zunehmend alle Geschehnisse, ob es um einen Pakt mit dem Leibhaftigen oder um geradezu teuflische Viren und Krankheiten geht.

Die eingängige, futuristische und erfrischend fetzige Filmmusik von Cristobal Tapia de Veer sorgt durchweg für eine mitunter ironisch anmutende Atmosphäre, die allerdings im Fortschreiten der Staffeln in dramaturgischer Hinsicht bedauerlicherweise abnimmt. Es ist eine schwelende, wertezerfetzende Endzeitstimmung, die Utopia mit globalem Ausmaß durchrinnt, die guten alten filmischen Traditionen des letztlich doch noch erkennbaren Guten und Bösen bewusst zersetzend. Mit den Episoden schreitet auch die Übersichtlichkeit und der Zusammenhang der Ereignisse und ihrer Auswirkungen fort, so dass allmählich ein verschworenes, in sich verworrenes Universum entsteht, das vermutlich allein aufmerksame wie spekulativ engagierte Fans schlüssig nachvollziehen mögen. Doch darin besteht offensichtlich auch der Reiz dieser mehrfach prämierten Serie, die sich anwachsend in wilde Geisterphilosophien hineinschraubt und angelegentlich bei allen möglichen und unmöglichen Theorieansätzen diesbezüglich bedient – so haarsträubend wie unterhaltsam.
 

Utopia (Staffel 1 & 2)

Wo ist Jessica Hyde? – Diese Frage nach der mysteriösen, kampfstarken jungen Frau als eine der zentralen Hauptfiguren dieser so wirren wie verwirrenden Geschichte durchzieht immer wieder ihre verschlungene Handlung. Auch dann noch, als diese anfangs noch unsichtbare Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy), die Tochter eines (vermeintlich) verstorbenen Wissenschaftlers, der ein so geheimnisvolles wie wirkungsmächtiges Comic-Manuskript verfasst hat, längst dynamisch auf der Bildfläche erschienen ist.

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