Una Noche Sin Luna

Una Noche Sin Luna

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Eine musikalische Leichtigkeit

Multiplot-Filme aus Lateinamerika sind keine Seltenheit und im Arthouse-Kino gern gesehen. Durch die Mehrzahl an Protagonisten vervielfältigen sich die Identifikationsmöglichkeiten. Ein Thema kann aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden, so dass jeder Zuschauer seine Lesart im Film wiederfinden dürfte. Nun hat der Uruguayer German Tejeira mit Una noche sin luna einen genau solchen Film gedreht, der mit seiner humorvollen und sympathischen Herangehensweise für sich zu gewinnen weiß.
Una noche sin luna erzählt drei Geschichten, die sich - allerdings nur minimal - überlappen. Die Protagonisten sind drei mehr oder weniger liebenswerte Anti-Helden. Das gemeinsame Thema ist die Einsamkeit. Der Ausgangspunkt ist ein Silvesterabend. Der Ort: ein kleines Städtchen mitten in Uruguay. Ansonsten aber haben die drei Plots wenig miteinander gemein. Und das stört auch nicht. Der Film will unterhalten und das tut er auf unspektakuläre Art und Weise. Wem Historias mínimas des Argentiniers Carlos Sorin gefallen hat, der wird wahrscheinlich auch diesen Film mögen: Es werden die kleinen Leute scheinbar in ihrem Alltag porträtiert, und doch erleben sie ganz außergewöhnliche Dinge in dieser Nacht.

Der geschiedene Taxifahrer César (Marcel Keoroglián) besucht an Silvester die neue Familie seiner Ex-Frau und damit auch die gemeinsame Tochter Lucía und muss seltsame Gespräche über UFOs führen. Tony Junior (Roberto Suárez), Zauberkünstler und Nomade, soll bei der Neujahrsfeier des örtlichen Gemeindezentrums auftreten, unterwegs bleibt aber sein Auto liegen. Und so verbringt er die Nacht an einer Mautstelle mit Laura (Elisa Galiano), die sich auf einen Abend alleine eingestellt hat: mit einem Audio-Kurs "Chinesisch" und einer Flasche Wein, die sie aber nicht öffnen kann. Und Sänger Miguel Ángel (Daniel Melingo) will seinen Auftritt bei besagter Silvestershow für sein Comeback nutzen, auch wenn niemand ihm zuhört. Immer wieder geht das Licht aus, ist der Stromkreislauf gestört, und ein längerer Stromausfall hält für alle Figuren Überraschungen bereit.

Es sind seltsame Typen, die da im Mittelpunkt von Una noche sin luna stehen; schweigsam, unsicher und suchend in ihrem Blick. Und dennoch oder vielleicht genau deswegen wachsen sie einem im Laufe der Geschichten ans Herz. César will vor allem Zeit mit seiner Tochter verbringen, ihr Gutes tun, sieht er sie doch so selten. Dass er an der Silvesterparty im Hause seines Nachfolgers keinen Spaß hat, ist ihm anzusehen; umso glücklicher erscheint er, als er nach Mitternacht mit Lucía in einen Freizeitpark fährt, der extra für die beiden seine Fahrgeschäfte anwirft. Tony, der Zauberer, ist ein schmieriger Zeitgenosse, und doch sorgt er sich um die, die sich in seinem Umfeld finden, zuallererst sein Kaninchen Oliver, aber dann auch Laura, die zwar die Einsamkeit liebt, wie sie sagt, aber dann doch zu weinen anfängt.

Regisseur Tejeira und Julián Goyoaga, Produzent des Films, haben den Film den drei Hauptfiguren auf den Leib geschrieben, darunter ihrem liebsten Tango-Interpreten Daniel Melingo, der Hauptfigur der dritten Episode ist. Die Geschichte um den Sänger, der seinen Auftritt bei der Silvestershow erst nach Mitternacht hat und einen Stromausfall braucht, damit ihm das Publikum lauscht, ist trister und auch weniger zugänglich als die ersten beiden Stränge und vielleicht gerade deshalb so berührend.

Der Film steckt trotz aller Tristesse voller Witz und Ironie. Er hat eine Leichtigkeit, die vor allem auch eine musikalische ist. Von daher ist es schwer ihn einzuordnen: Er ist melancholisch, aber keine schwere Kost, er ist witzig und weist gleichzeitig eine unüberwindbare Tragik auf. Auf jeden Fall ein schönes Debüt, das gespannt macht auf die nächsten Projekte von Tejeira.

Una Noche Sin Luna

Multiplot-Filme aus Lateinamerika sind keine Seltenheit und im Arthouse-Kino gern gesehen. Durch die Mehrzahl an Protagonisten vervielfältigen sich die Identifikationsmöglichkeiten. Ein Thema kann aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden, so dass jeder Zuschauer seine Lesart im Film wiederfinden dürfte.
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