Tracers

Tracers

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Ja wo laufen sie denn?

Zuerst denkt man, Tracers würde sich lediglich an Premium Rush orientieren, dann merkt man, dass die rasanten Radsequenzen nur Mittel zum Zweck sind. Tatsächlich wird ein Parcours-Film geboten. Das wäre per se schon in Ordnung, aber bei all der Liebe zum Detail und dem Versuch, zu Tode choreographierte Action zu bieten, bleibt die Geschichte auf der Strecke.
Cam (Taylor Lautner) ist ein Fahrradkurier. Er lebt in einer miesen Absteige, er bastelt an einem alten Auto herum und er schuldet der chinesischen Mafia Geld. Als er die Parcours-Läuferin Nicki (Marie Avgeropoulos) kennenlernt, beginnt er mit dem Parcours-Training. Er wird von Nickis Leuten aufgenommen, und als Cam schließlich ganz am Ende ist, schließt er sich ihnen auch bei ihrer eher illegalen Beschäftigung an: Die Parcours-Läufer besorgen oder lassen verschwinden, was Auftraggeber mit dem nötigen Kleingeld aus der Welt schaffen wollen.

Die eigentliche Geschichte beginnt erst nach einer geschlagenen halben Stunde. Zu dem Zeitpunkt hat man bereits jegliches Interesse an diesem wirren Film verloren, der selbst nie richtig weiß, was er eigentlich sein will. Mal setzt er auf die Romanze der beiden Hauptfiguren, dann stehen wieder die Kredithaie im Vordergrund, und dazwischen geht es um die illegalen Aktivitäten der Parcours-Läufer. Eine klare Linie verfolgt Tracers nie, er wirkt, als hätten die Autoren sich von Tag zu Tag neu entscheiden müssen, was sie eigentlich erzählen wollen. Das Ergebnis ist entsprechend holprig. Ganz im Gegensatz zur fast schon geschleckten Action.

Die Parcours-Einlagen sind hübsch anzusehen – in den ersten paar Minuten. Sie werden aber sehr schnell repetitiv, so dass man nicht mehr mitgerissen wird, sondern sich stattdessen fragt, ob eine etwas gröbere, authentischere Inszenierung nicht vorteilhafter gewesen wäre. So wirkt das Ganze, als ob man einem Werbeclip oder Musikvideo zusehen würde.

Für Taylor Lautner sollte Tracers das Comeback werden, nachdem der erste Solofilm Atemlos im Kielwasser der Twilight-Reihe sang- und klanglos untergegangen ist. Dieser auf Teenie-Publikum zugespitzte Film ist jedoch nicht der Heilsbringer, den er für seine Karriere benötigt hätte. Dabei macht gerade Lautner bei den zahllosen Actioneinlagen eine ziemlich gute Figur. Im Grunde ist er besser, als es der Film verdient hat, weil er es sogar schafft, seine Rolle ein klein bisschen differenziert anzulegen.

Aber das rettet Tracers auch nicht. Die Handlung ist, nachdem sie endlich mal begonnen hat, sehr vorhersehbar, die Action wiederholt sich ständig und der Thrill ist allenfalls dann vorhanden, wenn man bislang unter einem Stein gelebt und bislang keinen Film gesehen hat. Die Figuren sind Klischees, sie handeln nicht logisch, sondern nach dem, was die wirre Story gerade erfordert. Der Film springt von Plot-Element zu Plot-Element, ohne je eine richtige Linie aufbauen zu können. Er fängt langsam an, er ist im Mittelteil halbwegs flott, endet dann aber so langatmig wie er begonnen hat. Kurz gesagt: Filmisches Fast Food für die Tonne, an dem selbst Parcour-Fans verzweifeln werden.

Tracers

Zuerst denkt man, "Tracers" würde sich lediglich an "Premium Rush" orientieren, dann merkt man, dass die rasanten Radsequenzen nur Mittel zum Zweck sind. Tatsächlich wird ein Parcours-Film geboten. Das wäre per se schon in Ordnung, aber bei all der Liebe zum Detail und dem Versuch, zu Tode choreographierte Action zu bieten, bleibt die Geschichte auf der Strecke.
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