Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht (2018)

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In den verhängnisvollsten Momenten zu einer Extrem-Ausgabe von „Wahrheit oder Pflicht“ gezwungen zu werden – das ist eine verdammt gruselige und gemeine Ausgangsidee. Aber was macht dieser Film daraus?

Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht (2018)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Partyspiel mit Unsympathen

„Wahrheit oder Pflicht“ ist ein überaus riskantes Spiel: Wählt man „Wahrheit“, kann es passieren, dass man unangenehme, womöglich gar fatale Dinge über sich oder andere preisgeben muss; entscheidet man sich für „Pflicht“, wird man – wenn man mit besonders fiesen Leuten spielt – eventuell zu peinlichen Aktionen, im schlimmsten Fall zu (lebens-)gefährlichen Mutproben genötigt. Das ist grundsätzlich schon mal der pure Horror. Aus diesem Spiel einen Genrefilm zu machen, der all diese Wagnisse, auf die man sich durch die Teilnahme einlässt, auf die Spitze treibt, erscheint deshalb als eine ziemlich clevere Idee.

Zweierlei ist dabei allerdings vonnöten: Zum einen braucht ein solcher Film reizvolle Figuren, deren Wahrheiten uns tatsächlich interessieren und mit denen wir mitfühlen, wenn sie diese offenbaren und sich mit den Konsequenzen davon auseinandersetzen müssen oder wenn gewagte Taten von ihnen verlangt werden; und zum anderen ist eine Inszenierung erforderlich, die sowohl eine innere Spannung in den Momenten der Wahrheit als auch eine äußere Spannung in den Momenten der Pflichterfüllung zu erzeugen vermag.

Dem Werk Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht gelingt dies leider kaum. Das Personal des College-Schockers ist denkbar oberflächlich gezeichnet. Die Protagonistin Olivia (Lucy Hale) ist ein typisches Good Girl, das sich viel lieber ihrer sozialen Arbeit widmen würde, als mit ihrer Clique nach Mexiko zu fahren, um dort den Spring Break zu feiern. Von ihrer besten Freundin Markie (Violett Beane) wird sie dennoch dazu überredet. Die langjährige Freundschaft zwischen Olivia und Markie soll – wie sich im Laufe der Geschehnisse zeigt – der emotionale Kern der Geschichte sein, bleibt indes bis zuletzt eine bloße Behauptung, da sich die enge Bande zwischen den beiden jungen Frauen weder in der Figurengestaltung noch im blassen Zusammenspiel der Darstellerinnen wirklich vermittelt. Was die beiden unter anderem verbindet, ist ein tragischer Vorfall in Markies familiärer Vergangenheit, der jedoch zu keinem Zeitpunkt mit der nötigen Tiefe behandelt wird.

Markie ist mit ihrem Kommilitonen Lucas (Tyler Posey) zusammen, betrügt ihn aber immer wieder und merkt nicht, dass Olivia schwer in ihn verknallt ist. Auch diese soapige Konstellation bringt keine (be-)zwingende Dramatik mit sich – ebenso wenig wie die Laster und Lügen der meisten übrigen, unsympathischen Mitreisenden: Penelope (Sophia Ali) trinkt zu viel, Tyson (Nolan Gerard Funk) macht Geld mit illegalen Rezepten und der später hinzustoßende Ronnie (Sam Lerner) ist ein aufdringlicher Sexist. Die einzige einnehmende und gut gespielte Figur ist Brad (Hayden Szeto) – Sohn eines Polizisten (Tom Choi), der sich gegenüber seinem Vater noch nicht als schwul geoutet hat.

