The Son of No One

The Son of No One

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Dito Montiel, wenig originell

Der junge Jonathan White (Jake Cherry), genannt „Milk“, wächst bei seiner Großmutter (Marilyn Dobrin) in einer prekären Gegend des New Yorker Stadtviertels Queens mit den entsetzlichen Belastungen von Armut und alltäglicher Gewalt auf, nachdem sein Vater – einst Polizist – verstorben ist. Seine einzigen Freunde sind sein Hund und der Nachbarsjunge Vinnie (Brian Gilbert), der von seinem Stiefvater missbraucht wird und unter massiven psychischen Problemen leidet. Eines Tages gerät Milk in heftige Bedrängnis, und Vinnie wird Zeuge der dramatischen Entwicklungen, die nun ihren Lauf nehmen und die beiden Jungs zutiefst beängstigen.
Auf der zweiten Zeitebene von The Son of No One begegnen wir dem nunmehr erwachsenen Jonathan „Milk“ White (Channing Tatum), der mittlerweile mit der attraktiven Kerry (Kathie Holmes) verheiratet ist, eine kleine Tochter (Ursula Parker) hat und bei der Polizei arbeitet. Als der fürsorgliche Familienvater nach Queens versetzt wird, holt ihn seine düstere Vergangenheit allmählich, aber mit schmerzhafter Wucht wieder ein. Der engagierten Journalistin Loren Bridges (Juliette Binoche) werden geheimnisvolle Enthüllungsbriefe zugespielt, die auf zwei Morde aus dem Jahre 1986 anspielen, die letztlich auf das damals korrupte Vorgehen des mittlerweile pensionierten Detectives Charles Stanford (Al Pacino) hinweisen, der ein enger Freund von Jonathan Whites verstorbenem Vater war. Die aggressiven Stimmungen innerhalb der Polizei von Queens spitzen sich kräftig zu, Jonathan erhält anonyme Anrufe und seine Familie wird bedroht, so dass er gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Nachdem er die Journalistin während eines Streitgesprächs, in dem sie ihm vorwirft, der „Sohn von Niemandem“ zu sein, vergeblich gebeten hat, ihm ein wenig Zeit einzuräumen, bevor sie den nächsten Brief veröffentlicht, wird diese ermordet aufgefunden …

Selbst gebürtiger New Yorker hat sich der US-amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Dito Montiel mit The Son of No One offensichtlich einen derben Cop-Thriller mit authentischem Milieu-Hintergrund vorgenommen, den er mit ebenso namhaften wie teilweise wunderbaren Schauspielern wie Al Pacino und Juliette Binoche komfortabel besetzt hat. Auch seine Geschichte über einen traumatisierten Polizisten, der sich seiner desolaten Kindheit und Jugend stellen muss, verfügt über ansprechende Aspekte und packende Wendungen, selbst wenn sich kleine Unstimmigkeiten sowie Unwegsamkeiten in die Dramaturgie geschlichen haben. Dennoch reicht dieser Film kaum je über das Niveau eines zwar sichtbar ambitionierten, insgesamt jedoch mittelmäßigen Krimis hinaus, was auch die streckenweise nicht üblen Leistungen der Akteure nicht aufzufangen vermögen, wobei Channing Tatum als Jonathan „Milk“ White mit seinem ewig gleichen, nichtssagenden Blick deutlich zu häufig und zu lange gekünzelt hilflos im Fokus der Kamera steht. Die Dialoge der deutschen Synchron-Fassung erscheinen allzu steif konstruiert, die im englischen Original gezwungen lässig, was sich nachhaltig ungünstig auf die Darstellung der Motivationen der Charaktere niederschlägt. Das bremst selbst spannende Stimmungen enorm, lässt die Darsteller übertrieben bis unglaubwürdig herüberkommen und raubt der Geschichte jegliche Geschmeidigkeit, so dass The Son of No One sein mächtiges Potenzial vergeudet und prächtige Talente verschleudert, deren punktuelles Aufflackern hier allenfalls kurz das gescheiterte Konzept des Films beleuchtet.

The Son of No One

Der junge Jonathan White (Jake Cherry), genannt „Milk“, wächst bei seiner Großmutter (Marilyn Dobrin) in einer prekären Gegend des New Yorker Stadtviertels Queens mit den entsetzlichen Belastungen von Armut und alltäglicher Gewalt auf, nachdem sein Vater – einst Polizist – verstorben ist.
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