Tootsie

Tootsie

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Sonntag, 25. März 2012, ARTE, 20:15 Uhr

Vor dreißig Jahren entstand diese quirlige Komödie um Geschlechterrollen und das Schauspielerdasein, die neben zahlreichen weiteren Nominierungen und Auszeichnungen für zehn Oscars ins Rennen ging und letztlich einen für Jessica Lange als Beste Nebendarstellerin erringen konnte: Tootsie – auf deutsch soviel wie „Schätzchen“ – mit Dustin Hoffman in einer Doppelrolle als gemiedener männlicher Schauspieler und schließlich weiblicher Shooting-Star in einer Seifenoper für das Fernsehen, der sich in dieser Konstellation auf äußerst charmante Art gewaltige Publikums-Sympathien erspielt hat.
Er ist talentiert, vielseitig engagiert und nimmt gerade einfach alles, was er kriegen kann: Der Schauspieler Michael Dorsey (Dustin Hoffman) muss sich von seinem Agenten George (Sidney Pollack) sagen lassen, dass ihm auf Grund seiner massiven Starrköpfigkeit schlichtweg niemand eine Rolle geben will, nicht einmal mehr für einen drittklassigen Werbespot. Zwar hat sein Mitbewohner Jeff (Bill Murray) ein anspruchsvolles Stück am Start, in dem Michael würdig zum Einsatz kommen soll, doch fehlen dafür noch die notwendigen Mittel. Als er seine Freundin Sandy (Teri Garr) zu einem Vorsprechen für eine populäre Fernsehserie begleitet, springt Michael der Gedanke an, es und sich doch selbst einmal als Frau zu versuchen.

Aus Michael Dorsey wird die energisch-sanfte Dorothy Michaels, die auch prompt als ungewöhnlicher Frauen-Typ engagiert wird. Doch Michael wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch hier versuchen würde, seine eigenen Ideen durchzusetzen, was ihm dieses Mal allerdings ein begeistertes Publikum beschert – Dorothy wird ein Star, was Michael jedoch in einige Konflikte stürzt, zumal er sich in seine aparte Kollegin Julie (Jessica Lange) verliebt hat, für die er gerade zu einer guten, älteren Freundin avanciert. Als sich jedoch deren Vater Les (Charles Durning) eindeutig für Dorothy als „Frau“ zu interessieren beginnt, wird die Situation so richtig brenzlig …

Könnte man dies auch für Komödien in ihrem Wesen behaupten, ließe sich Tootsie schlichtweg als eine solche beschreiben, die zwar einfach gestrickt sei, aber das „Herz auf dem rechten Fleck“ habe. Regisseur Sidney Pollack, der überwiegend für seine spannenden oder eher tragischen Filme wie Die drei Tage des Condor / Three Days of the Condor oder Jenseits von Afrika / Out of Africa bekannt ist, hat hier nach dem Drehbuch von Larry Gelbart und Murray Schisgal ein Lustspiel wie aus einem Guss inszeniert, dessen Darsteller bis ins Detail hinein ihre gute Stimmung verbreiten und das kurze Auftritte von Gast-Stars wie John Carpenter und Andy Warhol in die lebhaft-dynamische Dramaturgie verwebt, die von atmosphärisch tragender Musik flankiert wird. Über die kalkulierbaren Aspekte einer sorgfältigen Planung und Gestaltung hinaus zeugt Tootsie von einem glücklichen Gelingen, das im Zusammenwirken aller Komponenten zu einem harmonischen Stück Kino geraten ist. Das ist leichte, fröhliche Unterhaltung im besten Sinne dieser Kategorie, verbunden mit sanfter Ironie und unspektakulärer Romantik – ein wahrer Wohlfühlfilm, der heute noch ebenso zuverlässig funktioniert wie vor dreißig Jahren.

Tootsie

Vor dreißig Jahren entstand diese quirlige Komödie um Geschlechterrollen und das Schauspielerdasein, die neben zahlreichen weiteren Nominierungen und Auszeichnungen für zehn Oscars ins Rennen ging und letztlich einen für Jessica Lange als Beste Nebendarstellerin erringen konnte:
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