The Voices

The Voices

Eine Filmkritik von Falk Straub

Hund, Katze, Graus

Kann Ryan Reynolds mehr als nur gut aussehen? Er kann! Nachdem der Kanadier sein schauspielerisches Talent bereits 2010 in Buried – Lebend begraben unter Beweis gestellt hat, begibt er sich in Marjane Satrapis The Voices erneut in die Abgründe der menschlichen Seele.
In Marjane Satrapis Welt ist das Lachen nur einen Atemzug entfernt. Oft bleibt es dem Betrachter im Halse stecken. Egal wie düster die Ereignisse auch sein mögen, von denen die gebürtige Iranerin erzählt, Satrapis Geschichten haben sich ihren Humor bewahrt – und setzen ihn als Waffe ein. Visueller Stilwille und ein Gespür für skurrile Situationen prägten bereits die Comics der in Paris lebenden Künstlerin. Gemeinsam mit Vincent Paronnaud hat sie die Eigenschaften ihrer Vorlagen in Persepolis (2007) und Huhn mit Pflaumen (2011) erfolgreich auf die große Leinwand übertragen. Nun saß Satrapi zum zweiten Mal allein auf dem Regiestuhl. Mit The Voices ist ihr eine der schrägsten Komödien der vergangenen Jahre gelungen.

Im verschlafenen Provinznest Milton kreist das Leben rund um den größten Arbeitgeber, eine Badewannenfabrik. Dort steht der attraktive Jerry (Ryan Reynolds) bei den Damen aus der Verwaltung hoch im Kurs. Der Junggeselle kann sein Herz aber weder für Alison (Ella Smith) noch für Lisa (Anna Kendrick) erwärmen, hat er doch nur Augen für Fiona (Gemma Arterton). Deren Abfuhr kommt beim frisch Verliebten allerdings falsch an. Denn Jerry ist nicht ganz richtig im Oberstübchen. In seiner Wohnung hört er Stimmen aus vertrauten Mäulern. Während Jerrys Hund Bosco für die Ratio zuständig ist, treibt ihn sein Kater Mr. Whiskers dazu, auf seine Triebe zu vertrauen. Engelchen und Teufelchen in Haustierform.

Was wie eine romantische Komödie mit Handicap beginnt, schlägt schnell die erste Volte. Als Jerry Fiona aus Versehen um die Ecke bringt und deren abgetrenntes Haupt die Konversation sucht, ist klar, dass die psychischen Probleme des Junggesellen größer sind, als zunächst angenommen. Freud hätte seine Freude gehabt.

Die im Grunde düstere Geschichte eines traumatisierten Jungen, der sich zum Frauenmörder entwickelt, malt Satrapi in satten Pastelltönen auf die Leinwand. Von den pinkfarbenen Overalls der Fabrikarbeiter bis zu den rotblauen Interieurs der Bürogebäude, in The Voices kommt der schwarze Humor comicbunt daher. In Satrapis wundersamer Welt sieht Jerry schon mal gezeichnete Schmetterlinge oder drehen Gabelstapler perfekt zur Musik abgestimmt Pirouetten. Doch wehe, wenn der Protagonist seine Medikamente nimmt! Dann weichen die Farben dem Alltagsgrau. Und gemeinsam mit Jerry wird dem Kinopublikum das ganze Ausmaß seiner Taten bewusst.

Trotz aller Überzeichnung schlägt der Film auf diese Weise ernste Töne an, auch wenn stets die Komik überwiegt. Und es funktioniert wunderbar. Auch dank eines glänzend aufgelegten Ryan Reynolds, der mühelos zwischen Witz und Wahnwitz wechselt. Die Stimmen seiner Haustiere spricht Reynolds im englischen Original übrigens selbst. Alleine für Mr. Whiskers' bitterböse Kommentare, die der Kater mit schottischem Akzent knurrt, hätte Reynolds eine Auszeichnung verdient.

Mit The Voices gelingt Marjane Satrapi eine Serienkiller-Komödie mit Kultpotenzial – irgendwo zwischen Mein Freund Harvey (1950) und Henry: Portrait of a Serial Killer (1986), zwischen Blaubart und Norman Bates. Und das alles auf LSD. Das Publikum dankt es der Regisseurin mit Gelächter. Auch wenn es ihm das eine oder andere Mal im Halse stecken bleibt.

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Kann Ryan Reynolds mehr als nur gut aussehen? Er kann! Nachdem der Kanadier sein schauspielerisches Talent bereits 2010 in "Buried – Lebend begraben" unter Beweis gestellt hat, begibt er sich in Marjane Satrapis "The Voices" erneut in die Abgründe der menschlichen Seele.
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Meinungen
Popshot · 31.10.2015

Hund, Katze, Graus - toller Wortspiel-Titel. Genau das Richtige fürs "Heimkino". Also mit Heim meine ich Zuhause und nicht die "Geschlossene Anstalt", in die Jerry eigentlich gehört: popshot.over-blog.de/2015/10/the-voices-film-mit-u-a-ryan-reynolds-und-gemma-arterton.html

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