Turning Tide - Zwischen den Wellen

Turning Tide - Zwischen den Wellen

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Zwei Männer und das Meer

Den Kampf eines Einhandseglers gegen die Natur konnte man bereits zu Beginn des Kinojahres in J.C. Chandors All Is Lost verfolgen. Doch während es für den von Robert Redford verkörperten, namenlosen Protagonisten ums Überleben ging, steht in Christophe Offensteins Turning Tide – Zwischen den Wellen zunächst die sportliche Herausforderung im Zentrum – ehe durch das unerwartete Auftauchen eines blinden Passagiers das Zwischenmenschliche in den Mittelpunkt der Geschichte rückt.
Die vierjährlich stattfindende Regatta „Vendée Globe“ führt einmal um den Globus. Da der Segler Frank (Guillaume Canet) aufgrund eines Motorradunfalls außer Gefecht gesetzt ist, tritt kurzerhand dessen Schwager Yann (François Cluzet) an. Yann legt einen erfolgreichen Start hin, muss dann aber wegen eines Schadens am Schiff einen Zwischenstopp an den Kanarischen Inseln machen. Dort schleicht sich der junge Mano (Samy Seghir) heimlich an Bord – er hofft, auf diesem Wege nach Frankreich zu kommen. Als Yann den Teenager bemerkt, möchte er ihn schnellstmöglich wieder loswerden, um einer Disqualifizierung zu entgehen…

Das Regiedebüt des versierten Kameramannes Christophe Offenstein entstand nicht im Studio, sondern tatsächlich auf einem Schiff auf offener See. Dies merkt man dem filmischen Endergebnis in jeder Einstellung an: Die Bilder, die hier erzeugt wurden, sind eindrücklich – Wind und Wetter werden auf eine Weise eingefangen, die die Strapazen eines Skippers spürbar macht. Aber Turning Tide ist (dankenswerterweise) nicht nur die Darstellung eines großen Segelabenteuers. Via Skype ist Yann mit seinem Team in Frankreich verbunden – sowie mit seiner Freundin Marie (Virginie Efira) und seiner Tochter Léa (Dana Prigent). Die Annäherung des Mädchens und der sympathisch-bemühten „neuen Frau“ im Leben der Kleinfamilie bleibt zwar ein recht formelhafter Subplot, wird von den beiden Schauspielerinnen aber angenehm unpathetisch interpretiert.

Der Konfrontation zwischen dem ruppigen Yann und dem verängstigten Mano wird deutlich mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Neben den zahlreichen, nicht immer einfachen Entscheidungen, die eine Weltumseglung mit sich bringt, muss sich Yann plötzlich mit moralischen Fragen auseinandersetzen. Das Drehbuch hätte hierbei (etwa in der Schilderung von Manos Backstory) noch weiter in die Tiefe gehen können – dennoch entfaltet der Konflikt vor allem dank François Cluzet durchaus seine Wirkung. Die Kitschgefahr, die bei Yanns Wandlung vom (über-)ehrgeizigen Sportler zur mitfühlend-engagierten Person besteht, wird von Cluzets unprätentiösem Spiel geschickt aufgefangen; zudem erweist sich Samy Seghir als ausstrahlungsstarker Co-Star. Turning Tide wird so zu einem grundsoliden Film über den Menschen, das Meer – und die Humanität.

Turning Tide - Zwischen den Wellen

Den Kampf eines Einhandseglers gegen die Natur konnte man bereits zu Beginn des Kinojahres in J.C. Chandors „All Is Lost“ verfolgen. Doch während es für den von Robert Redford verkörperten, namenlosen Protagonisten ums Überleben ging, steht in Christophe Offensteins „Turning Tide – Zwischen den Wellen“ zunächst die sportliche Herausforderung im Zentrum – ehe durch das unerwartete Auftauchen eines blinden Passagiers das Zwischenmenschliche in den Mittelpunkt der Geschichte rückt.
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