...und das Leben geht weiter

...und das Leben geht weiter

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein Medizin-Thriller um die Anfänge von AIDS

Das Thema AIDS hat an seiner schwelenden Aktualität nichts eingebüßt, auch wenn es in den Medien manchmal mehr, dann wieder weniger populär ist und die medizinische Forschung sich seit beinahe dreißig Jahren intensiv damit beschäftigt. Das war nicht immer so, denn die schreckliche Realität und die moralischen Mythen um die gefährliche Immunschwächekrankheit machten diese zu einem Politikum, und es war ein zäher Kampf einiger besorgter und engagierter Mediziner, auch nur annähernd die Finanzen bewilligt zu bekommen, die für die Erforschung des zunächst äußerst rätselhaften Virus dringend notwendig waren. Mit eben dieser Geschichte beschäftigt sich der Spielfilm ... und das Leben geht weiter / And the Band Played On von Roger Spottiswoode aus dem Jahre 1993, von den ersten Krankheitsfällen bis zur Entdeckung des Virus zu einer Zeit Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre, in der gerade die homosexuelle Szene der USA in den Städten erste öffentliche Demonstrationen veranstaltete, um für ihre Rechte einzutreten – und gerade dann erscheint eine tödliche Krankheit als Schreckgespenst in den Medien, die anfangs überwiegend bei schwulen Männern diagnostiziert wird.
Anfang der 1980er Jahre formiert sich am Center for Disease Control in Atlanta eine Forschungsgruppe idealistischer und höchst alarmierter Mediziner, die sich mit einem grausamen Phänomen befasst, das zunehmend in verschiedenen Städten auftritt und offensichtlich rasch durch Ansteckung verbreitet wird: Das so genannte Kaposi Sarkom, das überwiegend bei schwulen Männern beobachtet wird und gewöhnlich im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung diagnostiziert wird, nun allerdings mit einer heftigen Schwächung des Immunsystems einhergeht, die schnell zum Tode führt. Dem engagierten Team um den Virologen Don Francis (Matthew Modine), das auf Grund mangelnder Finanzen unter den einfachsten Bedingungen arbeiten muss, wird rasch bewusst, welch ungeheure Gefahr von dieser seltsamen Krankheit ausgeht, die augenscheinlich durch sexuelle Kontakte übertragen wird, und es gilt, eiligst das auslösende Virus zu entdecken. Neben französischen Forschern, die eng mit Dr. Francis kooperieren, schaltet sich auch der hauptsächlich an Ruhm und Macht orientierte Dr. Gallo (Alan Alda) in das Rennen um die Erforschung des Virus ein, um sich seine Lorbeeren zu sichern, während die Zahl der Todesopfer zunimmt und die Politik sich noch immer weigert, diese Epidemie ernst zu nehmen ...

...und das Leben geht weiter ist ein spannend gestalteter Medizin-Thriller um die Anfangszeiten der noch immer meist tödlichen Krankheit AIDS, an der weltweit Millionen Menschen jährlich sterben und sich tragischerweise ebenso viele neu infizieren. Dem britischen Regisseur Roger Spottiswoode gelang es nach einigen erfolglosen Bemühungen, doch noch einige Stars wie Richard Gere, Phil Collins und Steve Martin für Nebenrollen zu gewinnen, denn in den frühen 1990er Jahren galt es noch als brisant, im Zusammenhang mit AIDS in Erscheinung zu treten, trotz der heute weithin sichtbaren Roten Schleife der Solidarität mit Erkrankten, die bereits in den 1980ern vor allem in US-amerikanischen Künstlerkreisen getragen wurde. Präsident Ronald Reagan repräsentierte eine weit verbreitete Haltung – als er zum ersten Mal öffentlich das Thema AIDS erwähnte, litten bereits 25000 Amerikaner an der Krankheit und etliche waren schon verstorben.

Der Film, der auf der erschütternden Dokumentation And the Band Played On von Randy Shilt von 1987 basiert, bemüht sich angefangen mit der Vorgeschichte des Ebola-Fiebers im Sudan um die möglichst authentische Rekonstruktion der Zusammenhänge um den Ausbruch von AIDS, wobei der Schwerpunkt auf der von Spannungen gezeichneten Beziehung zwischen Medizin, Politik und Gesellschaft liegt. Trotz einiger allzu pathetischer Sequenzen ist ...und das Leben geht weiter ein aufregender, dimensionsreich inszenierter Film, der ganz auf das ernsthafte Thema fokussiert ist und glücklicherweise auf überflüssige Nebenunterhaltungen gänzlich verzichtet. Überraschend ist nur, dass bei so viel eindringlichem Engagement eines fehlt am Ende, die mittlerweile schon obligatorische Mahnung, die nun hier ergänzt wird: Denkt nicht nur dran, sondern benutzt sie bei entsprechenden Anlässen auch – Kondome!

...und das Leben geht weiter

Das Thema AIDS hat an seiner schwelenden Aktualität nichts eingebüßt, auch wenn es in den Medien manchmal mehr, dann wieder weniger populär ist und die medizinische Forschung sich seit beinahe dreißig Jahren intensiv damit beschäftigt.
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