Unloved

Unloved

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Die Verweigerung eines Aschenputtels

Es ist ein bedächtiger Film der leisen Töne und schlichten Weisheiten, den der japanische Regisseur Kunitoshi Manda mit dem vielschichtigen Titel Unloved im Jahre 2001 inszeniert hat. Er erzählt die Geschichte einer unspektakulären, zurückhaltenden Frau, die allerdings genau weiß, was sie will: Ihr Leben exakt so, wie es sich gerade gestaltet, und dies der weitaus attraktiveren Möglichkeiten zum Trotz, die sich ihr privat wie beruflich anbieten – eine Haltung, die nicht nur dem Zeitgeist der japanischen Gesellschaft deutlich entgegensteht.
Mitsuko (Yoko Moriguchi) ist eine unauffällige, allein lebende Frau in den Dreißigern, die als Sachbearbeiterin im Rathaus tätig ist und ungeachtet ihres recht guten Einkommens in sehr einfachen Lebensverhältnissen ihr ruhiges, bescheidenes Dasein bestreitet. Die drängenden Vorschläge ihres Chefs, sich als qualifizierte, versierte Expertin doch endlich um einen höheren Posten zu bewerben, finden bei Mitsuko keinen Widerhall, denn sie ist absolut zufrieden mit ihrer Position, deren Arbeit in ihrer Schlichtheit zu ihrem ebenso gearteten Wesen passt. Als eines Tages der verschlossene, angesehene Geschäftsmann Eiji (Tôru Nakamura) seine Angelegenheiten im Rathaus erledigt, fällt ihm zunächst die gute Arbeit der stillen Frau ins Auge, für die er sich bald auch auf ganz persönlicher Ebene zu interessieren beginnt.

Es ist dem erfolgsorientierten Eiji unverständlich, dass Mitsuko nicht nur keinerlei Ambitionen zeigt, gesellschaftlich aufzusteigen, sondern diese greifbaren Möglichkeiten rundheraus mit dem Hinweis auf ihre glückliche Verortung im Hier und Jetzt kategorisch ablehnt. Um ihr ein gehobenes Leben schmackhaft zu machen, führt er sie in die Welt der exklusiven Mode ein, und tatsächlich erscheint Mitsuko im Designer-Kleid in einem ganz anderen Licht. Doch sie selbst fühlt sich offenbar eher verkleidet als wohl dabei und kann dem kostspieligen Luxus kein Vergnügen abgewinnen. Dennoch freunden sich die beiden unterschiedlichen Menschen rasch miteinander an und werden bald darauf ein Liebespaar, dessen Beziehung allerdings nur von kurzer Dauer ist. Mit Mitsukos neuem Nachbarn Hiroshi (Shunsuke Matsuoka) betritt ein Mann die Szene, von dem sie sich viel stärker angezogen fühlt, und auch hier ereignet sich eine Annäherung …

In ganz differenzierter, filigraner Art und Weise verkörpert Yoko Moriguchi die Figur der standhaften Mitsuko, die als dezente Underdog-Heldin ihre Low Budget Lebenskonfiguration verteidigen muss, mit der sie glücklicher lebt als manch anderer in komfortableren Verhältnissen. Dieser grundlegenden Thematik hat Kunitoshi Manda eine sich entwicklende Dreier-Konstellation zur Seite gestellt, innerhalb welcher der gelungene Auftakt allerdings ein wenig zerfasert, die allzu stark an den gängigen, abgegriffenen Dialogen dieses Themas orientierte Dramaturgie in Banalitäten abgleitet und die zuvor nur wohltuend angezeichneten Charaktere sich unnötig echauffieren. Dabei gerät auch der Hintergrund in eine allzu seichte Dimension: Zu schwach gestaltet sich die simple Wendung hin zum einfachen Mann, dessen Haltung der eigenen gleicht, während dem Geschäftsmann die Resignation bleibt, doch das Ende, an dem der Film noch einmal seine Stärken zeigt, relativiert zumindest die entstandenen Gefälligkeiten der Geschichte, der es zeitweise etwas an der Substanz mangelt, die ursprünglich angelegt wurde. Doch insgesamt stellt Unloved mit seinen melancholischen Bildern und der Idee der Erhabenheit einer gelassenen, schlichten Positionierung zum Ideal der Leistungsgesellschaft einen durchaus sehenswerten Film dar, auch wenn er durch übertriebene Betonungen ein wenig dazu neigt, seine wichtige, doch einfache Weisheit zu glorifizieren und damit am Rande eines Gutmenschentums zu balancieren.

Unloved

Es ist ein bedächtiger Film der leisen Töne und schlichten Weisheiten, den der japanische Regisseur Kunitoshi Manda mit dem vielschichtigen Titel Unloved im Jahre 2001 inszeniert hat.
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