The Visit - Eine außerirdische Begegnung

The Visit - Eine außerirdische Begegnung

Was macht den Menschen zum Menschen?

The Visit dokumentiert ein Ereignis, das so (noch) nie stattgefunden hat: der erste Kontakt des Menschen mit einer anderen intelligenten Lebensform aus dem Weltall. Aber wie macht man einen Dokumentarfilm über etwas, was es (noch) nicht gibt? Indem man all die Menschen auf dieser Erde interviewt, die sich darüber schon seit Jahrzehnten den Kopf zerbrechen, und deren Beruf es ist, dieses Ereignis zu imaginieren.
Und von diesen Menschen gibt es erstaunlich viele. Ja, es gibt sogar eine ganze Behörde: Das Büro für Outer Space Affairs der UNO. Der Experimentalfilmer Michael Madsen nähert sich in The Visit dem Thema auf zwei Ebenen. In der ersten imaginiert er sich seine Kamera als Blickfeld der Aliens, die gerade gelandet sind und auf alles Leben auf unserem Planeten verwundert herabblicken. In der zweiten Ebene stellt sich Madsen das Ereignis chronologisch vor und sucht die Menschen auf, die im Fall der Fälle die Entscheidungsträger in Sachen Kommunikation wären: Wissenschaftlern und UNO-Experten; Presseattachées und Kommunikationsstrategen. Schließlich auch das Militär. Madsen arbeitet die Kommandokette ab und spielt so den Ernstfall durch. Und das mit erstaunlichen, manchmal komischen aber manchmal auch erschreckenden Ergebnissen.

Denn die bürokratischen Mühlen mahlen auch bei außerirdischen Lebensformen langsam. Ein Eintritt eines UFOs in die Erdatmosphäre müsste also erst einmal verifiziert werden, damit bestimmte Protokolle in Kraft treten. Aber wie verifiziert man eindeutig, dass es sich um ein UFO handelt? Gibt es da Regeln? Und was dann? Wie kommunizieren? Und was sagt man überhaupt? Wie schreibt man eine Regierungserklärung für solche Fälle, die die Menschheit nicht in Angst und Panik versetzt? Wie kann man Kontakt aufnehmen ohne sich selbst oder die Anderen zu kontaminieren? Und bei all diesen pragmatischen Fragen und Versuchen diese zu beantworten, stößt The Visit mehr und mehr zur eigentlichen Katastrophe vor. Denn ein Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform würde unsere Wahrnehmung des Menschseins von Grund auf verändern. Wir wären nicht mehr allein. Und wir wären sehr wahrscheinlich nicht mehr die intelligenteste Entität. Wir wären nicht mehr der Kern der Existenz.

Und hier entfaltet der Film seine tieferen, philosophischen Fragen. Denn mit der einfachen Bitte an alle Experten ihre Fragen in die Kamera und damit an das imaginierte Alien zu stellen, schafft es Madsen eine Kontemplation über die Frage des Mensch-Seins in Gang zu setzen. Denn mit der Frage "Wer bist du?" stellt man sich auch die Frage "Wer bin ich?" und was macht den Menschen eigentlich zum Menschen? Die Antwort scheint hier wohl zu sein, dass den Menschen vor allem eines ausmacht: die Angst die Kontrolle zu verlieren. Sowohl die geplanten Maßnahmen als auch die gestellten Fragen, zielen stets darauf hinaus irgendwie die Kontrolle zu behalten. Und wenn es nicht anders geht sogar alles zu zerstören.

Und auch Madsens Film leidet unter dieser Angst vorm Kontrollverlust. Zu streng bleibt er bei seiner Vorlage, die sich nach gut der Hälfte des Filmes erschöpft und deren Inhalt und visuelle Umsetzung von mehr Freiheit und Assoziation hätte profitieren können. Doch je länger The Visit läuft, desto mehr zermürbt sich die Idee im ewigen Reden, in langsamen Aufnahmen und den Ideen, die letztendlich doch recht unfokussiert und oberflächlich bearbeitet werden.

(Festivalkritik Beatrice Behn, Filmfest München 2015)

The Visit - Eine außerirdische Begegnung

"The Visit" dokumentiert ein Ereignis, das so (noch) nie stattgefunden hat: der erste Kontakt des Menschen mit einer anderen intelligenten Lebensform aus dem Weltall. Aber wie macht man einen Dokumentarfilm über etwas, was es (noch) nicht gibt? Indem man all die Menschen auf dieser Erde interviewt, die sich darüber schon seit Jahrzehnten den Kopf zerbrechen, und deren Beruf es ist, dieses Ereignis zu imaginieren.
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