Unter Beobachtung

Unter Beobachtung

Eine Filmkritik von Falk Straub

Überwachen und Strafen

Welchen Preis ist eine Gesellschaft bereit, für ihre Freiheit zu zahlen? Terroranschläge [wie die Attacke auf das Pariser Satire-Magazin Charlie Hebdo stellen Demokratien diese Frage stets aufs Neue. Auch Regisseur John Crowley verhandelt sie in Unter Beobachtung und macht aus der Antwort einen packenden (Justiz-)Thriller.
Kameras, immer wieder Kameras. Durch John Crowleys jüngsten Film zieht sich der überwachende Blick großstädtischer Linsen und Objektive wie ein roter Faden. Gleich zu Beginn wird der Zuschauer durch deren Augen Zeuge eines verheerenden Anschlags, als in Londons Innenstadt ein Kleintransporter mit Sprengstoff explodiert. Dank der Aufnahmen sind die Täter und der mutmaßliche Drahtzieher Farroukh Erdogan (Denis Moschitto) schnell ermittelt. Mit Spannung erwartet die Öffentlichkeit den Prozess. Doch der könnte aus Gründen der nationalen Sicherheit komplett im Geheimen stattfinden. Bereits in dessen Vorbereitung geraten Erdogans Verteidiger Martin Rose (Eric Bana) und Claudia Simmons-Howe (Rebecca Hall) ins Visier des Geheimdienstes. Werden auch sie überwacht oder werden die Anwälte langsam paranoid?

Mit Unter Beobachtung ist Regisseur John Crowley nach Boy A (2007) und Is There Anybody There? (2008) erneut ein kluges Drama gelungen, in dem die leisen Töne dominieren. So kühl wie die Schachzüge der Geheimdienste setzt Kameramann Adriano Goldman auch Englands Hauptstadt in Szene. Die Behinderung und Einschüchterung der Justiz braucht keine großen Knalleffekte. Sätze, Blicke und der körperliche Abstand der Figuren zueinander reichen aus, um die Bedrohung und Verunsicherung spürbar zu machen. Ein bis in die Nebenrollen hervorragend besetztes Ensemble, in dem neben Eric Bana und Rebecca Hall Ciarán Hinds, Jim Broadbent, Anne-Marie Duff und Riz Ahmed glänzen, verleiht dem heiklen Thema die nötige Glaubwürdigkeit.

Insgesamt ist Unter Beobachtung vielleicht ein bisschen zu verschwörerisch geraten, zeichnet aber dennoch ein realistisches Bild dessen, was passieren könnte, wenn Regierung und Geheimdienste in ihrem (über-)eifrigen Kampf gegen den Terrorismus Kontrolle und Überblick verlieren. Und im Vergleich zur Bond- oder Bourne-Reihe ist Crowleys Film mehr als geerdet.

Unter Beobachtung

Welchen Preis ist eine Gesellschaft bereit, für ihre Freiheit zu zahlen? Terroranschläge wie die Attacke auf das Pariser Satire-Magazin "Charlie Hebdo" stellen Demokratien diese Frage stets aufs Neue. Auch Regisseur John Crowley verhandelt sie in "Unter Beobachtung" und macht aus der Antwort einen packenden (Justiz-)Thriller.
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