The Spectacular Now - Perfekt ist jetzt

The Spectacular Now - Perfekt ist jetzt

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Ein prominent besetzter Nachzügler

Dass die sympathische Teenagerromanze The Spectakular Now erst knapp zwei Jahre nach ihrer Deutschlandpremiere auf dem Münchner Filmfest hierzulande auf DVD/Blu-ray erscheint, dürfte auf die zwischenzeitliche Popularität der beiden Hauptdarsteller zurückzuführen sein. Mit Das Schicksal ist ein mieser Verräter trat Shailene Woodley in einem der Kinohits des Jahres 2014 auf, wobei ihr zuletzt der Spagat zwischen Mainstream und Independentkino gelang. Gleiches gilt für ihren Partner Miles Teller, der als gebeutelter Schlagzeugschüler in Whiplash eigentliche eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Aktuell treffen sie in der Bestimmung-Trilogie in wechselnden Allianzen erneut aufeinander.
Die Adaption von Tim Tharps Vorlage Perfekt ist jetzt wird ganz aus Sutter Keelys Perspektive erzählt, der ein College-Essay über sein Leben verfassen soll. Das ermöglicht Regisseur James Ponsoldt und seinen Autoren, näheres über sein Innenleben zu enthüllen. Der Prolog zeichnet den jugendlichen Protagonisten als selbstbezogenen, feierwütigen High School-Studenten im finalen Jahr, der sich wenig Gedanken über seine Zukunft macht. Gleichzeitig enthüllt Sutter in seinem Aufsatz, dass ihn Versagensängste und die Furcht vor der Verletzung anderer plagen, was sich offensichtlich in seinem Alkoholproblem niederschlägt. Als er von seiner Freundin Cassidy verlassen wird, ertränkt er seine Frustration bei einer Party mit Hochprozentigem.

Am nächsten Morgen wacht Sutter ohne seinen Wagen im Garten seiner Mitschülerin Aimee Finecky auf, die er bislang kaum beachtete. Als sich die beiden wiedersehen, stellen sie allmählich manche Gemeinsamkeit fest. Ihre Freunde beobachten ihre wachsende Zuneigung mit Skepsis, da das stille Mädchen, Hobby-Comiczeichnerin sowie Fan von Science Fiction und Mangas, und der oberflächliche Draufgänger so wenig zueinander passen. Während Aimee schon ihre Zukunft plant, verschwendet Sutter, der sein Amüsement im Jetzt sucht, daran keine Gedanken.

Auch dank der trefflichen Besetzung gelingt es Ponsoldt, ein glaubwürdiges Bild von Teenagern auf dem schwierigen Weg in die Erwachsenenwelt zu entwerfen. Neben den jungen Darstellern trifft man auf Jennifer Jason Leigh als Sutters alleinerziehende Mutter, wobei sich Mutter und Sohn gegenseitig Halt geben, Kyle Chandler als verschollener Vater, dessen Abkehr von der Familie zu Sutters Zerrissenheit beitrug, und Bob Odenkirk (Better Call Saul) als Sutters Chef in einem Bekleidungsgeschäft, der eine Art Ersatz-Vaterfigur verkörpert.

Im Gegensatz zu Ponsoldts ebenso bemerkenswertem Vorgänger Smashed, dank dem er den Regieauftrag für The Spectacular Now erhielt, gewinnen hier die Nebenfiguren in nur wenigen Szenen stärkere Konturen. Vom Vorgänger übernahm er nicht nur die Problematik des Alkoholmissbrauchs, bei dem ausgelassene Partystimmung schnell in Katzenjammer umschlagen kann, sondern ebenso seine Ex-Hauptdarstellerin Mary Elisabeth Winstead (Stirb langsam 4.0).

Shailene Woodley, die zuvor seit über zehn Jahren zumeist in TV-Produktionen vor der Kamera stand, wirkt hier noch reichlich kindlich-mädchenhaft, womit sie allerdings den perfekten Kontrast zu Miles Tellers großspurigen Gesten darstellt. Dass Sutter seine neue Freundin zunehmend mit negativen Eigenschaften ansteckt, sorgt zunehmend für einen Riss in ihrer Beziehung. In den entfernten Szenen kommt dies noch deutlicher zum Ausdruck. Es findet sich nicht nur eine Sequenz, in der Aimee nach einer Liebesnacht ihre Vergewaltigung durch den damaligen Freund ihrer Mutter gesteht, sondern weithin eine dramatische Szene, in der das ungleiche Paar zwischen Rausch und Eifersuchtsanfall den Prom-Ball sprengt.

Diese Szenen aus einer ursprünglich 140 Minuten langen Fassung hätten nicht nur den Tonfall (weiter) verdüstert, sondern die perfekte dramaturgische Balance etwas aus dem Lot gebracht. Somit gelang Ponsoldt eine dicht entwickelte, authentische und berührende Liebesgeschichte, die die Qualitäten der besten High School-Werke auf sich vereint. DVD und Blu-ray enthalten darüber hinaus noch ein vierteiliges Making-of und einen Regisseurs-Audiokommentar, letzterer leider ohne Untertitel.

The Spectacular Now - Perfekt ist jetzt

Dass die sympathische Teenagerromanze "The Spectacular Now" erst knapp zwei Jahre nach ihrer Deutschlandpremiere auf dem Münchner Filmfest hierzulande auf DVD/Blu-ray erscheint, dürfte auf die zwischenzeitliche Popularität der beiden Hauptdarsteller zurückzuführen sein. Mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" trat Shailene Woodley in einem der Kinohits des Jahres 2014 auf, wobei ihr zuletzt der Spagat zwischen Mainstream und Independentkino gelang.
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