The Turn - Verschollen im Südpazifik

The Turn - Verschollen im Südpazifik

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Vier Männer gegen das Meer

„Spannendes Survivaldrama mit großen Kinobildern“. Dieses Versprechen – abgegeben von der Fachzeitschrift Blickpunkt:Film – prangt auf dem Cover der DVD-Veröffentlichung The Turn – Verschollen im Südpazifik, erscheint nach der Sichtung aber wie ein schlechter Witz. Statt Nervenkitzel dominiert gähnende Langeweile. Und auch die Optik ist allenfalls passabel. Bedauerlich, wenn man bedenkt, dass die auf Tatsachen basierende Geschichte reichlich Stoff für einen mitreißenden Überlebenskampf bereithält. Wer danach sucht, sollte zu J. C. Chandors All Is Lost greifen, in dem Robert Redford als havarierter Segler dem Tod ins Auge sieht. Eine starke One-Man-Show, die vor allem eines deutlich macht: Große Budgets braucht es wahrlich nicht, um eine existenzielle Notlage authentisch zu vermitteln.
Im Jahr 1989 will der routinierte Skipper John (Peter Feeney) mit seinem Trimaran namens ‚Rose Noelle‘ von Neuseeland nach Tonga übersetzen und heuert für die Reise drei Begleiter an. Obwohl Jim (Dominic Purcell), Rick (Owen Black) und Phil (Greg Johnson) keine Hochseeerfahrung haben, stürzen sie sich bereitwillig in das Abenteuer. Mitten im Ozean wird das Boot allerdings irgendwann von einer riesigen Welle getroffen und auf den Kopf gedreht, sodass die Crew es nicht mehr steuern kann. Ohne Aussicht auf Rettung treiben die vier Männer fortan im Südpazifik, während die angespannte Stimmung immer wieder zu eskalieren droht.

Die Katastrophe steht gleich am Anfang, wobei Regisseur John Laing gut daran tut, mit unterschiedlichen Perspektiven zu arbeiten. Die Welle, die auf die ‚Rose Noelle‘ zurollt, sieht realistisch aus. Und gerade in dem Moment, in dem die Wassermassen die kleine Yacht erreichen, wechselt der Film ins Innere des Segelbootes, das ordentlich durchgeschüttelt und beschädigt wird. Bevor sich nach dem Zusammenstoß ein handfestes Gefühl der Beklemmung breitmachen kann, springt die Erzählung ein wenig unmotiviert in der Zeit zurück, um uns den Anfang der Reise vor Augen zu führen. Szenen, die offenkundig dazu gedacht sind, den Figuren etwas Fleisch zu geben. Tatsächlich kratzt das Drehbuch von Stephanie Johnson aber bloß Informationsfetzen zusammen, die für das weitere Geschehen keinen großen Mehrwert haben.

Dass es an Bord der gekenterten ‚Rose Noelle‘ wiederholt zu heftigen Diskussionen und kleineren Handgreiflichkeiten kommt, liegt vor allem an Hitzkopf Rick, der John die Schuld für die desolate Lage gibt. Den Kapitän zeichnet der Film als gottesfürchtigen, wagemutigen Abenteurer, der sich auf dem Meer zu Hause fühlt. Phil hingegen präsentiert sich als weinerlicher Tollpatsch, während Jim als ruhender Pol fungiert. Eine klare Rollenverteilung, die Reibung garantiert, dem eigentlich hochdramatischen Geschehen aber keine große Dringlichkeit verleiht. Viel zu oft – Achtung Wortspiel! – dümpelt The Turn einfach vor sich hin. Und noch dazu stellt man sich schon früh die Frage, warum die Macher den Überlebenskampf mehrfach unterbrechen, um uns zu zeigen, wie die Angehörigen der Schiffbrüchigen auf das Verschwinden reagieren. Da die Einschübe weder spannend noch sonderlich emotional ausfallen, sind sie absolut entbehrlich. Ähnliches gilt für den überpräsenten Off-Kommentar, der uns – in der deutschen Synchronisation erschreckend leidenschaftslos – Einblick in Johns Gedanken gewährt. Kluge Reflexionen oder ergreifende Erkenntnisse sucht man hier vergeblich. Stattdessen wirft der Bootsbesitzer mit Plattitüden um sich und beschreibt nicht selten Dinge, die allzu offensichtlich sind.

Obwohl das Survival-Abenteuer gegen Ende noch einmal eine interessante Perspektive auf die Ereignisse einnimmt, bleibt The Turn – Verschollen im Südpazifik eine dramaturgisch verkorkste Unternehmung mit langweiligen, eindimensionalen Figuren. Trotz technisch solider Umsetzung lässt einen das Schicksal der Protagonisten seltsam kalt, was für einen Film, dem ein wahrlich spektakulärer realer Fall zugrunde liegt, doch recht enttäuschend ist.

The Turn - Verschollen im Südpazifik

„Spannendes Survivaldrama mit großen Kinobildern“. Dieses Versprechen – abgegeben von der Fachzeitschrift „Blickpunkt:Film“ – prangt auf dem Cover der DVD-Veröffentlichung „The Turn – Verschollen im Südpazifik“, erscheint nach der Sichtung aber wie ein schlechter Witz. Statt Nervenkitzel dominiert gähnende Langeweile.
  • Trailer
  • Bilder

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Weitere Filme von

John Laing