Todesstille

Todesstille

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Montag, 11. August 2014, MDR, 23:40 Uhr

Um mit dem gewaltigen Kummer zurecht zu kommen, der sie seit dem Tod ihres Sohnes umklammert hält, wählen der australische Marine-Offizier John Ingram (Sam Neill) und seine Frau Rae (Nicole Kidman), die am Steuer des verhängnisvollen Unfallwagens saß, die weite Abgeschiedenheit des Pazifiks. Mit seiner Segelyacht begibt sich das trauernde Paar auf unbestimmte Zeit auf das endlos und einsam erscheinende Meer hinaus, um Abstand, Ruhe und möglicherweise auch ein wenig Trost in ihrer verloren wirkenden Zweisamkeit zu finden. Die Tage und Wochen vergehen geruhsam nach den Rhythmen des Meeres, und es ist allenfalls der Wind, der für ein wenig Bewegung sorgt.
Eines Tages jedoch sichten John und Rae einen Schoner, der offensichtlich willkürlich in den Wellen treibt. An Bord befindet sich der erschöpfte Hughie (Billy Zane), der berichtet, der einzige Überlebende einer Schiffsbesatzung zu sein, die an Lebensmittelvergiftungen dahingerafft wurde. Misstrauisch überprüft John die Lage auf dem Schoner, lässt den schlafenden Hughie jedoch fatalerweise mit seiner Frau allein auf der Yacht zurück. Es kommt, wie es kommen muss: Hughie überwältigt Rae und verhindert, dass John wieder an Bord kommen kann, der inzwischen entdeckt hat, dass sich auf dem Boot weniger eine Vergiftung als vielmehr blutige Morde ereignet haben. Und so bahnt sich auf dem Ozean ein zäher Kampf zwischen einer hilflos erscheinenden Frau und einem brutalen Mörder ab, verfolgt vom verzweifelten Ehemann, der ständig Gefahr läuft, mit seinem Boot zu sinken. Sich ihrer körperlichen Schwäche nur allzu bewusst, setzt Rae schließlich ganz andere Waffen ein, um Hughie zu beherrschen, doch dieser ist permanent auf der Hut und lässt sich trotz intimer Annäherungen nicht so leicht austricksen ...

In einem absolut überschaubaren Szenario vor der Kulisse des mächtigen Meeres ereignet sich in Todesstille von Phillip Noyce aus dem Jahre 1989 ein Kammerspiel der Hochspannung, das atmosphärisch nicht zuletzt durch die eingängige Musik des Neuseeländers Graeme Revell angeheizt wird und durch die intensiven Bilder von Kameramann Dean Semler getragen wird, der wenig später für Der mit dem Wolf tanzt / Dancing with Wolves (1990) für die Beste Kameraarbeit mit einem Academy Award ausgezeichnet wurde. Todesstille lebt von seiner schlichten Geschichte mit der Konzentration auf dem Schrecken und Grauen, das Rae und John hier erleben müssen. Allen Widrigkeiten zum Trotz finden beide den Mut, für ihr eigenes und das Überleben des Partners zu kämpfen, und auf diese Weise bricht die Starre der Trauer auf, in der beide gefangen waren. Doch wirbt dieser Thriller keineswegs für eine Krise als Kampf gegen eine Krise, sondern beschränkt sich glücklicherweise darauf, sein Publikum packend zu unterhalten.

Todesstille

Um mit dem gewaltigen Kummer zurecht zu kommen, der sie seit dem Tod ihres Sohnes umklammert hält, wählen der australische Marine-Offizier John Ingram (Sam Neill) und seine Frau Rae (Nicole Kidman), die am Steuer des verhängnisvollen Unfallwagens saß, die weite Abgeschiedenheit des Pazifiks.
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