Am letzten Abend des Mexiko-Trips lässt sich die Gruppe – aus mäßig nachvollziehbaren Gründen – von Olivias Zufallsbekanntschaft Carter (Landon Liboiron) in eine alte, verlassene Kirche führen und zu einer Runde „Wahrheit oder Pflicht“ hinreißen. Bald erklärt ihnen Carter, dass er all das geplant habe, um sie in „das Spiel“ zu integrieren. Er rät Olivia, fortan (egal wo, egal wann) immer mitzuspielen, wenn sie dazu aufgefordert werde – da alles andere den schnellen Tod bedeute. Zurück am College, wird Olivia überall von der Frage „Wahrheit oder Pflicht“ verfolgt – eingeritzt in einen Tisch und in ihre Autotür oder auf die Rückseite eines Flyers geschrieben. Als die Menschen in ihrem Umfeld sie mit verzerrten Gesichtern zum Spielen nötigen, lässt sie sich schließlich darauf ein. Diejenigen in ihrer Clique, die es nicht tun, sterben hingegen einen gewaltsamen Tod, woraufhin die Verbliebenen erneut an der Reihe sind.

Das Drehbuch von Jillian Jacobs, Michael Reisz, Christopher Roach und Jeff Wadlow entfacht durchaus einige Situationen, in denen das „Wahrheit oder Pflicht“-Konzept spannend sein könnte: So hat Tyson etwa ein wichtiges Vorstellungsgespräch (welch ungünstiger Augenblick für die reine Wahrheit!) und Penelope muss im betrunkenen Zustand auf das Hausdach steigen. Da einem die Figuren aber herzlich egal sind, bleibt ein Mitfiebern aus – zumal Regisseur Jeff Wadlow, der 2005 mit Cry Wolf schon einen in mancher Hinsicht ähnlichen Film (mit-)schrieb und inszenierte, die meisten Momente ohne Raffinesse umsetzt. Die wiederkehrenden Grimassen der Fragenden, die – wie es an einer Stelle vielleicht sogar selbstironisch heißt – wie ein „schlechter Snapchat-Filter“ anmuten, verlieren rasch ihren Schrecken. Wenn sich Leichen im Krankenhaus erheben oder Schusswaffen und andere Gegenstände zum Einsatz kommen, führt das zu einigen jump scares; in erster Linie ist es aber der lärmende Score, mit dem hier versucht wird, Aufregung entstehen zu lassen.

„Das Spiel ist schlau“, meint Olivia in einer Szene; vielmehr ist es jedoch so, dass Olivia und die anderen es „dem Spiel“ (hinter welchem sich ein Dämon verbirgt) durch ihr törichtes Verhalten allzu leicht machen. Abgesehen von einer Passage zwischen Brad und dessen Vater, die tatsächlich Tragik und Wucht besitzt, sowie der recht mutigen Entscheidung, ganz am Ende einen moralisch extrem ambivalenten Weg zu gehen, schwankt dieser Film zwischen völlig langweiligen Wahrheiten („In wen bist du wirklich verliebt?“) und enttäuschend schwach präsentierten Pflichtausübungen, die uns nicht zum emotionalen Mitvollzug einladen. Dieses Werk zu schauen ist ein bisschen so wie mit Leuten abzuhängen, die man eigentlich nicht mag. Und mal ehrlich: Wer will das schon?

Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht (2018)

Ein Studentin wird auf einer Reise nach Mexiko zu einer übernatürlichen Version von "Truth or Dare" (Wahrheit oder Pflicht) verführt. Nach ihrer Rückkehr in die USA wird sie von übernatürlichen Kräften verfolgt, die mit ihr und ihren Freunden üble Dinge anstellen.

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Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht von Jeff Wadlow
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Truth or Dare von Jeff Wadlow - Filmplakat (US)
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Sterne
Anzahl
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4 Sterne88
3 Sterne51
2 Sterne22
1 Stern32
Titel
Blumhouse präsentiert: Wahrheit oder Pflicht (2018)
Partyspiel mit Unsympathen
Originaltitel
Truth or Dare
Startdatum
FSK
16
Regie
Genre

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
100 Min
DVD
Veröffentlichung
Spielzeit DVD
96 Min
Bildformat
2.39:1
Sprache(n) & Ton
Deutsch, Englisch, Spanisch
Extras

Making Of, Die Inszenierung der Tode, Filmkommentare

Blu-Ray
VoD & Streaming
TV

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