The Shallows - Gefahr aus der Tiefe

The Shallows - Gefahr aus der Tiefe

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Die junge Frau und der Hai

Mehr als vierzig Jahre nach seinem Erscheinen ist Steven Spielbergs Der weiße Hai im Subgenre des Tierhorrorfilms noch immer unerreicht. Ändern wird daran auch The Shallows – Gefahr aus der Tiefe nichts, in dem der Spanier Jaume Collet-Serra (Run All Night, Non-Stop) eine junge Frau um ihr Überleben kämpfen lässt. Freunde gradlinig-ehrlicher B-Movie-Kost dürfen sich allerdings auf einen effektiven Survival-Thriller mit starker Hauptdarstellerin freuen, der die Angst vor dem Ausgeliefertsein im Wasser einmal mehr befeuert und sich noch dazu wohltuend abhebt vom inzwischen ermüdend kalkulierten Sharknado-Trash.
Die Medizinstudentin Nancy (Blake Lively) ist überglücklich, als sie den einsamen Strand in Mexiko erreicht, an dem ihre kürzlich verstorbene Mutter während ihrer Schwangerschaft einst gesurft hat. Übermannt von Erinnerungen, schmeißt sich die junge Texanerin mit ihrem Brett in die Wellen und begegnet in der kleinen Bucht zwei anderen Surfern, die sich nur wenig später auf den Heimweg machen. Nancy will das kühle Nass noch etwas auskosten, sieht sich aber plötzlich einem riesigen Weißen Hai gegenüber, der sie unvermittelt attackiert. Retten kann sich die Surferin zunächst auf einen vor der Küste treibenden Walkadaver, den sie jedoch schon bald gegen einen aus dem Wasser ragenden Felsen eintauscht.

Sonne, ein unberührter Strand und klare Farben – mit seinen Hochglanzbildern, die auch aus einem Reisekatalog stammen könnten, erzeugt The Shallows zunächst ein ausgeprägtes Urlaubsgefühl. Nancy scheint im Paradies angekommen. Fernab hektischer Betriebsamkeit kann sie sich ganz auf das befreiende Gefühl beim Wellenreiten konzentrieren, das Collet-Serra in einer Mischung aus Schnittkaskaden und Zeitlupenbildern ausgiebig zelebriert. Fest im Blick hat die Kamera dabei nicht nur die eleganten Bewegungen der Protagonistin, sondern auch den bemerkenswert durchtrainierten Körper von Hauptdarstellerin Blake Lively, die sich, aus unterschiedlichsten Blickwinkeln gefilmt, ins Wasser stürzt.

Bevor das Ganze zu einem öden Werbeclip verkommt, lässt der Regisseur allerdings die drohende Gefahr aufziehen und hält sich dabei an eine uralte Regel des Horrorfilms: Geh mit deinem Monster nicht hausieren, sondern zeige es in ausgewählten Momenten! Großes Unbehagen ruft etwa eine Einstellung hervor, in der wir die Umrisse des Hais durch eine Welle hindurch sehen können. Bekommen wir den Angreifer doch einmal richtig zu Gesicht, müssen wir nicht mit einem billig animierten Sharknado-Exemplar Vorlieb nehmen, sondern blicken einem täuschend echt aussehenden Tier entgegen.

Helikopteraufnahmen machen den Zuschauer mit der Beschaffenheit der abgelegenen Bucht vertraut und zeigen deutlich, dass sich das rettende Ufer in Reichweite befindet. Dumm nur, dass der Weiße Hai den Felsen unaufhörlich umkreist. Als Kontrast zu den überblickartigen Perspektiven fangen Collet-Serra und Kameramann Flavio Martínez Labiano immer wieder Bilder ein, bei denen wir ganz nah an die Hauptfigur heranrücken. Auf diese Weise baut der Film Intimität zu Nancy auf und lässt uns zugleich die Beklemmung der Medizinstudentin spüren, die sie auf ihrem beengten Refugium befällt. Teilen muss sie sich den kleinen Felsen mit einer verletzten Möwe, die Erinnerungen an die Robinsonade Cast Away weckt, in der ein Volleyball zum Freund des Protagonisten avanciert.

Blake Lively macht als anfangs überforderte, zunehmend planvoller vorgehende taffe Überlebenskämpferin (Stichwort: Selbst-OP!) eine absolut glaubwürdige Figur. Ihr Spiel allein reicht aus, um das Publikum mit Nancy mitfiebern zu lassen. Fast schon störend wirkt da der emotionale Überbau rund um den Krebstod ihrer Mutter. Kleine Manöver und Wendungen – etwa die voranschreitende Flut – garantieren anhaltenden Nervenkitzel, den das Drehbuch von Anthony Jaswinski (Kristy – Lauf um dein Leben) zum Ende hin jedoch gegen überkandidelte Actionklischees eintauscht. Trotz dieser Delle und eines überflüssigen Nachklapps ist The Shallows – Gefahr aus der Tiefe ein größtenteils packender Reißer, der seinen Antagonisten nebenbei bemerkt nicht übermäßig dämonisiert. Das muss man Collet-Serras Film im direkten Vergleich mit Spielbergs Klassiker definitiv zugutehalten, dem der Weiße Hai immerhin sein Image als nimmersatte Killermaschine mit zu verdanken hat.

The Shallows - Gefahr aus der Tiefe

Mehr als vierzig Jahre nach seinem Erscheinen ist Steven Spielbergs "Der weiße Hai" im Subgenre des Tierhorrorfilms noch immer unerreicht. Ändern wird daran auch "The Shallows – Gefahr aus der Tiefe" nichts, in dem der Spanier Jaume Collet-Serra ("Run All Night", "Non-Stop") eine junge Frau um ihr Überleben kämpfen lässt.
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