Therapie für einen Vampir

Therapie für einen Vampir

Eine Filmkritik von Harald Mühlbeyer

Blutsauger und Seelenklempner

Um Projektionen gehe es, sagt Regisseur David Ruehm: Wie ist es für einen Vampir, der sich nicht im Spiegel sehen kann, wie empfindet er sich selbst? Und: Was projiziert man in einer Beziehung auf den Partner?
Klar, dass zu diesen Fragen Sigmund Freud zurate gezogen werden muss. Weshalb sich eines Tages Graf Geza von Közsnöm einfindet und auf die Couch legt – wobei, eher schwebt er darüber. Die Jahrhunderte sind nicht spurlos an seiner Seele vorbeigegangen, insbesondere seine Frau schafft ihn: Die er zu hassen gelernt hat mit ihrer ewigen Suche nach dem eigenen Bild, das sich langsam aus ihrem Gedächtnis entfernt hat.

Der Graf, das ist Tobias Moretti, ein Gentleman, der sich des nachts gelegentlich einen Flachmann frischgezapften Blutes genehmigt; seine Frau, Jeanette Hain, hat in ihrer Weltwut handfestere Methode, zerreißt ihre Opfer und trinkt direkt aus dem Herzen. Schöne Horrorfilm-Gags baut David Ruehm ein, von dem bedrohlich an der Hauswand hängenden Vampir über die Silhouette der Gestaltwandlerin, die sich in einen Wolf verwandelt, bis hin zum grausligen Festmahl inklusive pumpendem Herzmuskel, der auf der Straße liegt. Und das Blutzapfen, das des Grafen Gehilfe Radul erledigt, von Blechtrommler David Bennent in der Nachfolge des Frankenstein-Gehilfen Igor gespielt.

Nun verspricht der Titel etwas viel. Dracula meets Freud: Das macht recht wenig aus im Ganzen, vielmehr ist der Film eine Beziehungskomödie mit Gruselfaktor. Denn da ist der junge Maler Viktor, der seine Lucy so sehr liebt, dass er sie in all seine Gemälde einbaut; sie wiederum hat es satt, von Viktor immer als Modell für die bildgewordenen Wunscherfüllungen zu dienen. Für den Grafen ist Lucy wiederum die Wiedergängerin seiner vor Jahrhunderten verblichenen Geliebten, Zielobjekt seines Begehrens, die er zu Vollmond zu seiner Vampirgefährtin machen möchte. Und die Gräfin erwartet, dass Viktor endlich das Porträt von ihr malt, das sie in ihrer ganzen Schönheit zeigt. Freud im Hintergrund ist der, der ein bisschen Ordnung ins Kuddelmuddel der Gefühle und des Begehrens zu bringen versucht.

Nicht ganz ausgewogen wirkt der Film, der zwischen screwballhaften Kabbeleien, Horror, Psychologie und Slapstick-Situationskomik feststeckt. Der auch mitunter etwas plump wirkt, dramaturgisch wie thematisch, indem etwas redundant die Geschichte vom Wunsch, den Partner zu verändern, durchbearbeitet wird. Und zugleich etwas unverbunden wirkt die Handlung, in der sich dann wieder unversehens Gags finden, die freilich effektiv inszeniert und eingesetzt sind.

Als eine Art Enzyklopädie vampirischer Mythologie aber schafft der Film Herausragendes. Von Blutdurst bis Zählzwang (nein, das ist nicht nur eine Reminiszenz an Graf Zahl aus der Sesamstraße!) geht Ruehm lustvoll die Palette durch von dem Abbild, das wir uns in unserer Mediengeschichte vom fledermäusischen Untoten machen.

Therapie für einen Vampir

Um Projektionen gehe es, sagt Regisseur David Ruehm: Wie ist es für einen Vampir, der sich nicht im Spiegel sehen kann, wie empfindet er sich selbst? Und: Was projiziert man in einer Beziehung auf den Partner?
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