Themba

Themba

Eine Filmkritik von Silvy Pommerenke

Der große Traum von Bafana Bafana

Eigentlich kommt dieser Film vier Wochen zu spät in die Kinos, denn kaum ein anderes cineastisches Ereignis hätte besser zur WM in Afrika gepasst: Der elfjährige Themba träumt von der großen Fußballkarriere bei Bafana Bafana, die ihn aus der Armut seines kleinen Dorfes am Ostkap entführen soll. Ein Fußballtrainer (kein Geringerer als Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann) ist ihm dabei behilflich, und Themba verliert auch dann nicht seinen Idealismus, als er von seiner HIV-Infizierung erfährt ...
Themba (Junior Singo) ist Fußballnarr durch und durch und bolzt mit seinem besten Freund Sipho bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bietet. Dass sie keine Schuhe haben und der Fußball kaum noch als solcher zu erkennen ist, hindert sie nicht daran, dem großen Traum einer Fußballkarriere nachzuhängen. Wenn dieser Traum wahr werden würde, dann könnten er, seine jüngere Schwester Nomtha und seine Mutter Mandisa (Simphiwe Dana) die traditionelle Rundhütte im Südosten Südafrikas verlassen und im Wohlstand leben. Noch ist es aber nur ein Traum, und die spärlichen Einkünfte der Mutter reichen gerade so zum Überleben. Der Vater gilt als verschollen, und als eines Tages Luthando (Patrick Mofokeng) auftaucht, der sich als Verwandter ausgibt, wird er kurzerhand in das Familienleben integriert. Doch Luthando erweist sich bald als nichtsnutziger und alkoholsüchtiger Stiefvater. Zu allem Überfluss verliert Mandisa ihren Job als Feldarbeiterin und muss für eine Arbeit nach Kapstadt gehen. Anfangs kommen noch regelmäßig Briefe und Geld von ihr, aber die bleiben bald aus. Themba und Nomtha machen sich große Sorgen um ihre Mutter, und als sich eines Nachts Luthando an Nomtha vergreifen will, kann Themba im entscheidenden Moment zwar eingreifen, wird aber selbst von Luthando vergewaltigt. Noch in der gleichen Nacht fliehen die Geschwister Richtung Kapstadt, um der bedrückenden Enge der Rundhütte zu entkommen und um ihre Mutter zu suchen. Die finden sie auch, allerdings völlig apathisch und todkrank in einer schmutzigen Hütte am Rande eines Townships, wo sie von den Anwohnern wie die Pest gemieden wird: Mit jemandem, der mit HIV infiziert ist, will hier niemand etwas zu tun haben. Wie durch ein Wunder kann Mandisa gerettet werden, und Themba wird bald darauf wegen seiner fußballerischen Begabung in die All Star Academy aufgenommen und kann für die U-20 Mannschaft von Südafrika spielen. Als Themba jedoch erfährt, dass sich Mandisa durch Luthando infiziert und auch ihn das Virus befallen hat, behält Themba seinen Kampfgeist. Auf einer Pressekonferenz der U-20 erklärt er: "Ich bin HIV positiv und ich weigere mich, mich dafür zu schämen. Ich wurde vergewaltigt und ich möchte mich nicht dafür schämen, dass es mich umbringen kann!"

In dieser Literaturverfilmung nach Lutz van Dijks gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2008 ist neben Jens Lehmann, der die Rolle des Fußballtrainers John Jacobs übernimmt, die international gefeierte Sängerin Simphiwe Dana als Mutter Thembas zu sehen. Der Film weist noch einige andere Schauspielergrößen Südafrikas auf und hat somit eine Starbesetzung, die sowohl Fußballanhänger als auch Musik- und Filmfans von Afrika und Europa in die Kinosäle locken dürften.

Dass mit Themba nicht nur der gewöhnliche Traum eines Jungen nach einer Fußballerkarriere gezeigt wird, versteht sich von selbst, denn dafür hat dieser Wunsch in Südafrika eine besonders existenzielle Bedeutung. Dies wird nicht nur dadurch verdeutlicht, dass die Kinder keine Turnschuhe - geschweige denn Fußballschuhe - tragen, sondern dass ein geregeltes Einkommen für den überwiegenden Teil der schwarzen Bevölkerung nicht existiert und die Infektion mit dem HI-Virus einem baldigen Todesurteil gleichkommt. Nahezu zwanzig Prozent der südafrikanischen Bevölkerung sind von dem Virus betroffen, von daher ist dieser Film unglaublich wichtig. Er könnte es schaffen, eine größere Öffentlichkeit zu erreichen, um dadurch Vorurteile abzubauen und dringend notwendige medizinische Hilfe einzuleiten. Die guten Absichten von Themba helfen von daher auch über einige Schwächen des Films hinweg, und das Fußballmärchen, das sich für den Jungen vor der fantastischen Kulisse der südafrikanischen Küste erfüllt, lässt manchmal auch die Dramatik des Themas vergessen.

Themba

Eigentlich kommt dieser Film vier Wochen zu spät in die Kinos, denn kaum ein anderes cineastisches Ereignis hätte besser zur WM in Afrika gepasst: Der elfjährige Themba träumt von der großen Fußballkarriere bei Bafana Bafana, die ihn aus der Armut seines kleinen Dorfes am Ostkap entführen soll. Ein Fußballtrainer (kein Geringerer als Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann) ist ihm dabei behilflich, und Themba verliert auch dann nicht seinen Idealismus, als er von seiner HIV-Infizierung erfährt.
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Meinungen
Hannelore Helbig · 06.09.2010

Der Fim ist sehr sehenswert, er zeigt Afrika von nicht nur schlechten, sondern auch guten Seiten.

Kommentare

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