The Silent House

The Silent House

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine ausführliche, langwierige Stilübung

Wenn ein Film, und dann noch aus dem Horror-Segment, auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, hebt dieses Merkmal offensichtlich seinen Anspruch und auch die Erwartung an eine interessante, heftige Geschichte. Doch wenn diese über nicht mehr Substanz verfügt, als sich in einem ein- bis zweizeiligen Ereignisverlauf erschöpfend zusammenfassen ließe, bedarf es anderer Kriterien, um den Film aus der Masse der einschlägigen Produktionen hervorzuheben. Im Falle von The Silent House, dem Debüt von Gustavo Hernández aus Uruguay, von dem die Geschichte stammt und der auch für den Schnitt und die Filmmusik verantwortlich zeichnet, ist es die nicht oder kaum geschnittene Kameraführung, die ihm einen besonderen Status innerhalb der Low Budget Inszenierungen des Genres verleiht. Sozusagen in Echtzeit vollzieht sich die spärliche Handlung des Films, auf engem Raum, mit wenigen Protagonisten und kargen Hintergrundinformationen. Wäre da nicht die auf klassische Elemente des Erschreckens ausgerichtete Spannung, könnte The Silent House auch als meditativer, unspektakulärer Bildstreifen durchgehen statt als experimenteller Horror-Film, der mitunter endlos erscheinende, banale Betrachtungen eines verrotteten Hauses präsentiert.
Eine dörfliche Gegend im Uruguay der 1940er Jahre: Die jugendliche Laura (Florencia Colucci) erreicht mit ihrem Vater Wilson (Gustavo Alonso) ein verfallendes Haus in einer abgeschiedenen Lage. Sie erwarten den Besitzer (Abel Tripaldi), einen Bekannten der Familie, der sie vor dem geplanten Verkauf des Hauses damit beauftragt hat, es zu renovieren. Dass weder die Tochter noch der Vater gesprächige Gesellen sind, wird rasch deutlich, und alsbald betten sie sich zur wenig gemütlichen Übernachtung im Untergeschoss, nachdem der Hausbesitzer sie ermahnt hatte, aus Sicherheitsgründen den baufälligen ersten Stock zu meiden. Während Wilso rasch einschläft, horcht Laura den Geräuschen der Nacht nach, und als sie ungewöhnlich bewegte Laute aus dem Obergeschoss vernimmt, ist es mit der atmosphärischen Gelassenheit vorbei. Unwillig geht der aufgeweckte Vater der Unruhe nach, und dann ist es neben flüchtigen, mysteriösen Halbgestalten ganz allein das junge Mädchen, das unablässig und geradezu zwanghaft durchs Haus streift, von der Kamera verfolgt, Schritt für Schritt, mitunter verharrend, Zimmer für Zimmer, von kleinen Schockeffekten für den Zuschauer flankiert …

In Cannes 2010 uraufgeführt und auf einigen weiteren Festivals weltweit präsentiert lebt The Silent House deutlich stärker von seiner ungewöhnlichen Inszenierung als von seiner minimalistischen Dramaturgie, die vor allem dann ins nivellierte Mittelmaß abgleitet, wenn sie bemüht ist, Abwechslung zu installieren und dadurch ihren anfänglichen Purismus verlässt. Alle anfangs ansprechenden Andeutungen verpuffen in wie Wiederholungen wirkenden Wandlungen durch das stille Haus, und die wenigen Variationen leben von der Erwartungshaltung, die nicht einmal enttäuscht, sondern eher derart verzögert wird, dass das Ende trotz seiner abrupten, unstimmigen Gestaltung geradezu erlösend wirkt, was immerhin einen Effekt darstellt. Damit gewinnt die Bezeichnung „wahrer Horror“ immerhin eine zusätzliche Dimension und das Genre eine nicht mehr ganz frische Innovation. Allein der Zuschauer geht leer aus.

The Silent House

Wenn ein Film, und dann noch aus dem Horror-Segment, auf einer wahren Begebenheit beruhen soll, hebt dieses Merkmal offensichtlich seinen Anspruch und auch die Erwartung an eine interessante, heftige Geschichte. Doch wenn diese über nicht mehr Substanz verfügt, als sich in einem ein- bis zweizeiligen Ereignisverlauf erschöpfend zusammenfassen ließe, bedarf es anderer Kriterien, um den Film aus der Masse der einschlägigen Produktionen hervorzuheben.
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