Ungesagt

Ungesagt

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Eine missverständliche Nähe

Die Freundinnen Marie (Felicia Ruf) und Sarah (Sophie Charlotte Conrad) machen Urlaub auf La Palma. Zwischen beiden herrscht schon lange eine innige Vertrautheit und dennoch meinen beide nicht dasselbe, wenn sie sich jetzt gegenseitig ihrer Liebe versichern. Sarah will mehr. Der Schmerz unerwiderter Leidenschaft verbindet sich mit ihrem lange gehegten Gefühl existenzieller Einsamkeit. Marie aber versteht nicht so recht, warum Sarah so oft in Tränen ausbricht. Sie, die daheim in Deutschland mit Ben (Alexander Khuon) liiert ist, glaubt, dass Sarah auf dem Holzweg ist. Ihre Freundschaft ist für sie schon jetzt perfekt, die emotionale Nähe lässt sich ihrer Meinung nach nicht mehr steigern.
Auf der vulkanischen Insel herrscht äußerlich eitel Sonnenschein, aber die Freundinnen ringen heftig um die Definitionshoheit über ihre Beziehung. Mit eruptiver Wucht brechen in schnellem Wechsel widerstreitende Gefühle durch. Auf Sarahs Werben folgt Enttäuschung, dann wieder Zuwendung. Und Marie, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, will Sarah beruhigen und kommt ihr schließlich entgegen. Doch sogar die sexuelle Erfahrung kann Sarah nicht glücklich stimmen.

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Claudia Boysen erzählt nicht einfach nur eine Dreiecksgeschichte, in der es um die sexuelle Orientierung geht. Der Plot erweist sich als viel raffinierter, weil die beiden Frauen um die Qualität ihrer Freundschaft kämpfen. Keine von ihnen ist als Freundin besser, zugewandter als die andere. Sarah schätzt, was sie von Marie bekommt, aber dass es nicht mehr ist, stürzt sie ins Unglück. Marie wehrt sich nach Kräften gegen diese zerstörerische Dynamik. Sie will die Freundin nicht verlieren. Erst das letzte Kapitel der Geschichte, das zu einem späteren Zeitpunkt in Deutschland spielt, offenbart ihre kluge Konstruktion und ihre volle Tiefe. Nicht die schöne, komplexe Idee ist also das Problem dieses ohne staatliche Filmförderung produzierten Dramas, sondern die Umsetzung.

Produzent Michael Gautsch liefert als Kameramann Bilder voller Sinnlichkeit. Beim Frühstück der Frauen auf La Palma mischen sich Genuss und Lachen, Verspieltheit und Flirt. Und auf einem Fest unter freiem Himmel haben Marie und Sarah nur Augen füreinander, sie tanzen, bringen sich zum Kichern, freuen sich ausgelassen, feiern sich selbst und ihre Zweisamkeit. Aber wo die Ausdruckskraft der schönen Gesichter, der schönen Körper an ihre Grenzen stößt, springen die Dialoge nicht helfend ein. Marie und Sarah reden nicht so vertraut und offen miteinander wie alte Freundinnen, die jedes Geheimnis teilen, ihre vom Film behauptete Nähe wirkt nicht geerdet und real. Die Dialoge sind eher knapp und manchmal hölzern. So ist es kaum möglich zu erkennen, was Marie und Sarah jeweils wirklich denken oder empfinden.

Die beiden jungen Darstellerinnen müssen nichts Großartiges leisten, sondern nur spontan und sprunghaft agieren. Die abrupten Stimmungswechsel, die die Regie den Freundinnen aufnötigt, haben etwas Unberechenbares und lassen sie anstrengend oder sogar unsympathisch wirken. Das beeinträchtigt natürlich den filmischen Gesamteindruck. Wer bereit ist, der Geschichte auf eher geistigem Pfade zu folgen, wird sie klar und ergiebig finden. Wer erwartet, dass der schwierige Konflikt zwischen Freundschaft und Liebe auch darstellerisch ausgelebt wird, hat vielleicht dem Filmtitel zu wenig Beachtung geschenkt.

Ungesagt

Die Freundinnen Marie (Felicia Ruf) und Sarah (Sophie Charlotte Conrad) machen Urlaub auf La Palma. Zwischen beiden herrscht schon lange eine innige Vertrautheit und dennoch meinen beide nicht dasselbe, wenn sie sich jetzt gegenseitig ihrer Liebe versichern. Sarah will mehr.
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Meinungen
Angelika · 23.11.2016

Der Film war schlecht, fast schon gruselig. Zusammenhangslos aneinandergereihte Szenen (Beispiel: erst sucht Marie Sarah nächtens auf einem Camping-Platz, kurz darauf liegt Marie selbst in einem Zelt, von dem man nicht weiß wie es dahin gekommen ist und wem es gehört, da sie doch die Ferienwohnung hat), die einem das Gefühl geben, man war kurz auf dem Klo und hat was verpasst, unterirdische Dialoge, die keinen Sinn ergeben, und die typische heruntergeranzte Berliner Hipsterwohnung darf natürlich nicht fehlen, ebensowenig wie der schmierige Latin Lover. Es lebe das Klischee.

Alle Beteiligten sind nervig und unsympathisch, vor allem Sarah legt borderline-mäßige Verhaltensweisen an den Tag. Kurz gesagt, die Protagonisten sind einem herzlich egal mit ihren "Problemen".

Der ganze Film wirkt seltsam leblos und unglaubwürdig. Schade um's Geld.

Kommentare

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