The Saddest Music in the World

The Saddest Music in the World

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Pure Kino-Alchemie

Es gibt sie noch, die kleinen und großen Kino-Wunder. Gemeint sind damit jene Filme, die vollkommen abseits jeglicher Trends allein dem unbedingten Gestaltungswillen eines Regisseurs folgen und jene altmodisch anmutende Anziehungskraft erzeugen. Filme, die sich weniger aus aufwändigen Special Effects oder gigantischen Marketingmaßnahmen, sondern vielmehr aus altmodischer handwerklicher Könnerschaft speisen. Die Filme Guy Maddins entspringen einem solchen, beinahe antiquiert zu nennenden Berufsverständnis und irritieren die actionverwöhnten Augen mit Schwarz-Weiß-Bildern und kolorierten Sequenzen, altmodischen Auf- und Abblenden und Montagetechniken, die den Theorien Sergeij M. Eisensteins und anderer russischer Filmavantgardisten entnommen sind. Doch es sind nicht allein die Schauwerte, die Maddins neues Werk The Saddest Music in the World trotz einer gewissen „Massentauglichkeit“ zu einem außergewöhnlichen Filmkunstwerk machen, das keiner der hoffentlich zahlreichen Besucher jemals vergessen dürfte. Auch die Geschichte atmet den Geist von Skurrilität und Bizarrerie, der im Zeitalter geleckter Storylines, Sequels und Remakes zur großen Ausnahme geworden ist.
Kanada im Jahre 1933: Soeben ist die kanadische Stadt Winnipeg erneut zur traurigsten Stadt der Welt gekürt worden, was die Unterschenkel amputierte Brauerei-Unternehmerin Lady Helen Port-Huntley (Isabella Rossellini) zu der Idee veranlasst, einen Wettbewerb um die traurigste Musik der Welt auszuschreiben. Neben einer Krone aus gefrorenen Tränen gibt es vor allem 25.000 „Depression-Era-Dollars“ zu gewinnen – ein Preisgeld, das Musiker aus aller Herren Länder ins eiskalte Winnipeg lockt. Neben sentimentalen Mariachi-Musikern, depressiven Dudelsack-Spielern aus Schottland und tristen Trommlern aus Afrika ist es vor allem eine Familie, die den Wettbewerb dominiert: Das ist zum einen der schmierige Broadway-Produzent Chester Kent (Marc McKinney), der von Narcissa (Maria de Medeiros) begleitet wird, und zum anderen dessen Bruder Roderick alias Gavrilo (Ross McMillan), der für Serbien antritt. Zwischen den beiden Brüdern steht deren Vater Fyodor (David Fox), ein einstiger Chirurg, der sich nun als Straßenbahnfahrer durchschlägt und der – wie seine Söhne – der Ausrichterin des Wettbewerbs einst verfallen war. Im Kampf der beiden Söhne und ihres Vaters um die Gunst der Preisstifterin entspannt sich nun eine Dramödie, die schonungslos die emotionalen Verstrickungen aller Beteiligten bloß legt…

The Saddest Music in the World ist ein kleines Filmkunstwerk wie aus längst vergangenen Tage des Kintopps, eine abstruse Komödie mit tragischen Elementen, die im Laufe der Zeit eine wahre Magie entfacht. Für Cineasten und Cinephile eine Entdeckungsreise durch die Filmgeschichte, für den interessierten Zuschauer eine bizarr-schräge Komödie und der ideale Einstieg in das Werk des Kino-Solitairs Guy Maddin. Ein Film, den man nicht verpassen sollte.

The Saddest Music in the World

Es gibt sie noch, die kleinen und großen Kino-Wunder. Gemeint sind damit jene Filme, die vollkommen abseits jeglicher Trends allein dem unbedingten Gestaltungswillen eines Regisseurs folgen und jene altmodisch anmutende Anziehungskraft erzeugen.
  • Trailer
  • Bilder
Meinungen
Nora Oelke · 04.07.2008

Dieser Film hat mein innerstes berührt. Großartig!

Kommentare

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.