Thérèse

Thérèse

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Kein gutes Ende

Das hatten sich die Macher des Filmfestivals von Cannes 2012 sicher anders vorgestellt, als sie Thérèse als Abschlussfilm auswählten - zumal der überaus renommierte Regisseur Claude Miller knapp eineinhalb Monate zuvor am 4. April 2012 im Alter von 70 Jahren verstorben war. Was für ein Schlusspunkt hätte dieser Film also sein können – zumal der Stoff zu den großen französischen Romanen der 1920er Jahre zählt. Thérèse Desqueyroux aus der Feder François Mauriacs eroberte die Herzen vieler Leser mit ihrer einfühlsamen und gleichsam messerscharfen Analyse des unterdrückten Daseins einer intelligenten Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich. Zwar bleibt der Film nah am Buch, doch er vermag es aber nicht, der Geschichte Leben und Esprit einzuhauchen.
Zurück zu Audrey Tautou: Auf ihr liegt die emotionale Last des Films, ihre Aufgabe ist es, ihn zu tragen. Sie spielt die tragische Titelheldin, eine Frau voller Geist und Intelligenz, deren Ideen aus den unzähligen Büchern entspringen, die sie liest. Sie will frei sein, selbst bestimmen können, doch das Schicksal meint es anders mit ihr. Thérèse kommt aus reichem Hause irgendwo auf dem Land nahe Bordeaux, wo Ehen arrangiert werden, denn es geht hier vor allem um eins: mehr Geld und mehr Ländereien. So wird sie alsbald und viel zu jung mit einem Mann verheiratet, der gerne jagt und trinkt und am liebsten nicht nachdenkt. Mehr und mehr verkommt sie zum Hausmütterchen. Was folgt ist eine Flucht nach innen, ein langsames Verstummen, bis Thérèse droht, an dieser lieblosen Ehe zu ersticken. Bis sie eines Tages zu drastischen Mitteln greift und versucht, sich per Arsen die Freiheit von ihrer Ehe zu erkämpfen.

Klassisch wie die literarische Vorlage selbst, ist auch Claude Millers filmische Interpretation des Romans geraten. Thérèse ist ein stiller Kostümfilm, der eigentlich ein Melodram sein soll, das das stille Leiden seiner Heldin begleitet. Leider aber begleiten wir Audrey Tautou vor allem dabei, wie sie durch die zugegebenermaßen aparte Landschaft läuft und traurig guckt. Kein Glanz, keine Ausstrahlung, kein Quäntchen Emotionen oder Tiefe vermag sie zu vermitteln. Wie ein Störfaktor schlafwandelt sie durch die erlesenen Bilder. Leider gibt es auch in den Nebenrollen niemanden, der dieser Geschichte ein wenig Schwung oder gar Gefühl einhaucht.

Noch nie hat einen Audrey Tautou so gelangweilt und genervt wie in Claude Millers letztem Film. Denn irgendwann nach spätestens 70 der insgesamt 110 Minuten Laufzeit verspürt man nicht übel Lust, ihr einen Klaps zu verpassen, dass ihr rehäugiges Antlitz wenigstens einmal im Verlauf der Handlung einen anderen Ausdruck annimmt. Und so beginnt der Film ebenso wie seine Protagonistin schnell zu langweilen. Die Bilder sind glatt und wohlbekannt, die Geschichte verkommt, da die Charaktere und ihr Schicksal keinerlei Empathie im Zuschauer zu erwecken vermögen. Es sagt viel aus, wenn man im letzten Bild Audrey Tautou mit dem nahezu gleichen Gesichtsausdruck, dieses Mal aber immerhin mit einem leichten Lächeln um die Mundwinkel, durch die Straßen von Paris laufen sieht - und eine Komparsin im Hintergrund ihr mit ihrer Ausstrahlung glatt die Show stiehlt. Sehr schade!

Thérèse

Das hatten sich die Macher des Filmfestivals von Cannes 2012 sicher anders vorgestellt, als sie "Thérèse" als Abschlussfilm auswählten - zumal der überaus renommierte Regisseur Claude Miller knapp eineinhalb Monate zuvor am 4. April 2012 im Alter von 70 Jahren verstorben war. Was für ein Schlusspunkt hätte dieser Film also sein können – zumal der Stoff zu den großen französischen Romanen der 1920er Jahre zählt.
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