Tokyo Zombie

Tokyo Zombie

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Verrückte Welt

Tokyo Zombie ist eine völlig abgefahrene Zombie-Komödie, die sich nicht im Mindesten ernst nimmt und reichlich große Vorbilder von Romero bis Tarantino zitiert. Sakichi Satos Film bietet nicht nur ein ordentliches Maß an Blutzoll, wie es sich für einen Film mit dem Wort „Zombie“ im Titel gehört, sondern auch Slapstick und teils groteske Situationskomik.
Fujio und der beinahe glatzköpfige Mitsuo arbeiten in einer Feuerlöscherfabrik und trainieren in jeder freien Minute Ju-Jitsu. Bei einer ihrer „Trainingseinheiten“ taucht ihr Chef auf und demütigt Mitsuo. Fujio kann nicht anders und zieht dem Boss einen Feuerlöscher über den Schädel, woraufhin dieser tot zusammenbricht. Die einzige Sorge, die die beiden Spezialisten jetzt haben ist; wohin mit der Leiche? Doch auch dieses Problem ist kein wirkliches, denn in Tokyo hat sich über die Jahre ein gewaltiger Müllberg angesammelt, der so genannte „Black Fuji“. Doch Fujio und Mitsuo sind nicht die einzigen, die dort ihre Toten vergraben: In bester Simpsons-Tradition verscharren hier die Bürger Tokyos ihre nervenden Schwiegermütter, Kinder und Kühlschränke. Es dauert nicht lange, bis sich die ersten Toten aus ihren Müllgräbern erheben und auf die Stadt zuwanken. Von dort ist es nicht mehr weit her, um die gesamte Welt zu überfluten. Und unsere beiden Helden sind die einzigen, die sich mit der geballten Ju-Jitsu-Power gegen die Untoten erwehren können…

Tokyo Zombie ist wirklich ein absolut schräges Stück Kino. Derbster Humor, wie zum Beispiel ein Kinderschänder, der sein junges Opfer loswerden will, wechselt sich mit Zombies ab, die ihr Gebiss verlieren. Auch gibt es Untote, die Karate können oder sich mit dem Japan typischen, erfurchtsvollen Nicken entschuldigen, wenn sie ihresgleichen beißen wollten. Irritierend sind vielleicht die langsame Erzählweise und langen Einstellungen, die das Tempo, dass die Geschichte vorlegt, nicht halten können. Ob das ein Kunstkniff sein soll, oder ob aus Zeitgründen keine Gegenschnitte gedreht wurden, lässt sich nicht sagen. Auch wird oft recht spät geschnitten. Nach einer Weile gewöhnt man sich jedoch daran.

Die anfangs erwähnten Reminiszenzen an bekannte Vorbilder, treten besonders deutlich in der zweiten Hälfte von Tokyo Zombie zu Tage. Wird in der Filmmitte ein Manga-Comic mäßiger Bruch gemacht (siehe Kill Bill), um in den fünf Jahre späteren Teil zu gelangen, spielt die nun folgende Handlung in einer abgeschirmten „Stadt in der Stadt“. Wie in Romeros Land Of The Dead hat man sich mit der Zombieepidemie arrangiert und lebt in einer Zweiklassengesellschaft. Die Reichen lassen die Armen in Arenen gegen Zombies antreten. Das kann sehr blutig sein, in jedem Fall aber reichlich komisch. Wie Fujio seine schlurfenden Gegner mit Ju-Jitsu umnietet ist schon eine Klasse für sich. Und wenn am Ende der „Black Fuji“ ausbricht und rosa Herzen statt Lava speit, kann man sicher sein: Auch wenn die Welt von blutrünstigen Zombies überrollt wird – die Liebe wird immer triumphieren.

Die DVD kommt in einem sehr hübschen Digipack daher, bietet ausführliche und informative Interviews und ein liebevolles Making Of. Das Cover ist jetzt schon ein Klassiker.

Tokyo Zombie

Tokyo Zombie ist eine völlig abgefahrene Zombie-Komödie, die sich nicht im Mindesten ernst nimmt und reichlich große Vorbilder von Romero bis Tarantino zitiert.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

Sakichi Sato