Tickets - Berlinale Wettbewerb 2005 - Außer Konkurrenz

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Eine Zugfahrt, die ist lustig

Drei Heroen des Arthouse-Films haben sich hier zusammen getan, um einen Episodenfilm über Europa zu drehen - Ermanno Olmi (Der Medici-Krieger), Abbas Kiarostami (Der Geschmack der Kirsche) und Ken Loach (Ae Fond Kiss). Besonders Olmi und Kiarostami sind für ihre ernsten, sinnbeladenen und bedächtigen Werke bekannt und so wundert es nicht, dass Tickets ein ernster, sinnbeladener und bedächtiger Film geworden ist – so ernst, sinnbeladen und bedächtig, dass der geneigte Zuschauer fortwährend den unbändigen Drang verspürt schreiend vor Langeweile aus dem Kino zu rennen. Doch die dritte Episode des Films besänftigt die mittlerweile arg geschundene Kritikerseele wieder. Denn dieser Teil, für den sich Ken Loach verantwortlich zeichnet, schafft es mit seinem Espirit, Humor und Schwung endlich, dem Film das dringend notwendige Leben einzuhauchen und so den Zuschauer zu versöhnen.
Ganz neu ist die Idee nicht eine Zugfahrt als Metapher für Veränderung zu wählen. Der fokale Punkt des Films ist eine albanische Familie, die sich auf der Fahrt nach Rom befindet und deren Weg sich mit dem der anderen Protagonisten kreuzt. Doch zunächst beginnt der Streifen mit einem älteren Herrn, der sich vorstellt mit einer jüngeren PR-Dame (schön anzusehen: Valeria Bruni-Tedeschi) abzuhauen und sein Leben zu verändern. Ähnlich spannend wie diese Altmännerfantasie ist Kiarostamis Part über einen gepeinigten Sozialarbeiter (Fillipo Trojano), der ein wahres Ungeheuer von einem Weib begleiten muss und darüber zu sich selbst findet. Schon erstaunlich, dass der schmerzhafte Kontakt mit Zugabteilwänden der Selbstfindung dienen kann. Doch gab es nicht schon im Mittelalter Flagellanten, die die Geißelung als Weg zum Seelenheil betrachteten? Ähnlich geschunden fühlt sich mittlerweile der Zuschauer, bis er endlich von Ken Loach erlöst wird. Seine Episode über drei Celtic Glasgow Fans auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel ihres Vereins in Rom, die den Sohn der albanischen Familie verdächtigen, ihre Fahrkarte geklaut zu haben, zeigt, wie der gesamte Film eigentlich hätte ausfallen können.

Wie man einen Episodenfilm über das zusammenwachsende Europa macht, das zeigte gerade auf dieser Berlinale Hannes Stöhr mit One Day in Europe. Es sind eben nicht immer die klangvollen Namen, die einem Festival die guten Filme bescheren.

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Drei Heroen des Arthouse-Films haben sich hier zusammen getan, um einen Episodenfilm über Europa zu drehen.
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Meinungen
thomasluett · 04.01.2007

Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen und fand ihn ganz wunderbar - von Langeweile keine Spur.

Kommentare

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