Tusk

Tusk

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Nach dem menschlichen Tausendfüßler kommt das menschliche Walross

Es ist noch nicht lange her, da hat Kevin Smith seinen Rückzug vom Filmemachen verkündet. Er hat es sich danach noch einmal überlegt. Nach Sichtung von Tusk kann man nur konstatieren: Hätte Smith doch einfach sein Wort gehalten, es wäre besser gewesen.
Der Radiomoderator Wallace (Justin Long) ist in Kanada unterwegs, um ein Interview mit einem ungewöhnlichen Menschen zu machen. Das klappt nicht, aber er lernt den alten Howard Howe (Michael Parks) kennen, der abgeschieden wohnt. Er könnte ihm das bieten, was Wallace für seine Show benötigt, doch dann kommt alles anders als erwartet. Howard setzt Wallace unter Drogen. Als er wieder aufwacht, fehlt ihm ein Bein. Aber Howard hat gerade erst begonnen …

Smith hatte schon immer Schwierigkeiten, tonale Wechsel in seinen Geschichten zu vollziehen. Einige seiner frühen Arbeiten litten nicht darunter, je mehr er sich aber von seinem View Askewniverse entfernte, desto zerfahrener wurde sein Werk. Auch Tusk leidet darunter, dass die Elemente einer Komödie und eines Horrorfilms nicht ineinander übergehen. Es ist, als würde man zwei Filme sehen, die recht brachial zusammengeschnitten wurden.

Die erste Hälfte ist dabei der bessere Film. Einerseits funktioniert der Humor, andererseits herrscht in der Konversation mit Howard Howe eine Atmosphäre der Bedrohung, die noch durch dessen fast schon abstruse Geschichten unterstützt wird. Aber dann entgleist der Film völlig. Was Smith vorstellte, mag eine moderne Version von Sssssnake Kobra (1973) gewesen sein, was er abliefert ist in etwa so unterhaltsam wie The Human Centipede (2009) – und in den entsprechenden Szenen auch genauso widerwärtig.

So unausgegoren Tusk in der Umsetzung ist, so kurios ist er in der Besetzung. Nicht nur hat man Haley Joel "Ich sehe tote Menschen" Osment in einer Nebenrolle, auch Johnny Depp verdingt sich unter starkem Make-up, so dass er praktisch nicht zu erkennen ist. Wenn man davon absieht, dass er hemmungslos übertreibt. Ein Merkmal seines Schauspiels, das in den letzten Jahren überhandgenommen hat. Mit dabei sind auch die Töchter von Smith und Depp, die – das soll wohl eine Reverenz an Smiths eigenen Clerks – Die Ladenhüter (1994) sein – Angestellte in einem Laden spielen. Über das Talent breitet man besser den Mantel des Schweigens.

Aber der würde dem ganzen Film gut zu Gesicht stehen. Man weiß nie, was man davon halten soll. Einerseits gibt es viel zu lange Szenen mit völlig irrelevanten Dialogen, andererseits Szenen, die Ekelgefühle hochkommen lassen. Kaum zu glauben, aber das kann Smith mit dem Ende sogar noch steigern. Happy ist das alles nicht, eher völlig abstrus, wenn die Hauptfigur sich entscheidet, ihr Leben so zu führen, wie es dem verrückten Howard immer vorschwebte. Verstehen muss man das nicht.

Tusk

Es ist noch nicht lange her, da hat Kevin Smith seinen Rückzug vom Filmemachen verkündet. Er hat es sich danach noch einmal überlegt. Nach Sichtung von "Tusk" kann man nur konstatieren: Hätte Smith doch einfach sein Wort gehalten, es wäre besser gewesen.
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